Animation inklusive
Cannes Beim 52. Internationalen Werbefestival Cannes hat die digitale Technik die Szene geprägt.
Cannes Beim 52. Internationalen Werbefestival Cannes hat die digitale Technik die Szene geprägt.
Das Filmfestival in Cannes hat im Mai als Weltpremiere den dritten «Star Wars» von George Lucas gezeigt. In digitaler Projektion. Eine Vorführung mit epochalem Charakter, denn dieser digitale «Star Wars» im Kino ist auch als Kriegserklärung an den herkömmlichen Celluloid-Film zu werten.Digital projizierte Filme gehörten auch beim Werbefestival im Juni zum guten Ton beziehungsweise Bild. Und da Inhalt und Form im Idealfall eine Einheit bilden, hat sich die digitale Technik natürlich auch auf die Erzählweise der zukunftsweisenden Spots ausgewirkt: «Digital Processed Imaging» heisst entsprechend das Zauberwort, mit welchem sich Emotionen ganz neu bewegen lassen. Und was hat das konkret gebracht?
Frank Bodin, CEO Euro RSCG, hat Cannes ein bisschen «verwirrt» verlassen. Für ihn zeigte sich die Jury «orientierungslos» und auch den Entscheid für den Honda-Spot von Wieden + Kennedy als grossen Siegerfilm kann er nicht nachvollziehen. Bodin glaubt denn auch nicht, dass Animationsfilme der neue Trend sind. Auffallend sei hingegen, dass bei den Überfliegern sowohl im Film wie auch im Printbereich nebst viel Innovation «eine wahre Executions-Orgie» auszumachen ist. «Da ist ein neuer Level erreicht, was natürlich auch entsprechende Mittel bedingt.»
Auch wer nicht in Cannes an der Côte weilen durfte, kann bei der Diskussion über die neusten Trends im internationalen Kreativbusiness mithalten. Pius Walker zum Beispiel, der es in Cannes mit seinem Spot «Garden» für Powerflame der Firma Düring auf die Shortlist geschafft hat, verfolgte den Wettbewerb täglich auf dem Internet. Auf der Website www.canneslions.com hätte man fast den besseren Überblick als vor Ort, weil man nicht dauernd von Partys abgelenkt wird, meint Walker. Er freute sich festzustellen, dass es «nicht schon alles einmal gegeben hat», wie sonst gerne kolportiert wird. Zudem hat er entdeckt, dass die meisten Schweizer Spots «einen Schwachpunkt in der Musik haben».
Wenigstens aufs Wochenende kurz nach Cannes gereist ist Markus Gut. Der CD von Publicis durfte sich über einen Platz auf der Shortlist mit dem Spot «Rhinoceros» für das Internetportal Swissinfo freuen. Kein Animationsfilm. Ein animiertes Rhinoceros von Publicis für die Sammelaktion «Löwengehege» des Zürcher Zoos hat es dafür für Gut überraschenderweise nicht auf die Shortlist geschafft. Er möchte den «Trend» deshalb nicht überbewerten. «Mir ist hingegen auch aufgefallen, dass in diesem Jahr mehr fröhliche Filme als früher gezeigt worden sind», meint Gut.
Ernst Wirz, als Regisseur eher mit Schauspielerfilmen bekannt geworden, möchte den Trend zur Animation ebenfalls nicht überbewerten. «Auffallen kann man weiterhin mit guter Action, die allerdings oft extremer in Szene gesetzt wird. Ein Spot mit rennenden und schreienden Menschen geht mir seit Cannes nicht mehr aus dem Kopf.» Zu den Animationsfilmen ist Wirz aufgefallen, dass diese viel kreativer als früher umgesetzt sind. «Nicht mehr nur Special Effects um ihrer selbst willen.»
«Schrei-Filme», wie sie Ernst Wirz gesehen hat, sind auch Bene Abegglen aufgefallen. Der Creativ Partner bei Contexta hat zudem festgestellt, dass es weniger Spots mit Massenszenen gab, dafür viele «mit Emotionen und einem sinnvoll eingesetzten Witz». Damit wurde für ihn auch stundenlanges Visionieren nie langweilig. Er meint: «Man sollte für eine solche Lektion vermehrt Kunden nach Cannes bewegen.»
Matthias Freuler, CD Wirz Werbung, bestätigt den Trend zum DPI. Allerdings: «Das mit den Trends ist ja so eine Sache. Reden wir darum lieber von momentaner ‹Vorliebe›. Eine solche zeigte sich beim diesjährigen Festival tatsächlich für gezeichnete Filme. Begonnen hat das bereits im letzten Jahr. Die tanzenden Wassertropfen zur Musik von Queen haben für Evian Gold gewonnen. Ich befürchte, dass diese gezeichneten Filme als Trend gewertet werden, und dann werden wir bei der nächsten Ausgabe des Festivals mit einer Unmenge von gezeichneten Trickfilmen überschwemmt. Und damit ist der Minitrend dann auch schon wieder vorbei.»
DPI oder Digital Processed Imaging wird natürlich auch in der Festivalzeitung Lions daily als Trend gefeiert. In einem Artikel «Magicians on the move» wird geschätzt, dass bei 99 Prozent der gezeigten Spots mit einer digitalen Bearbeitung nachgeholfen wurde. Zu sehen sind aber nicht mehr nur Animationsfilme, sondern oft ein ganzes Feuerwerk an Computereffekten. «Spots mit erschlagendem ‹Whow-Effekt› machen es den subtilen Filmen schwer», hat Werbewoche-Korrespondet Beat Fritsch vor Ort im Kino feststellen können.
