Zurich Film Festival: Sunrise als neuer Main Partner – und Mehmet Inan im Interview
Mehmet Inan ist seit März 2026 Managing Director der Spoundation Motion Picture, die das Zurich Film Festival betreibt. Im Interview spricht er über den neuen Main Partner Sunrise, seine ersten 100 Tage und seine Visionen für das ZFF.


100 Tage im Amt – und ein Nachhausekommen
Herr Inan, Sie sind seit Februar Managing Director der Spoundation Motion Picture AG, die das Zurich Film Festival vermarktet – was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt, und was überrascht Sie in dieser Rolle am meisten?
Zunächst eine kleine Korrektur: Im Februar war ich noch in meiner Auszeit in Spanien. Seit März 2026 bin ich offiziell Managing Director der Spoundation Motion Picture AG – und damit heute ziemlich genau 100 Tage in dieser Funktion.
Es fühlt sich ein wenig wie ein Nachhausekommen an. Bereits beim allerersten Festival durfte ich mitwirken. Während meiner Zeit bei der 3+ Gruppe war ich über 14 Jahre hinweg eng mit dem Festival verbunden, da wir als Medienpartner das ZFF begleitet haben. Ich habe die Entwicklung des Festivals über viele Jahre aus nächster Nähe miterlebt und es immer genossen, Teil dieser besonderen Erfolgsgeschichte zu sein. Heute – 22 Jahre später – wieder Teil des ZFF zu sein, erfüllt mich mit grossem Stolz und tiefer Dankbarkeit.
Besonders fasziniert mich, wie viele Menschen mit Leidenschaft und Herzblut für dieses Festival arbeiten. Das ZFF ist längst mehr als ein Filmfestival. Es ist eine starke Marke, ein wichtiger Treffpunkt für die Filmbranche und ein kultureller Botschafter für Zürich.
Was mich in den ersten 100 Tagen am meisten überrascht hat, ist die enorme Strahlkraft des Festivals – und das weit über die elf Festivaltage hinaus. Ob bei Partnern, Filmschaffenden, Medien oder beim Publikum: Das ZFF geniesst eine hohe Wertschätzung und bewegt Menschen weit über die Festivalzeit hinaus. Dieses Potenzial weiterzuentwickeln und in die Zukunft zu führen, ist für mich eine ebenso spannende wie verantwortungsvolle Aufgabe.
Das ZFF bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Kultur, Business und Glamour. Wie definieren Sie Ihre Führungsrolle in diesem besonderen Umfeld?
Von einem Spannungsfeld würde ich nicht sprechen – vielmehr von einem Privileg.
Kultur, Business und Glamour sind für mich keine Gegensätze. Im Gegenteil: Sie machen das ZFF zu dem, was es heute ist. Kultur gibt dem Festival seine Seele und Relevanz, Business schafft die Grundlage für nachhaltigen Erfolg, und Glamour sorgt für die Strahlkraft, die Menschen, Medien und Partner weit über die Stadtgrenzen hinaus begeistert.
Meine Aufgabe als Führungskraft sehe ich darin, diese drei Welten miteinander zu verbinden und dabei stets die gemeinsame Vision im Fokus zu behalten. Ich möchte Rahmenbedingungen schaffen, in denen Kreativität, Unternehmertum und Exzellenz gemeinsam wirken können.
Ein Festival, das Jahr für Jahr Hunderttausende Menschen begeistert und Emotionen auslöst, ist weit mehr als eine Veranstaltung – es ist ein kulturelles Kraftwerk. Die eigentliche Herausforderung besteht heute nicht darin, Menschen zu erreichen. Die Herausforderung besteht darin, Menschen wirklich zu berühren. Genau darin liegt die besondere Stärke des ZFF.
Um diese Wirkung langfristig zu sichern und weiter auszubauen, sind starke und nachhaltige Partnerschaften mit renommierten Marken entscheidend. Sie ermöglichen es, das Festival kontinuierlich weiterzuentwickeln und neue Impulse zu setzen. Gleichzeitig ist es unsere Verantwortung, die Einzigartigkeit, die Vision und die emotionale Kraft des Festivals mit Leidenschaft nach außen zu tragen
Mit dem neuen Main Partner ist das Tableau der vier Hauptsponsoren wieder komplett – wie haben Sie diesen Erfolg erzielt, und was hat den Partner letztlich überzeugt, mit dem ZFF zusammenzuarbeiten?
