Transparenz auch in harten Zeiten
BPRA-Marktstatistik Anders als die Werbeagenturen präsentiert der Bund der PR-Agenturen auch heuer ein Ranking: Diese Transparenz könnte zum Wettbewerbsvorteil werden.
BPRA-Marktstatistik Anders als die Werbeagenturen präsentiert der Bund der PR-Agenturen auch heuer ein Ranking: Diese Transparenz könnte zum Wettbewerbsvorteil werden.
Kommunikation ist ihr Geschäft. Geht es aber um eigene Marktstatistiken, muss die Branche passen: Legislative Massnahmen in den USA (Sarbane-Oxley-Act) verhindern auch hier zu Lande, dass eine Vielzahl von Werbe- und PR-Agenturen ihre Geschäftsdaten veröffentlichen kann. Die Folge: Es sind keine Branchenzahlen und -ranglisten für den Schweizer Kommunikationsmarkt greifbar. Die – auch international gesehen – bald einzige Ausnahme bildet der Bund der Public Relations Agenturen der Schweiz (BPRA). Die vornehmlich inhabergeführten Agenturen konnten kürzlich ihr aktuelles Ranking präsentieren – nur zwei von 26 Agenturen mussten dabei in den Ausstand treten (siehe Kasten).Erste Orientierungsmöglichkeit
Dass der BPRA repräsentative Zahlen für den PR-Markt Schweiz präsentieren kann, bezeichnet Verbandspräsident Ulrich Bollmann zwar als «glücklichen Zufall». Die Rangliste der Agenturen hat aber doch mehr als zufälliges Gewicht: «Für unsere Kunden ist es absolut wichtig, dass wir ein solches Ranking haben», sagt Bollmann. Die Rangliste biete gerade potenziellen Neukunden eine erste Orientierungsmöglichkeit in der Branche.
Wird nun das BPRA-Ranking zum ernsthaften Wettbewerbsvorteil auf dem Markom-Marktplatz? Möglich wäre es, denn mittlerweile steht fest, dass es auf Seiten der Werbeagenturen in diesem (und wohl auch im nächsten) Jahr definitiv kein Ranking geben wird: Gemäss Walter Merz, Geschäftsführer des Branchenverbandes Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen (BSW), wird 2004 auch keine Erhebung über Strukturdaten und Saläre durchgeführt. Eine Änderung der gesetzlichen Situation erwartet Merz erst in ein bis zwei Jahren. Für den BSW-Geschäftsführer
bedeutet das fehlende Ranking einen «klaren Nachteil». Wie BPRA-Präsident Bollmann erwähnt auch BSW-Mann Merz die Orientierungsfunktion eines Agentur-Ranking nach quantitativen Kriterien für die Kunden. Gerade als Vertreter einer «Branche mit dem Ruf, nicht sehr transparent zu sein», bedauert es Walter Merz, dass nun die eigenen Bemühungen um Öffnung «von einem US-Kongress-Entscheid untergraben» werden.
Ob die unterschiedliche Transparenz der PR- gegenüber den Werbeagenturen zum Wettbewerbsvorteil wird, ist für BPRA-Präsident Bollmann nicht von vornherein klar. Einen proaktiv zu nutzenden Pfeil im Köcher des BPRA stelle dessen Ranking jedenfalls nicht dar, so Bollmann. Wichtiger für ihn ist, dass die Publikation der BPRA-Statistik auch im wirtschaftlich schwierigen Umfeld unbestritten ist: «Unsere Mitglieder müssen mit positiven oder negativen Zahlen leben.»
Was die Geschäftszahlen betrifft, müssen nach Einschätzung von BSW-Geschäftsführer Merz auch die Werbeagenturen mit «Tatsachen» auskommen, an denen es nichts zu beschönigen gebe. Dass die Phase ohne Werber-Rangliste mit einer wirtschaftlich stagnierenden Situation zusammenfällt, ist für den BSW nur bedingt von Vorteil: Zwar sind auch bei den Werbeagenturen die Bruttobetriebserträge im Jahr 2003 im Vergleich zum Vorjahr um 12 bis 15 Prozent zurückgegangen. Und so gebe es, wie Merz bestätigt, durchaus einzelne Mitglieder, die ganz froh seien, dass es momentan kein Ranking gebe. Doch der BSW-Geschäftsführer weiss auch: «Einzelne Agenturen sind beim BSW nur Mitglied, um ins Ranking zu kommen.» Der BSW bemüht sich deshalb, auch auf internationaler Ebene möglichst bald wieder eine aktuelle, repräsentative Rangliste präsentieren zu können.
Hoffen auf den Aufschwung
Wann die Kommunikationsbranche – in welcher Form auch immer – wieder bessere eigene Geschäftszahlen präsentieren kann, ist aber nach wie vor unklar. Wie eine im Herbst 2003 durchgeführte Umfrage ergab, gehen die meisten Agenturen für das Jahr 2004 von einer leichten Erholung aus. Auch das «Bauchgefühl» von BPRA-Präsident Ulrich Bollmann sagt ihm, dass die Talsohle erreicht sei, «die Frage ist nur, wie lange sie ist».
