Schlechte Forschung

Gastkommentar Silvio Lebrument misstraut der Radioforschung, weil diese nicht nur die Berggebiete krass benachteiligt.

Gastkommentar Silvio Lebrument misstraut der Radioforschung, weil diese nicht nur die Berggebiete krass benachteiligt.Revolutionieren wollte Radiocontrol die
Zuhörerforschung. Und dies hat Radiocontrol geschafft. Unsicherheit,
Argumentations- und Kommunikationsnotstand herrscht bei den
Forschenden. Anfragen werden kaum beantwortet. Lösungsansätze werden
versprochen und wieder verworfen. Geradestehen will niemand.
Die Parameter bei Radiocontrol wurden vor gut zwei Jahren «angepasst».
Bei mindestens einem Radio gab es auch danach von einem zum anderen
Jahr Abweichungen von über 25 Prozent bei den Hörerzahlen. Doch das
betroffene Radio hatte weder sein Programm umgestellt noch sein
Verbreitungsgebiet verkleinert. Auch hat es laut Radiocontrol kaum
einheimische Hörer verloren. Nur die Auswärtigen schienen sich in Luft
aufgelöst zu haben. In einem anderen Fall schossen die Zahlen zunächst
in die Höhe, halbierten sich aber innerhalb von zwei Jahren wieder.
Auch hier wurde nicht Free-Jazz ins Programm aufgenommen, und es wurde
kein Konkurrent aufgeschaltet.

Die Forscher machen einen schlechten Job. Sie erweisen Radiomachern,
Werbetreibenden und Werbekunden einen Bärendienst. Wie sollen
Radiomacher ohne verlässliche Daten ihr Programm verbessern? Wie soll
verkauft werden, wenn keine Beständigkeit der Forschung besteht? Hier
hat die Forschung direkte finanzielle Auswirkungen. So werden Erlöse
aus nationalen Pools nach der Leistung verteilt. Die Messung der
Leistung basiert bekanntlich auf Radiocontrol-Zahlen.
Da stellen sich einige Fragen: Ist Radiocontrol für einige Gebiete
zumindest schlecht vorbereitet worden? Technisch sei Radiocontrol in
Ordnung, wurde wiederholt versichert. Taugt das System am Ende nur für
grossflächige, städtische Regionen? Wurden den Beteiligten falsche
Versprechungen gemacht?

Problematisch ist, die Forschung in den Händen der SRG zu wissen. Sie
könnte, theoretisch über die Daten aller Konkurrenten verfügen und sich
damit einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Umgekehrt
besteht diese Möglichkeit nicht. So existieren Radios, die über ihre
direkten Konkurrenten aus diesem Hause wenig bis nichts in Erfahrung
bringen können. Eines scheint festzustehen. Die Forschung benachteiligt
Radios in Berggebieten krass. Die Unbeständigkeit der Daten spricht
dafür.
Um in der Forschung Klarheit zu schaffen, legt das neue RTVG gute
Grundlagen. Mit den gegenwärtigen offenen Fragen werden sich aber auch
die Schiedsgerichte und die Wettbewerbskommission auseinander setzen
müssen.

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Silvio Lebrument ist Geschäftsführer der Südostschweiz Radio/TV AG

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