Einen Platz auf der Shortlist ergattert: Powerflame-Spot von Pius Walker.
Das Filmfestival in Cannes hat im Mai als Weltpremiere den dritten «Star Wars» von George Lucas gezeigt. In digitaler Projektion. Eine Vorführung mit epochalem Charakter, denn dieser digitale «Star Wars» im Kino ist auch als Kriegserklärung an den herkömmlichen Celluloid-Film zu werten.Digital projizierte Filme gehörten auch beim Werbefestival im Juni zum guten Ton beziehungsweise Bild. Und da Inhalt und Form im Idealfall eine Einheit bilden, hat sich die digitale Technik natürlich auch auf die Erzählweise der zukunftsweisenden Spots ausgewirkt: «Digital Processed Imaging» heisst entsprechend das Zauberwort, mit welchem sich Emotionen ganz neu bewegen lassen. Und was hat das konkret gebracht?
Frank Bodin, CEO Euro RSCG, hat Cannes ein bisschen «verwirrt» verlassen. Für ihn zeigte sich die Jury «orientierungslos» und auch den Entscheid für den Honda-Spot von Wieden + Kennedy als grossen Siegerfilm kann er nicht nachvollziehen. Bodin glaubt denn auch nicht, dass Animationsfilme der neue Trend sind. Auffallend sei hingegen, dass bei den Überfliegern sowohl im Film wie auch im Printbereich nebst viel Innovation «eine wahre Executions-Orgie» auszumachen ist. «Da ist ein neuer Level erreicht, was natürlich auch entsprechende Mittel bedingt.»
Auch wer nicht in Cannes an der Côte weilen durfte, kann bei der Diskussion über die neusten Trends im internationalen Kreativbusiness mithalten. Pius Walker zum Beispiel, der es in Cannes mit seinem Spot «Garden» für Powerflame der Firma Düring auf die Shortlist geschafft hat, verfolgte den Wettbewerb täglich auf dem Internet. Auf der Website www.canneslions.com hätte man fast den besseren Überblick als vor Ort, weil man nicht dauernd von Partys abgelenkt wird, meint Walker. Er freute sich festzustellen, dass es «nicht schon alles einmal gegeben hat», wie sonst gerne kolportiert wird. Zudem hat er entdeckt, dass die meisten Schweizer Spots «einen Schwachpunkt in der Musik haben».
Wenigstens aufs Wochenende kurz nach Cannes gereist ist Markus Gut. Der CD von Publicis durfte sich über einen Platz auf der Shortlist mit dem Spot «Rhinoceros» für das Internetportal Swissinfo freuen. Kein Animationsfilm. Ein animiertes Rhinoceros von Publicis für die Sammelaktion «Löwengehege» des Zürcher Zoos hat es dafür für Gut überraschenderweise nicht auf die Shortlist geschafft. Er möchte den «Trend» deshalb nicht überbewerten. «Mir ist hingegen auch aufgefallen, dass in diesem Jahr mehr fröhliche Filme als früher gezeigt worden sind», meint Gut.
Ernst Wirz, als Regisseur eher mit Schauspielerfilmen bekannt geworden, möchte den Trend zur Animation ebenfalls nicht überbewerten. «Auffallen kann man weiterhin mit guter Action, die allerdings oft extremer in Szene gesetzt wird. Ein Spot mit rennenden und schreienden Menschen geht mir seit Cannes nicht mehr aus dem Kopf.» Zu den Animationsfilmen ist Wirz aufgefallen, dass diese viel kreativer als früher umgesetzt sind. «Nicht mehr nur Special Effects um ihrer selbst willen.»
«Schrei-Filme», wie sie Ernst Wirz gesehen hat, sind auch Bene Abegglen aufgefallen. Der Creativ Partner bei Contexta hat zudem festgestellt, dass es weniger Spots mit Massenszenen gab, dafür viele «mit Emotionen und einem sinnvoll eingesetzten Witz». Damit wurde für ihn auch stundenlanges Visionieren nie langweilig. Er meint: «Man sollte für eine solche Lektion vermehrt Kunden nach Cannes bewegen.»
Matthias Freuler, CD Wirz Werbung, bestätigt den Trend zum DPI. Allerdings: «Das mit den Trends ist ja so eine Sache. Reden wir darum lieber von momentaner ‹Vorliebe›. Eine solche zeigte sich beim diesjährigen Festival tatsächlich für gezeichnete Filme. Begonnen hat das bereits im letzten Jahr. Die tanzenden Wassertropfen zur Musik von Queen haben für Evian Gold gewonnen. Ich befürchte, dass diese gezeichneten Filme als Trend gewertet werden, und dann werden wir bei der nächsten Ausgabe des Festivals mit einer Unmenge von gezeichneten Trickfilmen überschwemmt. Und damit ist der Minitrend dann auch schon wieder vorbei.»
DPI oder Digital Processed Imaging wird natürlich auch in der Festivalzeitung Lions daily als Trend gefeiert. In einem Artikel «Magicians on the move» wird geschätzt, dass bei 99 Prozent der gezeigten Spots mit einer digitalen Bearbeitung nachgeholfen wurde. Zu sehen sind aber nicht mehr nur Animationsfilme, sondern oft ein ganzes Feuerwerk an Computereffekten. «Spots mit erschlagendem ‹Whow-Effekt› machen es den subtilen Filmen schwer», hat Werbewoche-Korrespondet Beat Fritsch vor Ort im Kino feststellen können.
Einen Platz auf der Shortlist ergattert: Powerflame-Spot von Pius Walker.
Mit dem Grand-Prix belohnt: Honda von Wieden + Kennedy.
Andreas Panzeri