PR-Markt Schweiz: Weniger NettoumsatzIn der BPRA-Statistik über den Agenturmarkt 2003 sind 29 Agenturen
berücksichtigt – 26 davon sind Mitgliedagenturen. Neu dabei sind: die Peter Bütikofer & Company, Zürich, die Freicom, Balgach, die Zahner & Partner, St. Gallen, die Panta Rhei PR, Amriswil, die In Marketing, Schwerzenbach, und die Creafactory, Zug.
2003 sanken die gesamten Nettohonorarumsätze um 10,7 Prozent auf 73,8 Mio. Franken (2002: 82,7 Mio. Franken). Und das, nachdem die bis dahin wachstumsgewohnte Branche bereits 2002 einen Rückgang von
8,7 Prozent hatte hinnehmen müssen. Die Zahl der Beschäftigten sank von 373 auf 335 Personen. Hingegen blieb der Umsatz pro Kopf unverändert bei 222000 Franken stabil.
Trimedia und Burson-Marsteller rangieren in der aktuellen Statistik auf den Plätzen 2 und 4, obwohl ihnen aus rechtlichen Gründen (vergleiche Haupttext) die Veröffentlichung der Geschäftsdaten verwehrt ist.
Strukturell gesehen, hat sich die Branche 2003 erstmals etwas normalisiert: Die langjährige Dominanz der «Big Five» hat abgenommen. Dennoch gibt es zwischen den einzelnen PR-Agenturen nach wie vor
grosse Unterschiede. Während der Leader Farner «nur» eine Einbusse von 12 Prozent erlitt, verzeichnete Wirz Corporate einen Einbruch um mehr als 46 Prozent Der Vorsprung der Nummer 5 zu den folgenden Agenturen hat sich deutlich verringert.
Entgegen dem Branchentrend konnten sich einige kleinere und
mittlere Agenturen deutlich steigern, so etwa Freicom (+ 10,8 Prozent),
PR Access (+ 52,8 Prozent) oder Panta Rhei (+ 12,2 Prozent). BPRA-Präsident Ulrich Bollmann erklärt dies mit unterschiedlichen Organisationsformen und Kernkompetenzen der einzelnen Agenturen. Zudem spiele bei den Ergebnissen von mittleren und kleineren Agenturen auch die Abhängigkeit von einzelnen Kunden eine grössere Rolle. (ps)
Klare Sache: Das Ranking des BPRA zeigt auf, wie sich die Schweizer PR-Unternehmen im Markt schlagen.
Patrick Steinemann
Kommunikation ist ihr Geschäft. Geht es aber um eigene Marktstatistiken, muss die Branche passen: Legislative Massnahmen in den USA (Sarbane-Oxley-Act) verhindern auch hier zu Lande, dass eine Vielzahl von Werbe- und PR-Agenturen ihre Geschäftsdaten veröffentlichen kann. Die Folge: Es sind keine Branchenzahlen und -ranglisten für den Schweizer Kommunikationsmarkt greifbar. Die – auch international gesehen – bald einzige Ausnahme bildet der Bund der Public Relations Agenturen der Schweiz (BPRA). Die vornehmlich inhabergeführten Agenturen konnten kürzlich ihr aktuelles Ranking präsentieren – nur zwei von 26 Agenturen mussten dabei in den Ausstand treten (siehe Kasten).Erste Orientierungsmöglichkeit
Dass der BPRA repräsentative Zahlen für den PR-Markt Schweiz präsentieren kann, bezeichnet Verbandspräsident Ulrich Bollmann zwar als «glücklichen Zufall». Die Rangliste der Agenturen hat aber doch mehr als zufälliges Gewicht: «Für unsere Kunden ist es absolut wichtig, dass wir ein solches Ranking haben», sagt Bollmann. Die Rangliste biete gerade potenziellen Neukunden eine erste Orientierungsmöglichkeit in der Branche.
Wird nun das BPRA-Ranking zum ernsthaften Wettbewerbsvorteil auf dem Markom-Marktplatz? Möglich wäre es, denn mittlerweile steht fest, dass es auf Seiten der Werbeagenturen in diesem (und wohl auch im nächsten) Jahr definitiv kein Ranking geben wird: Gemäss Walter Merz, Geschäftsführer des Branchenverbandes Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen (BSW), wird 2004 auch keine Erhebung über Strukturdaten und Saläre durchgeführt. Eine Änderung der gesetzlichen Situation erwartet Merz erst in ein bis zwei Jahren. Für den BSW-Geschäftsführer
bedeutet das fehlende Ranking einen «klaren Nachteil». Wie BPRA-Präsident Bollmann erwähnt auch BSW-Mann Merz die Orientierungsfunktion eines Agentur-Ranking nach quantitativen Kriterien für die Kunden. Gerade als Vertreter einer «Branche mit dem Ruf, nicht sehr transparent zu sein», bedauert es Walter Merz, dass nun die eigenen Bemühungen um Öffnung «von einem US-Kongress-Entscheid untergraben» werden.
