News-Futter online
RSS Die Verbreitung von RSS feeds (Real Simple Syndication) ist in der Schweiz noch nicht gross. Für die Werbewirtschaft ist die neue Technologie dennoch interessant.
RSS feeds (Real Simple Syndication) ist in der Schweiz noch nicht
gross. Für die Werbewirtschaft ist die neue Technologie dennoch interessant. «Nein, im Moment gibt es RSS nicht bei
uns», sagt Urs Holderegger von NZZ Online. Anfang August war im
Medien-Weblog dienstraum.com nachzulesen, dass sich die
Verantwortlichen an der Falkenstrasse davor hüten, ihre redaktionellen
Inhalte mit RSS feeds (siehe Kasten) zu verwässern. Nachdem die
Washington Post Mitte Juli angekündigt hatte, sie werde ihre RSS feeds
mit Werbung anreichern, meinten amerikanische Experten, dass ein neues
Zeitalter für das traditionelle Web-Publishing sowie für das Verbreiten
und Nutzen von News und Werbeinhalten angebrochen sei. Die Rede war von
einer neuen Ära der «consumer controlled media», die demnächst
anbrechen werde. Mit der Ankündigung seitens der Washington Post
reagierte ein Medium auf eine Technologie, die einerseits den Nutzern
bequem und wirkungsvoll schnelles und spamfreies Websurfen
erlaubt, die andererseits aber die herkömmliche Internetwerbung hinten
anstehen lässt.
Bricht eine neue Ära an?
Überall haben in den vergangenen Monaten Medien neue RSS-Dienste
angekündigt oder ihre Websites entsprechend aufgerüstet. Auch hier zu
Lande bieten Medien wie zum Beispiel Le Temps, Weltwoche, Wochenzeitung
oder Tages-Anzeiger eigene RSS-Dienste an. In der Regel beschränken
sich die Nutzer auf das Anklicken eines, sofern vorhanden, blauen
RSS-Logos am Ende der URL-Zeile ihres Browsers und extrahieren die
Site-News als blossen Text. Dieser lässt sich sogar mit einem
Regler auf die Titelzeile reduzieren. Noch sind es wenige, die
eigentliche Feeds abonnieren und News automatisch updaten lassen.
Doch deutet die Technologie den Beginn einer neuen Ära an? «RSS ist
derzeit nicht massentauglich», sagt Dominik Janko von der Mediaagentur
Optimedia. «Menschen denken in Bildern.» Und wo diese fehlen, sei die
Technologie höchstens für Spezialisten interessant, etwa für
Journalisten oder Mediaplaner. Auch Martin Radelfinger, CEO von
Onlinevermarkter AdLink stellt keine Anzeichen eines Paradigmenwechsels
im Internet fest.
Doch für die Werbewirtschaft ist die Technologie dennoch interessant.
Radelfinger unterscheidet dabei zwischen Push- und Pull-Verfahren.
Interessant sei es dann, wenn die Werber zum Beispiel einem abonnierten
RSS feed auf Grund des Anmeldeprofils Werbung gezielt
hinterher-«pushen» könnten. «Dann können wir Werbung im richtigen
Kontext platzieren», sagt Radelfinger. Weniger werbewirksam ist
dagegen, wenn sich der Nutzer seine Informationen selber aus dem Netz
«zieht» und Werbung, wenn überhaupt, damit ungesteuert zu ihm gelangt.
RSS feeds sind dann attraktiv, wenn es um teure journalistische Inhalte
geht, die entweder vom Anbieter oder aber über Werbung refinanziert
werden müssen. Hier steht die Entwicklung noch in der
Experimentierphase. Führt ein RSS feed auf eine Site mit Werbung oder
enthält der feed bereits selber welche? Unterschiede sind für Nutzer
nicht immer leicht zu erkennen.
Bei NZZ Online noch kein Thema
Bei NZZ Online soll dieses Jahr noch alles bleiben, wie es ist. «Wir
sind noch nicht ganz vom Anwendernutzen überzeugt», sagt Urs
Holderegger. Angesichts von steigenden Besucherzahlen auf NZZ Online
und einem bevorstehenden Wechsel auf ein neues Content Management
System sei RSS derzeit eher ein Nebenkriegsschauplatz. «Doch man muss
sich dem Markt anpassen und sich zu gegebener Zeit Gedanken machen», so
Holderegger.
René Worni
