Nichts für dünne Stimmchen

Telecom Mit einer Flatrate in der Festnetztelefonie geht Sunrise auf Kundenfang bei der Konkurrenz.

Telecom Mit einer Flatrate in der Festnetztelefonie geht Sunrise auf Kundenfang bei der Konkurrenz. Mit aggressiver Preispolitik und Superlativ-Kommunikation kämpfen Schweizer Telefondienstanbieterinnen um Kunden und Marktanteile. Das Unterbieten der Konkurrenz-tarife und Überbieten der Services führt zu immer mehr Angeboten und trägt letztlich auch zur Verwirrung der Konsumenten bei. Denn die unterschiedlichen Tarifstrukturen erschweren den Vergleich zwischen den Dienstleistern immer mehr. Anfang Monat hat Sunrise mit dem ersten Flatrate-Angebot fürs Schweizer Festnetz eine neue Offensive in der Kundenstammerweiterung gestartet. Dass es sich bei Sunrise select unlimited um die Antwort auf Cablecoms digital phone handle, dementiert Beat Ruch, Head of Marketing Communications bei Sunrise: «Als Nummer zwei im Schweizer Markt orientieren wir uns klar an der Swisscom und sehen uns deshalb nicht veranlasst, auf einen Player wie Cablecom zu reagieren». Die Einführung von select unlimited sei keine Reaktion sondern eine Aktion. Und diese zielt primär auf den Kundenstamm der Ex-Monopolistin. Gegenüber deren Dienstleistungen will sich das Sunrise-Angebot vor allem über die simple Bedienung und transparente Tarifstruktur positionieren. Für den monatlichen Pauschalbetrag von 24 Franken ermöglicht die Dienstleistung 600 Verbindungen ins Schweizer Festnetz. Während die Gesprächsdauer unlimitiert ist, sind Spezialnummern, das Natel- und Satellitennetz sowie Internet-Verbindungen ausgenommen. Zudem bezahlen Sunrise-Kunden weiterhin die Anschlussgebühr von rund 25 Franken an Swisscom.
Gemäss Ruch sind die ersten Reaktionen auf das Produkt sehr positiv: «Wir befinden uns auf Zielkurs». Die schweizweite Einführung von Sunrise select unlimited startet am 27. August mit TV- und Radiospots. Verantwortlich für die Publikumskampagne zeichnet Hausagentur Wirz. Auf überraschende Weise dramatisieren die TV-Spots den Consumer-USP «mehr Sprechen»: Ein Patient sagt weiterhin «A», obwohl der Arzt das Holzstäbchen längst aus seinem Mund gezogen hat, und eine Mutter, die ihren Sohn hereingerufen hat, verharrt minutenlang auf der Silbe des Gesagten. «Trainieren Sie Ihre Stimme», löst der Textabbinder die Szenen auf. Nach dem gleichen Konzept wurden auch drei Radiospots realisiert. Ein Stimmtraining wäre für Sunrise-select-unlimited-Abonnenten tatsächlich von Vorteil: Gemäss comparis.ch lohnt sich das Flatrate-Angebot nämlich erst ab 7 Stunden und 40 Minuten pro Monat. Das Angebot, so Beat Ruch, richtet sich denn auch primär an klassische Familien und andere Vieltelefonierer, die ihr
Anrufverhalten nicht der zeitlichen Tarifstruktur anpassen wollen.
CH–FestnetzmarktMit Beginn der Liberalisierung im Jahr 1998 stieg die Zahl der Fernmeldeanbieterinnen gemäss Bakom bis 2001 um rund 112 Prozent an. Insgesamt 115 konzessionierte Betreiberinnen zählte die Schweiz vor einem Jahr. Zum Anbieten öffentlicher Sprachtelefoniedienste waren zusätzlich 110 Unternehmen befähigt. Allerdings trat nur rund ein Viertel davon aktiv auf dem Markt auf. Rund 34 Prozent der Konsumentenschaft führt ihre In- und Auslandgespräche nicht über die Swisscom. Letztere hält dank dem Monopol auf die letzte Meile nach wie vor 99,98 Prozent der Festnetzanschlüsse. In der EU hingegen nutzen seit der Liberalisierung bereits sechs Prozent den Anschluss eines Alternativanbieters.(sk).
Die TV-Spots von Sunrise dramatisieren den Consumer-USP «mehr Sprechen» überraschend und witzig.
Simone Keller

More articles on the topic