Inhalt statt Content
Kommentar Es nützt alles nichts. Die Gratiszeitung ist kein vorübergehender Scherz, keine Laune der Pressenatur.
René Worni vermisst publizistische Innovationen der Verleger, die über die Befriedigung crossmedialer Bedürfnisse von Werbekunden hinausgehen.Es nützt alles nichts. Die Gratiszeitung
ist kein vorübergehender Scherz, keine Laune der Pressenatur. Vor den
niederschmetternd positiven Zahlen von 20 Minuten musste auch Michael
Ringier, eben noch Verleger ohne Gratiszeitung, an der jährlichen
Verlegertagung den Hut ziehen und schon länger anhaltende Gerüchte
bestätigen: Man wage in Prag jetzt selber den Test mit einem eigenen
Umsonstblatt. Er machte keinen Hehl aus seinem Unbehagen. Denn
redaktionelle Leistung ist das Einzige, was ein Verleger zu verkaufen
hat und kann deshalb nicht gratis sein.
Doch wer heute an 20 Minuten herummäkelt (selbst im Haus an der
Werdstrasse, wo das böse Kind den Stolz der Familie, den Tagi,
terrorisiert), der wird geächtet wie ein Raucher unter Nichtrauchenden.
Die Kontroversen um journalistische Inhalte geschehen zunehmend im
Durchzug, draussen vor der Tür. Drinnen an der Wärme spricht man
entspannt von Content, der als variable Grösse um knallige Inserate
spielt, sich nach Bedarf dehnen oder verdichten und sich zu Events
schalten lässt, die zuvor gemeinsam von Verlag und Redaktion geplant
wurden. Denn die einst störrische Redaktion sieht jetzt ein, dass alle
im selben Boot sitzen. Wer das nicht begreift, hat als Chefredaktor
oder als Journalistin ausgedient.
Andersherum: Die Zeitung als Gegengewicht zum flüchtigen Fernsehen und
zum allseits beliebigen Internet soll Ort der gesellschaftspolitischen
Debatte bleiben, fordert Michael Ringier. Journalisten sollen folglich
noch näher rangehen, noch mehr Fragen stellen und noch unbequemer sein.
Doch das sind sie schon heute. Entscheidend ist jedoch, wie das Gefäss
ausgestaltet ist, das ihnen der Verleger zur Verfügung stellt,
ernährungssicherndes Einkommen eingeschlossen.
Doch Hand aufs Herz. Wo bleiben die Innovationen, die mehr im Visier
haben als Befriedigung crossmedialer Bedürfnisse von Werbekunden, die
mehr sind als das Resultat von Übernahmen und Beteiligungen? Wann
fühlte sich das Publikum letztmals von einem Verleger mit einem
publizistischen Anliegen oder gar einer Neulancierung ernst genommen?
Die Schubladen der Verleger sind voll von spannenden Projekten, etwa
ein tägliches Wirtschaftsblatt (Cash daily kanns ja nicht sein) oder
Ringiers Neue Zeitung. Man wartet zu und überlässt das Risiko Wolfgang
Fellner mit seinem Tages-Magazin in Österreich. Aber reicht die Zeit,
bis seine Erfahrungen hier zu Lande ausbeutbar sind? Immerhin macht die
Debatte klar: Content ist nicht genug, es braucht Inhalt.
ist kein vorübergehender Scherz, keine Laune der Pressenatur. Vor den
niederschmetternd positiven Zahlen von 20 Minuten musste auch Michael
Ringier, eben noch Verleger ohne Gratiszeitung, an der jährlichen
Verlegertagung den Hut ziehen und schon länger anhaltende Gerüchte
bestätigen: Man wage in Prag jetzt selber den Test mit einem eigenen
Umsonstblatt. Er machte keinen Hehl aus seinem Unbehagen. Denn
redaktionelle Leistung ist das Einzige, was ein Verleger zu verkaufen
hat und kann deshalb nicht gratis sein.
Doch wer heute an 20 Minuten herummäkelt (selbst im Haus an der
Werdstrasse, wo das böse Kind den Stolz der Familie, den Tagi,
terrorisiert), der wird geächtet wie ein Raucher unter Nichtrauchenden.
Die Kontroversen um journalistische Inhalte geschehen zunehmend im
Durchzug, draussen vor der Tür. Drinnen an der Wärme spricht man
entspannt von Content, der als variable Grösse um knallige Inserate
spielt, sich nach Bedarf dehnen oder verdichten und sich zu Events
schalten lässt, die zuvor gemeinsam von Verlag und Redaktion geplant
wurden. Denn die einst störrische Redaktion sieht jetzt ein, dass alle
im selben Boot sitzen. Wer das nicht begreift, hat als Chefredaktor
oder als Journalistin ausgedient.
Andersherum: Die Zeitung als Gegengewicht zum flüchtigen Fernsehen und
zum allseits beliebigen Internet soll Ort der gesellschaftspolitischen
Debatte bleiben, fordert Michael Ringier. Journalisten sollen folglich
noch näher rangehen, noch mehr Fragen stellen und noch unbequemer sein.
Doch das sind sie schon heute. Entscheidend ist jedoch, wie das Gefäss
ausgestaltet ist, das ihnen der Verleger zur Verfügung stellt,
ernährungssicherndes Einkommen eingeschlossen.
Doch Hand aufs Herz. Wo bleiben die Innovationen, die mehr im Visier
haben als Befriedigung crossmedialer Bedürfnisse von Werbekunden, die
mehr sind als das Resultat von Übernahmen und Beteiligungen? Wann
fühlte sich das Publikum letztmals von einem Verleger mit einem
publizistischen Anliegen oder gar einer Neulancierung ernst genommen?
Die Schubladen der Verleger sind voll von spannenden Projekten, etwa
ein tägliches Wirtschaftsblatt (Cash daily kanns ja nicht sein) oder
Ringiers Neue Zeitung. Man wartet zu und überlässt das Risiko Wolfgang
Fellner mit seinem Tages-Magazin in Österreich. Aber reicht die Zeit,
bis seine Erfahrungen hier zu Lande ausbeutbar sind? Immerhin macht die
Debatte klar: Content ist nicht genug, es braucht Inhalt.
René Worni, Redaktor Media &
Medien
