Der Beschleuniger

Christian Toberer vermittelt mit seiner Agentur Weissgrund erfolgreich brauchbare Inhalte.

Christian Toberer vermittelt mit seiner Agentur Weissgrund erfolgreich brauchbare Inhalte.
Er war früher internationaler Orientierungsläufer. Da kann nur gewinnen, wer viel Routine hat und Mut zeigt, in jedem Gelände immer wieder nach neuen Wegen zu suchen. Nun hat sich der Ex-Orientierungsläufer Christian Toberer auch beruflich in ein neues Gebiet vorgewagt: Er positioniert seine Agentur auch in der Unternehmenskommunikation. Vor 29 Jahren gründete der als links-grün bekannte Gaudenz Tscharner das TSR-Kampagnenbüro. Seit 15 Jahren ist Toberer dort im Verwaltungsrat. Vor zehn Jahren hat er die Agentur übernommen und führt
sie seither mit konstantem Erfolg. «Klein, fein und mittendrin», erwirtschaftet das Unternehmen an der Zürcher Bellerivestrasse seit fünf
Jahren mit einem halben Dutzend Mitarbeitenden konstant rund 1,2 Millionen Franken Honorar pro Jahr.
Zu den auffallendsten Arbeiten der Agentur gehört die kommunikative Begleitung der Stauprobleme während der sechsjährigen Bauphase des Baregg-Tunnels. Bis vor zwei Jahren haben Toberer und sein Team auch entscheidend mitgeholfen, die Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ «vom Verkehrsmittel für alte Leute zum modernen Lifestyle-Produkt» zu ent-
wickeln. Weitere Kunden waren oder sind Pro Helvetia, das Bakom, Uni Zürich und ETH, der WWF, aber auch Swisscom Mobile und IKEA.
Mit «Kommunikation zu Projekten und Themen» könnte man eine Spezialität der Agentur umschreiben. Toberer interessieren die Schub-
laden PR und Werbung nicht. «Heute ist die Auseinandersetzung mit Themen gefragt. Viel mehr als eine aufgeblasene Verpackung.»
Vor knapp zwei Jahren hat das Kampagnenbüro eine Tochtergesellschaft gegründet, mit der vor allem neue Kunden mit anspruchsvollen Bedürfnissen im Bereich Unternehmenskommunikation bedient werden sollten. Unter dem Namen Weissgrund wollte man «ein Jahr lang ausprobieren, was passiert».
Passiert ist viel, denn seit diesem Sommer nennt sich die ganze Agentur Weissgrund. Die Unternehmensentwicklerin Gaby Wyser leitete auf nationaler Verbandsebene und bei den VBZ die Kommunikation, bevor sie bei Toberer als Partnerin einstieg. Am wichtigsten für die Firmenkultur bei Weissgrund ist aber, dass in der Agentur «viel Lebenserfahrung versammelt ist». Toberer ist überzeugt, dass sich dies positiv auf die Inhalte der Kampagnen überträgt. Die Agentur ermöglicht darum bewusst Arbeitsmodelle, die «normalerweise in der Werbung kaum realisierbar sind». So gibt es bei Weissgrund Teilzeitstellen, die von Familienvätern oder Müttern besetzt werden.
Als eine typische Arbeit für seine Agentur verweist Toberer aktuell auf Präventionskampagnen gegen Sucht und sexuelle Übergriffe im Sport. «Das sind heikle Themen, bei denen man nicht mit irgendeiner Werbung vorfahren kann. Da bewegt man sich im Bereich Opfer und Täter und muss subtiler argumentieren, um jemanden dahin zu bringen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.»
Toberer kann für solche Themen als Referenz «ein abgebrochenes Stu-
dium in Psychologie und Publizistik bieten», wie er flachst. Bei Ascom baute er über vier Jahre lang für eine Division die Werbe- und Kommunikationsabteilung auf. Vorher textete er bei einer Agentur Bedienungsanleitungen und lernte nachhaltig, «Inhalte zu vermitteln, die man brauchen kann», wie er heute seine Arbeit umschreibt.
Christian Toberer glaubt, dass heute die Auseinandersetzung mit Themen wichtiger ist als eine aufgeblasene Verpackung.

Andreas Panzeri

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