Turnaround-PR der fragwürdigen Art
Ist der Ruf erst ruiniert, kommuniziert sichs gänzlich ungeniert. Das meint Serge Gnos mit Blick auf Tamedia, die 2004 fast 50 Millionen Gewinn gemacht hat.
Ist der Ruf erst ruiniert, kommuniziert sichs gänzlich ungeniert. Das meint Serge Gnos mit Blick auf Tamedia, die 2004 fast 50 Millionen Gewinn gemacht hat.Das Verlagsgeschäft ist – wir wissen es alle – äusserst volatil. Geht es der Wirtschaft gut, werden wie in den Jahren 2000 und 2001 grandiose Gewinne erzielt; sackt die Konjunktur ab, schlägt das Pendel in der Medienbranche stärker aus als anderswo und die Umsätze rasseln in den Keller.Umso wichtiger demnach, dass ein Unternehmen der Kommunikationsbranche seine Kommunikation im Griff hat – und sowohl gute wie weniger gute Geschäftsergebnisse professionell zum Leuchten bringt. Es gilt immerhin Öffentlichkeit, Inhaber und Aktionäre von der eigenen Aussergewöhnlichkeit zu überzeugen. Und es gilt, dem Personal einen zur Gewinnsteigerung beschlossenen Stellenabbau als letzte Massnahme zur Rettung des Unternehmens zu verkaufen.
Wie man so was erfolgreich macht, lernt man am besten von Profis. Beispielsweise von der Tamedia. Nachdem uns die Mittelständler von der Werdstrasse während zweier Jahre eine Lektion in Sachen Jammern erteilten – es fehlte eigentlich nur noch der analog zur WOZ geschaltete Spendenaufruf –, lernen wir nun, wie eine durch Massenentlassungen erzielte Ergebnisverbesserung abgeschwächt wird. Wichtigste Regel hier: Auf keinen Fall vom Jammern direkt ins Jubeln verfallen. Personal und Öffentlichkeit könnten ja negativ reagieren, wenn zwar das Konzernergebnis die 50-Millionen-Grenze fast wieder erreicht hat, das publizistische Angebot wie auch die fürs Angebot zuständigen Redaktionen und Druckereien in den letzten Jahren gleichzeitig aber deutlich Federn lassen mussten.
Nebst Jubelfloskeln für die Inhaber wie «Turnaround» oder «Trendwende» braucht eine wohl temperierte Pressemitteilung deshalb unbedingt negative Elemente zuhanden von Personal und Öffentlichkeit – am besten in einem allgemein verständlichen Bereich.
Also: «Während die Buchungen im Kadermarkt Alpha weiterhin leicht anziehen, wird sich der Stellenmarkt auf Grund der nach wie vor hohen Arbeitslosenquote kaum erholen. Der Kanton Zürich zählt im gesamtschweizerischen Vergleich überproportional viele Arbeitslose.» Nach einem Abbau von mehr als 300 Arbeitsplätzen wissen die Tamedia-Verantwortlichen hier zumindest, wovon sie sprechen.
Nur: Das grundsätzliche Ziel eines Verlagshauses – vielfältige und kritische Pressearbeit – hat nicht nur in guten, sondern gerade auch in schlechten Zeiten seinen Preis. Eine Binsenwahrheit, so möchte man meinen; und gerade ein laut Eigenwerbung «führendes Unternehmen» wie Tamedia sollte sich dessen eigentlich bewusst sein.
Opfert Tamedia zur Freude des Aktionariats weiter Personal und Infrastruktur auf dem Altar der Gewinnmaximierung, setzt sie nicht nur ihre Reputation als soziale Arbeitgeberin, sondern auch ihr publizistisches Image aufs Spiel. Und: Mit der Glaubwürdigkeit der Produkte gehen zuerst die Leserschaft und dann die Inserenten flöten. Der nach wie vor gewetzte Rotstift schneidet also ins eigene Fleisch. Denn merke: Einen guten Ruf verliert man nur einmal.
> Serge Gnos ist Zentralsekretär der Mediengewerkschaft comedia.
Wie man so was erfolgreich macht, lernt man am besten von Profis. Beispielsweise von der Tamedia. Nachdem uns die Mittelständler von der Werdstrasse während zweier Jahre eine Lektion in Sachen Jammern erteilten – es fehlte eigentlich nur noch der analog zur WOZ geschaltete Spendenaufruf –, lernen wir nun, wie eine durch Massenentlassungen erzielte Ergebnisverbesserung abgeschwächt wird. Wichtigste Regel hier: Auf keinen Fall vom Jammern direkt ins Jubeln verfallen. Personal und Öffentlichkeit könnten ja negativ reagieren, wenn zwar das Konzernergebnis die 50-Millionen-Grenze fast wieder erreicht hat, das publizistische Angebot wie auch die fürs Angebot zuständigen Redaktionen und Druckereien in den letzten Jahren gleichzeitig aber deutlich Federn lassen mussten.
Nebst Jubelfloskeln für die Inhaber wie «Turnaround» oder «Trendwende» braucht eine wohl temperierte Pressemitteilung deshalb unbedingt negative Elemente zuhanden von Personal und Öffentlichkeit – am besten in einem allgemein verständlichen Bereich.
Also: «Während die Buchungen im Kadermarkt Alpha weiterhin leicht anziehen, wird sich der Stellenmarkt auf Grund der nach wie vor hohen Arbeitslosenquote kaum erholen. Der Kanton Zürich zählt im gesamtschweizerischen Vergleich überproportional viele Arbeitslose.» Nach einem Abbau von mehr als 300 Arbeitsplätzen wissen die Tamedia-Verantwortlichen hier zumindest, wovon sie sprechen.
Nur: Das grundsätzliche Ziel eines Verlagshauses – vielfältige und kritische Pressearbeit – hat nicht nur in guten, sondern gerade auch in schlechten Zeiten seinen Preis. Eine Binsenwahrheit, so möchte man meinen; und gerade ein laut Eigenwerbung «führendes Unternehmen» wie Tamedia sollte sich dessen eigentlich bewusst sein.
Opfert Tamedia zur Freude des Aktionariats weiter Personal und Infrastruktur auf dem Altar der Gewinnmaximierung, setzt sie nicht nur ihre Reputation als soziale Arbeitgeberin, sondern auch ihr publizistisches Image aufs Spiel. Und: Mit der Glaubwürdigkeit der Produkte gehen zuerst die Leserschaft und dann die Inserenten flöten. Der nach wie vor gewetzte Rotstift schneidet also ins eigene Fleisch. Denn merke: Einen guten Ruf verliert man nur einmal.
> Serge Gnos ist Zentralsekretär der Mediengewerkschaft comedia.
