Top 20 der TV-Spots
Marktforschung Der Psychometer überprüfte wieder die Spots in den Werbeblöcken des Schweizer Fernsehens. Die Resultate 2004/ 2005 liegen nun vor.
wieder die Spots in den Werbeblöcken des Schweizer Fernsehens. Die
Resultate 2004/2005 liegen nun vor.Es sei nicht leicht, der Beste zu sein,
hält das Luzerner Forschungsinstitut Interdata einleitend zu seiner
neusten Analyseausgabe «Die 20 besten Spots der Jahre 2004 und 2005»
fest. Ob dieser Trost den Werbekreativen genügt, ist fraglich, wenn man
die Ergebnisse der Studie aus ihrer Warte betrachtet. Nur wenige
innovative Umsetzungen konnten sich – und das einzig in der Dimension
«Aufmerksamkeit» – behaupten. Die restlichen fielen alleine schon
deshalb durch, weil sie nicht Mainstream sind.
Positives Image dank Humor
In Kooperation mit IMAS International Linz misst das Institut im Rahmen
des Psychometers seit 1992 jährlich in mehreren europäischen Ländern
die Werbewirkung von rund 400 bis 500 TV-Spots. In den letzten beiden
Jahren waren es 740, die in 19 Dimensionen gemessen wurden. In den
wichtigsten Kriterien – Aufmerksamkeit, Gefallen, Meinungsverbesserung
und Kaufanreiz – gelang es keinem, in allen vier oder auch nur in drei
unter die besten 20 zu kommen. Elf erzielten in wenigstens zwei
Dimensionen eine Top-Position und 58 in einer. «Daran erkennt man, wie
schwer es ist, wirksam zu werben», erklärt Forschungsleiter Jos
Vloemans.
Was braucht es also, um die besten Resonanzen zu erzielen, oder anders
herum gefragt: Warum sind die oben platzierten Spots (siehe Tabelle) so
gut? Das Zauberwort, sagt Vloemans, heisse Interessenweckung. Die
besten Spots in allen vier Dimensionen zeichnen sich dadurch aus, dass
sie überdurchschnittlich interessant sind, sprich: Es wird etwas Neues
oder etwas Differenzierendes über das Produkt erzählt, das für die
Zuschauer persönliche Relevanz besitzt. Die Spots, die am besten
gefielen, und jene mit der höchsten meinungsverbessernden Kraft seien
extrem interessant. Das Gefallen werde dabei noch durch einen
sympathischen Eindruck unterstützt, die Meinungsverbesserung hingegen
durch Humor. Positive Imagebildung muss keineswegs eine todernste Sache
sein.
Dreimal die Marke – mindestens
Der Kaufanreizcharakter war dann jeweils am höchsten, wenn das Produkt
gut und abermals interessant gezeigt und verständlich erklärt wurde.
Nach wie vor gilt also «The product is the hero». Die Spots mit dem
höchsten Wert beim Kaufanreiz – grösstenteils Nahrungs- und
Genussmittel – wurden zugleich als durchschnittlich bezeichnet. Das
liege daran, dass produktzentrierte Umsetzungen und kreative
Originalität äusserst schwer zu kombinieren seien, sagt Vloemans. Die
hohe Schule der Werbung besteht also darin, Spots so zu gestalten, dass
die mehrmalige Produktdarstellung unterhaltsam verpackt ist und etwas
Interessantes vermittelt. Hinzu kommt das Branding. Wenn es nach den
Ergebnissen geht, sollte die Marke früh und oft in Erscheinung treten.
Am besten gleich in den ersten fünf Sekunden und dann mindestens noch
dreimal. Der Konsument müsse sofort wissen, worum es geht. Sonst denke
er nicht mit und lerne zu wenig aus dem Spot, lautet das Fazit. Ob
dieses Erfolgsrezept den Kreativen ins Konzept passt? Warten wir doch
die nächsten Psychometer-Messungen ab.
Luca Aloisi
Der Psychometer
Der Psychometer ist ein standardisiertes Messinstrument für TV-Spots
und überprüft in regelmässigen Abständen Werbeblöcke im Schweizer
Fernsehen. Die Tests erfolgen unter 120 Testpersonen, jeweils zur
Hälfte Männer und Frauen im Alter von 16 bis 50 Jahren. Nach einmaligem
Vorspielen des Blocks misst der Test den Spontanrecall,
die gestützte Erinnerung, den Bekanntheitsgrad des Spots vor dem Test,
vier Resonanzwerte (Gefallen, sehenswert, Meinungsänderung und
Kaufmotivation) sowie die Detailhandlung anhand einer Listenvorgabe
(sympathisch, unterhaltend, interessant, gute Produktdarstellung,
überzeugend, durchschnittlich, langweilig, übertrieben). (la)
