Smarte Kampagne für weniger CO2

Umweltschutz Die Zürcher Werbeagentur Reinhold hat für Greenpeace eine Aufklärungskampagne zum Klimawandel gestaltet.

Umweltschutz Die Zürcher Werbeagentur Reinhold hat für Greenpeace eine Aufklärungskampagne zum Klimawandel gestaltet.«Unsere Kinder sollen es einmal besser haben.» Dieser Satz könnte nicht nur von jeder Mutter oder jedem Vater stammen, sondern auch von Greenpeace. Im Zentrum der aktuellen Aufklärungskampagne zum Klimawandel steht deshalb die für Umweltschützer «leider nicht so rosige Zukunft der Kinder». Der Schlachtruf heisst: «Reduce CO2». Ins Bild gesetzt hat Reinhold das Anliegen mit einem «Bilderbuch für Erwachsene».
Greenpeace kämpft gegen das Abschlachten von Walen. Gegen die Verschmutzung der Luft und der Meere. Gegen den Atomstrom. Gegen Genmanipulation. Oder eben gegen die Ursachen des Klimawandels: also zu viel Ausstoss von CO2, hauptsächlich verursacht durch ungebremsten Autoverkehr, durch unvernünftiges Heizen und durch die Industrie.
Nach der vorgängigen Kampagne «Mein letzter Wille», mit der Greenpeace mit Bildern von Umweltkatastrophen Fundraising betrieb, soll nun mehr Aufklärungsarbeit rund um das Problem «CO2-Ausstoss» betrieben werden.
Heisse Fakten für die SchweizDie Schweiz belegt Rang sechs beim Pro-Kopf-Ausstoss von CO2. Die Temperatur im sensiblen Alpenraum ist in den vergangenen 100 Jahren doppelt so stark angestiegen als im weltweiten Durchschnitt: um 1,6 Grad Celsius. Und das Thermometer klettert immer schneller.
Das immer schnellere Abschmelzen von Gletschern und weitere Umweltkatastrophen wie Gerölllawinen oder Überschwemmungen sind die Folge. Bei einem nochmaligen Anstieg um 2 Grad sind mit
Kosten für die Folgeschäden von 3,2 Milliarden Franken zu rechnen – pro Jahr. Bereits heute erkranken jedes Jahr Tausende von Kindern an Atemwegserkrankungen auf Grund von CO2-Emissionen, Luftverschmutzung und alarmierenden Ozonwerten.
Über die Ursachen und komplexen Zusammenhänge dieses Klimaschocks will Greenpeace ab sofort breit und intensiv informieren und damit die Öffentlichkeit, die Politik, die Meinungsmacher sowie die Industrie aufrütteln. Neben Greenpeace-typischen Aktionen kommt erstmals eine breite Medienkampagne zum Einsatz.
Ein «Kinderbuch für Erwachsene» bringt die Kampagnenidee auf den Punkt. Die Überlegung: Nichts wirkt dramatischer und kontrastreicher, als wenn man die zum Teil sehr düsteren Zukunftsbilder in liebvolle Kinderbuchillustrationen hüllt. Das können Märchenbücher sein, Lexika, Schulbücher oder sogar Büchlein zum Ausmalen.
Der Kampagnenslogan heisst: «Reduce CO2.» Ähnlichkeiten mit einem Autoslogan sind «natürlich rein zufällig», sagt dazu – wohlwissend blauäugig – bei Reinhold der ehemalige Smart-Texter Wolfram Scherer.
Über diesen Konzeptleisten werden künftig sämtliche CO2-Wer-
bemittel und -Massnahmen von Greenpeace geschlagen. Vom Plakat bis hin zum Mailing. In einer ersten Phase soll die Kampagne aufklären. Im Herbst wollen Greenpeace und Reinhold zusätzlich ein Sujet zum Fundraising bringen.
Als Illustrator für alle Werbemittel hat Reinhold einen namhaften Künstler gewinnen können. Der in Kanada lebende Zürcher Rudolf Stüssi hat mehrere bekannte Kinderbücher illustriert und sich in Los Angeles auch einen Namen beim internationalen Trickfilm gemacht. Hinter dem Engagement steht auch ein bisschen Glück. «Mit der Umsetzung der Kampagne hat es plötzlich geeilt. Und Stüssi als erfahrener Zeichner für Disney ist sich schnelles Arbeiten gewohnt», verrät Reini Weber. Ausserdem sei das Honorar «umweltfreundlich» gewesen, denn Rudolf Stüssi sympathisiert persönlich mit den Anliegen von Greenpeace.
Reinhold hat Anzeigen für Das Magazin, die NZZ am Sonntag sowie die WOZ entwickelt. Mit dieser Kombination erreicht Greenpeace jedesmal weit über eine Million Menschen, vor allem in urbanen Zentren der Schweiz sowie weit über die Hälfte aller Meinungsführer der Schweiz.
Die Werbeagentur Reinhold hat insgesamt acht doppelseitige Anzeigenmotive entwickelt, welche in einer ersten Welle unikatmässig bis zu den Sommerferien erscheinen werden. Die Kampagne wird im Herbst fortgesetzt. Flankiert wird dieser Launch von einer Fill-Board-Plakatierung an mehreren tausend Zapfvorrichtungen von Tankstellenketten, im Internet, mit Infomaterial, überraschenden Guerilla-Aktionen sowie einem direkten Aufruf an potenzielle Sachsponsoren in der Kommunikationsfachpresse.
«Sowohl bei Greenpeace als auch bei Reinhold darf man bekanntlich mit Überraschungen rechnen, das Gemisch aus beidem dürfte noch ein bisschen explosiver werden» – mehr lässt Reinhold Weber sich dazu nicht entlocken. Den Auftrag zur CO2-Reduktion hat die Agentur in einem Pitch gewonnen. Reini Weber hat bereits früher noch mit WHS für Greenpeace die Kampagne «Strom ohne Atom» gestaltet. Man darf also gespannt sein, wie «Reduce CO2» in Zukunft «gemaxt» wird.
Vom Heidi-Trickfilm zu GreenpeaceRudolf Stüssi wurde 1947 in Zürich geboren, ist jedoch Kosmopolit mit Stationen in den USA, Kanada, London, Florenz, Mexiko, Dominikanische Republik. Er studierte englische Literatur, Journalismus und später Kunst. In Toronto wurde er in die Königliche Kanadische Akademie der Künste gewählt. War früher Kunstunterricht sein hauptsächlicher Broterwerb, sind es inzwischen immer mehr Auftragsarbeiten und Trickfilmarbeiten in Los Angeles, Manila, Berlin und der Schweiz. Stüssi zeichnet verantwortlich für die künstlerische Gestaltung von «Asterix in Amerika», «Little Bear», «Heidi» und andere Trickfilme. Dazu kommen Ausstellungen in der Schweiz, Deutschland, England, den USA und Italien. Aktuell sind einige seiner Werke im H.R.-Giger-Museum in Château Saint-Germain zu sehen. (pan)
Düstere Visionen in einer heimtückisch-liebevollen Verpackung: Reinhold zeigt für Greenpeace die Folgen der Zunahme des CO2-Ausstosses.
Andreas Panzeri

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