«In Basel platzen wir aus den Nähten»

Lokal-TV TeleBasel-Geschäftsführer Willy Surbeck über die wundersame Vermehrung seiner Werbeeinnahmen, die Konkurrenz und Expansionspläne.

Lokal-TV TeleBasel-Geschäftsführer Willy Surbeck über die wundersame Vermehrung seiner Werbeeinnahmen, die Konkurrenz und Expansionspläne.WW 2004 hat TeleBasel die Werbeeinnahmen gegenüber 2003 fast verdoppelt (siehe Kasten). Wie war das möglich?Willy Surbeck Zum einen brachte das TeleNewsCombi (TNC) wie bei den anderen TNC-Sendern die doppelten Umsätze. Zweitens profitierten wir vom wachsenden Interesse am Medium Lokal-TV. Drittens holte TeleBasel wesentlich mehr aus dem lokalen Markt heraus, seit wir diesen selbst bearbeiten. Bis vor einem Jahr war TeleBasel an eine externe exklusive Buchungsstelle gebunden.
… an die zur Tamedia gehörende Medag, die auch Radio Basilisk vermarktet. Den Vertrag haben Sie per Ende 2003 gekündigt, weil die Medag mit ihrer Leistung klar unter Budget lag.
Woher wissen Sie das? Die Medag arbeitet für TeleBasel hervorragend, bloss ist sie nicht mehr exklusive Buchungsstelle. Immerhin lag ihr Anteil an unserem Umsatzerfolg im 2004 deutlich über unseren Erwartungen.
Hat sie sich aufgerafft?
Sie musste sich nicht aufraffen, nur das Sortiment bereinigen. Der Erfolg bestätigt die alte Regel, dass Radio und TV oftmals nicht von denselben Leuten verkauft werden können. Das liegt in der Natur des Geschäftes. In Bern und Zürich weiss man das schon lange.
Wie gross ist jetzt das eigene Verkaufsteam von TeleBasel?
Inhouse managen Verkaufsprofi Walter Liechti und eine Disponentin das Geschäft. Extern bewegen sich drei unabhängige Spotproduzenten an der Verkaufsfront.
Ändert sich der Preis?
Es könnte sein, dass wir ihn im Frühjahr leicht nach oben anpassen. Entschieden ist noch nichts. Es kommt auch darauf an, wie es mit unserem neuen Marktpartner NW1 weitergeht.
Welchen Anteil hat denn NW1 (ehemals Nordwest 5) an Ihrem Erfolg? Die Expansion dieses Senders nach Basel und der Einstieg von Basilisk-Mitbegründer Christian Heeb hat Sie sicher zusätzlich angespornt.
Wir haben schon vorher alles gegeben. Aber die Attacken des neuen Senders haben uns so oft in die Medien gebracht, dass TeleBasel ständig an Bedeutung gewonnen hat. Wir konnten sogar eine geplante Werbekampagne streichen.
NW1 brachte Sie aber auch dazu, in Liestal ein Aussenstudio zu eröffnen.
Ja, schon. Aber in Basel platzen wir sowieso aus den Nähten, können aber nicht genügend Raum in der Nachbarschaft zumieten. Zudem haben wir die Glasfaserleitung von Basel nach Liestal schon im Jahr 2003 bauen lassen.
Nun will auch Tele M1 in die Nordwestschweiz …
Schon heute kommt Tele M1 bis Pratteln, in die Mitte unseres Sendegebiets, weil sich Kabelnetze nicht splitten lassen. Deshalb haben wir uns gegen den Ausweitungsplan ausgesprochen, sonst hat es für TeleBasel plötzlich keinen Platz mehr.
Wann kommt die Expansion nach Deutschland?Die Lörracher Oberbürgermeisterin wünscht die Verbreitung von TeleBasel, obwohl wir nie mit ihr gesprochen haben. Sie will, dass die 50000 täglichen Grenzgänger aus dem Elsass und Südbaden sehen können, was in Basel, ihrem Wirtschaftszentrum, passiert. Auch Kabel Baden-Württemberg möchte uns in Grenznähe aufschalten. Wann das sein wird, wissen wir aber noch nicht.
Pläne über die Grenzen hinweg hegt TeleBasel aber schon lange.
Pläne? Nein. Wir haben uns vor Jahren nach der Rechtslage und dem Interesse eines Kabelnetzbetreibers erkundigt. Das ist alles.
Was haben Sie dort nun vor?Journalistisch können wir unseren Aktionsradius kaum weiter als zu den grenznahen Orten Weil am Rhein und Lörrach ausdehnen.
Rechnen Sie mit zusätzlichem Werbepotenzial?Wieso zusätzlich? Der süddeutsche Detailhandel wirbt doch schon heute grossflächig und mit grossem Erfolg auf TeleBasel.
Die Schweizer Werbekunden werden ein Supplement erhalten, das mittels Publica-Data-Zahlen gar nicht auszuweisen ist.
Ja schon. Aber wir vertrauen den Werbern. Die können das gut abstrahieren.
Ansehnliches BudgetTeleBasel hat gemäss Communiqué sein «bisher erfolgreichstes Jahr» hinter sich. Es konnte im 2004 durchschnittlich 110500 Zuschauer pro Tag ausweisen, was einer Reichweite von 21,7 Prozent entspricht.
Seine Werbeeinnahmen konnte der Sender von 700000 Franken auf 1,3 Millionen Franken steigern, das sind 300000 Franken mehr als budgetiert. Dabei hat sich der Umsatz aus der lokalen Werbung verdoppelt.
Das Sponsoring brachte noch einmal 1,3 Millionen Franken. Die zusätzlichen Einnahmen werden in modernes IMX-Kamera- und Schnittequipment investiert, um die Bildqualität zu verbessern.
Für 2005 rechnet TeleBasel wieder mit je 1,3 Millionen Franken Werbe- und Sponsoringeinnahmen. Dazu erhält der Sender von der Cablecom-Tochter Balcab 1,5 Millionen Franken, sodass er auf ein Jahresbudget von 4,1 Millionen Franken kommt. (mk)
2004 brachte TeleBasel Rekordumsätze in Werbung und Sponsoring. Willy Surbeck will 2005 zumindest die Vorjahreszahlen wieder erreichen.
Interview: Markus Knöpfli

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