Ob die unterschiedliche Transparenz der PR- gegenüber den Werbeagenturen zum Wettbewerbsvorteil wird, ist für BPRA-Präsident Bollmann nicht von vornherein klar. Einen proaktiv zu nutzenden Pfeil im Köcher des BPRA stelle dessen Ranking jedenfalls nicht dar, so Bollmann. Wichtiger für ihn ist, dass die Publikation der BPRA-Statistik auch im wirtschaftlich schwierigen Umfeld unbestritten ist: «Unsere Mitglieder müssen mit positiven oder negativen Zahlen leben.»
Was die Geschäftszahlen betrifft, müssen nach Einschätzung von BSW-Geschäftsführer Merz auch die Werbeagenturen mit «Tatsachen» auskommen, an denen es nichts zu beschönigen gebe. Dass die Phase ohne Werber-Rangliste mit einer wirtschaftlich stagnierenden Situation zusammenfällt, ist für den BSW nur bedingt von Vorteil: Zwar sind auch bei den Werbeagenturen die Bruttobetriebserträge im Jahr 2003 im Vergleich zum Vorjahr um 12 bis 15 Prozent zurückgegangen. Und so gebe es, wie Merz bestätigt, durchaus einzelne Mitglieder, die ganz froh seien, dass es momentan kein Ranking gebe. Doch der BSW-Geschäftsführer weiss auch: «Einzelne Agenturen sind beim BSW nur Mitglied, um ins Ranking zu kommen.» Der BSW bemüht sich deshalb, auch auf internationaler Ebene möglichst bald wieder eine aktuelle, repräsentative Rangliste präsentieren zu können.
Hoffen auf den Aufschwung
Wann die Kommunikationsbranche – in welcher Form auch immer – wieder bessere eigene Geschäftszahlen präsentieren kann, ist aber nach wie vor unklar. Wie eine im Herbst 2003 durchgeführte Umfrage ergab, gehen die meisten Agenturen für das Jahr 2004 von einer leichten Erholung aus. Auch das «Bauchgefühl» von BPRA-Präsident Ulrich Bollmann sagt ihm, dass die Talsohle erreicht sei, «die Frage ist nur, wie lange sie ist».
PR-Markt Schweiz: Weniger NettoumsatzIn der BPRA-Statistik über den Agenturmarkt 2003 sind 29 Agenturen
berücksichtigt – 26 davon sind Mitgliedagenturen. Neu dabei sind: die Peter Bütikofer & Company, Zürich, die Freicom, Balgach, die Zahner & Partner, St. Gallen, die Panta Rhei PR, Amriswil, die In Marketing, Schwerzenbach, und die Creafactory, Zug.
2003 sanken die gesamten Nettohonorarumsätze um 10,7 Prozent auf 73,8 Mio. Franken (2002: 82,7 Mio. Franken). Und das, nachdem die bis dahin wachstumsgewohnte Branche bereits 2002 einen Rückgang von
8,7 Prozent hatte hinnehmen müssen. Die Zahl der Beschäftigten sank von 373 auf 335 Personen. Hingegen blieb der Umsatz pro Kopf unverändert bei 222000 Franken stabil.
Trimedia und Burson-Marsteller rangieren in der aktuellen Statistik auf den Plätzen 2 und 4, obwohl ihnen aus rechtlichen Gründen (vergleiche Haupttext) die Veröffentlichung der Geschäftsdaten verwehrt ist.
Strukturell gesehen, hat sich die Branche 2003 erstmals etwas normalisiert: Die langjährige Dominanz der «Big Five» hat abgenommen. Dennoch gibt es zwischen den einzelnen PR-Agenturen nach wie vor
grosse Unterschiede. Während der Leader Farner «nur» eine Einbusse von 12 Prozent erlitt, verzeichnete Wirz Corporate einen Einbruch um mehr als 46 Prozent Der Vorsprung der Nummer 5 zu den folgenden Agenturen hat sich deutlich verringert.
Entgegen dem Branchentrend konnten sich einige kleinere und
mittlere Agenturen deutlich steigern, so etwa Freicom (+ 10,8 Prozent),
PR Access (+ 52,8 Prozent) oder Panta Rhei (+ 12,2 Prozent). BPRA-Präsident Ulrich Bollmann erklärt dies mit unterschiedlichen Organisationsformen und Kernkompetenzen der einzelnen Agenturen. Zudem spiele bei den Ergebnissen von mittleren und kleineren Agenturen auch die Abhängigkeit von einzelnen Kunden eine grössere Rolle. (ps)
Klare Sache: Das Ranking des BPRA zeigt auf, wie sich die Schweizer PR-Unternehmen im Markt schlagen.
Patrick Steinemann
