«Viel Vertrauen ohne teure Kampagnen»

Trinkwasser Paul Sicher vom Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches empfiehlt: Trinkt Hahnenburger!

Trinkwasser Paul Sicher vom Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches empfiehlt: Trinkt Hahnenburger!WW Der Mineralwasserkonsum in der Schweiz ist in den letzten drei Jahren um rund 21 Prozent gestiegen. Obwohl unser Hahnenwasser eine gute Qualität aufweist und viel günstiger ist. Wie erklären Sie sich diesen Trend? Paul Sicher Der steigende Konsum ist wahrscheinlich auf die sehr präsente und emotionale Werbung der Hersteller zurückzuführen. Die Mineralwasserindustrie bewegt sich im freien Markt. Ihre Teilnehmer müssen sich gegen die Konkurrenz behaupten. Trinkwasserversorger hingegen sind «natürliche» Monopolbetriebe und haben überspitzt ausgedrückt keine Kommunikationskultur. In unserem Bereich kann Werbung sogar kontraproduktiv wirken, da die Bevölkerung Geldinvestitionen in die Kommunikation für ein Allgemeingut oft nicht akzeptiert.
Trotzdem haben Sie vor sechs Jahren ein Logo und damit ein nationales Erkennungszeichen für Trinkwasser eingeführt.
Ja, wir versuchen eine Marke aufzubauen. Natürlich ist dies nicht ganz vergleichbar mit einem Markenaufbau in der freien Marktwirtschaft. Das jährliche Kommunikations-Budget beläuft sich auf rund 100000 Franken. Wir bemühen uns zwar, das Logo effektiv einzusetzen. Die Mittel reichen aber nicht aus, um das Image mit einer gross angelegten Kampagne aufzubauen. Eine Positionierung der Marke Trinkwasser ist zudem schwierig, da es sich um ein Allgemeingut handelt und wir deshalb keine bestimmte Zielgruppe definieren können.
Was kann die Bildmarke überhaupt bewirken?Wenn es gelingt, allen 3000 Wasserversorgungen in der Schweiz einen einheitlichen Auftritt zu verpassen und deren Dienstleistung mit Trinkwasser in Verbindung zu bringen, können wir langfristig einen Nutzen daraus ziehen. Kurzfristig ist dies nicht möglich, da in unserer Branche die Bereitschaft noch fehlt, entsprechende Mittel für die Kommunikation bereitzustellen. Unsere Schwerpunkte liegen daher mehr auf sachlicher Information und Medienarbeit. Trotzdem hilft das nationale Erkennungszeichen beim Imageaufbau des Produkts. Das Logo steht für ein Trinkwasser, welches frisch und qualitativ einwandfrei sowie ein idealer Durstlöscher ist.
Wird eine Steigerung des Trinkwasserkonsums angestrebt?Der Gesamtverbrauch von Trinkwasser ist seit 20 Jahren sinkend. Aus Imagegründen würden wir den Anteil Wasser, der tatsächlich getrunken wird, gerne steigern. Das lässt sich aber nur sehr schwer quantitativ messen. Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch an Trinkwasser beträgt 162 Liter. Darin enthalten ist zum Beispiel das Baden oder das Abwaschen. Der Teil, der zum Trinken gebraucht wird, bewegt sich im Bereich von wenigen Prozenten und ist damit nur vom Image-Gedanken her relevant für uns. Eine Umfrage aus dem Jahr 2001 hat ergeben, dass zwei Drittel der Befragten täglich Wasser vom Hahn trinken. Dies ist ein Zeichen, dass dem Schweizer Trinkwasser Vertrauen entgegengebracht wird.
Mit welchen Argumenten soll die Bevölkerung zum Trinken von Hahnenwasser ermutigt werden?Das Wasser ist überall in der Schweiz in bester Qualität und frisch ab Hahnen günstig erhältlich. Es sind aber auch ideologische Vorteile, die Trinkwasser bietet. Da Wasser ein lokales heimisches Produkt ist, muss es nicht Kilometer weit transportiert werden. Trinkwasser ist ein nachhaltiges, naturnahes Produkt. Massive Energieeinsparungen und der niedrige Preis gegenüber Mineralwasser sind weitere Argumente. Qualitätsmässig ist Trinkwasser gemäss unabhängigen Untersuchungen mindestens ebenbürtig mit den Flaschenwässer, abgesehen vielleicht vom Mineraliengehalt. Teilweise muss Trinkwasser sogar strengeren hygienischen Vorschriften genügen.
SVGW1873 haben Werkleiter der Gas- und Wasserversorgungen den Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) zur fachlichen Unterstützung der Versorgungsbetriebe gegründet. Heute ist der Verein als anerkannte Dachorganisation ein Kompetenzzentrum mit umfassendem Angebot – siehe auch www.svgw.ch. Ziel seiner Aktivitäten ist, das Gleichgewicht zwischen Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit für die Gas- und Wasserbranche zu erhalten. Mitglieder des SVGW sind Versorgungsunternehmen, Planer, Ingenieurfirmen, Hersteller, Gewerbetreibende sowie Behörden. (sk)
Interview: Simone Keller

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