Wir freuen uns sehr, mit Sunrise einen langfristigen neuen Main Partner für das ZFF gewonnen zu haben. Gleichzeitig ist es mir wichtig zu betonen, dass dieser Erfolg das Ergebnis einer echten Teamleistung ist. Solche Partnerschaften entstehen nicht durch eine einzelne Person, sondern durch die enge Zusammenarbeit vieler engagierter Kolleginnen und Kollegen. Besonders geschätzt habe ich dabei auch den Austausch mit André Krause und Sandro Tschuor. Beide denken sehr unternehmerisch, sind gleichzeitig konsequent kundenorientiert und haben einen klaren Blick für langfristige Partnerschaften. Diese Haltung passt sehr gut zu unserem Verständnis von Zusammenarbeit und war sicher ein wichtiger Faktor dafür, dass wir gemeinsam so schnell auf einen Nenner gekommen sind. Entscheidend war auch, dass wir die richtigen Themen identifiziert und aufgezeigt haben, wie das ZFF die strategischen Ziele von Sunrise unterstützen kann. Besonders im Zusammenhang mit dem neuen Rewards-Programm konnten wir attraktive Mehrwerte entwickeln – von exklusiven Erlebnissen über besondere Festivalzugänge bis hin zu einzigartigen Begegnungen, die einen echten Mehrwert für die Kundinnen und Kunden von Sunrise schaffen.
Was uns dabei zusätzlich verbunden hat, ist eine gemeinsame Haltung. Das diesjährige Motto der Opening Night des ZFF lautet „Dream Big“ – eine Botschaft, die auch hervorragend zu Sunrise passt. Beide Marken stehen für Inspiration, Zukunftsorientierung und den Mut, gross zu denken.
Was bedeutet diese Partnerschaft strategisch für das ZFF – sowohl finanziell als auch inhaltlich?
Zu finanziellen Details äussere ich mich grundsätzlich nicht. Strategisch ist die Partnerschaft jedoch ein starkes Signal für das ZFF.
Wenn sich ein Unternehmen wie Sunrise für das ZFF entscheidet, zeigt das, dass unsere Plattform attraktiv ist und unsere Vision überzeugt. Für mich ist das eine Bestätigung, dass wir als Festival kulturelle Relevanz mit gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wirkung verbinden können.
Inhaltlich eröffnet uns die Partnerschaft die Möglichkeit, neue Zielgruppen anzusprechen und das Festivalerlebnis weiterzuentwickeln. Gleichzeitig gewinnen wir einen Partner, der wie wir an Innovation, Vernetzung und die Kraft von Geschichten glaubt.
Besonders wichtig ist mir aber etwas anderes: Gute Partnerschaften gehen über Logos und Sichtbarkeit hinaus. Sie entstehen dann, wenn beide Seiten gemeinsame Werte teilen und gemeinsam etwas bewegen wollen. Genau das sehe ich bei Sunrise. Uns verbindet der Anspruch, Menschen zu inspirieren, zu verbinden und besondere Momente zu ermöglichen.
Das ZFF geniesst international einen hervorragenden Ruf – wo sehen Sie das Festival in fünf Jahren, und welche Akzente möchten Sie persönlich setzen?
Persönlich möchte ich vor allem drei Akzente setzen: Innovation, Content und Zürich als Festivalstadt
Die Zukunft liegt im Bewegtbild und darin, Menschen nicht nur während elf Festivaltagen zu begeistern, sondern das ganze Jahr über mit Geschichten und Emotionen zu erreichen. Genau deshalb investieren wir konsequent in eigene Inhalte und neue Formate.
Gleichzeitig trägt Zürich nicht zufällig unseren Namen. Die Stadt ist ein zentraler Bestandteil unserer Identität und unseres Erfolgs. Deshalb möchten wir Zürich noch stärker als internationale Film-, Kultur- und Entertainment-Destination positionieren. Wenn Menschen weltweit an das ZFF denken, sollen sie automatisch auch an Zürich denken – als weltoffene, innovative und kulturell relevante Metropole im Herzen Europas. In fünf Jahren sehe ich das ZFF als die führende Film- und Entertainment-Plattform im deutschsprachigen Raum – mit internationaler Strahlkraft und einer noch stärkeren Verankerung in Zürich.
Welche Innovationen oder neuen Formate planen Sie, um das ZFF für neue Zielgruppen attraktiver zu machen, ohne den traditionellen Kern zu verlieren?
Innovation bedeutet für mich nicht, den Kern des ZFF zu verändern. Im Gegenteil: Der Erfolg des Festivals basiert auf exzellenten Filmen, internationalen Gästen und starken Geschichten und die und der Förderung von Talenten. Diesen Kern gilt es zu bewahren.
Die entscheidende Frage ist, wie wir diese Inhalte für neue Generationen zugänglich machen. Menschen erleben Geschichten heute nicht mehr nur im Kinosaal, sondern auch auf digitalen Plattformen und über Bewegtbildformate.
Deshalb setzen wir verstärkt auf eigenen Content und ganzjährige Aktivierungen. Unser Ziel ist es, das ZFF nicht nur während elf Tagen im Jahr sichtbar zu machen, sondern Menschen das ganze Jahr über zu inspirieren.
Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber daraus werden zahlreiche exklusive Einblicke, Gespräche und Inhalte entstehen, die die Reichweite und Sichtbarkeit des Festivals weiter stärken.
Streaming-Plattformen, Social Media, KI-generierte Inhalte – wie wichtig ist das klassische Kino und das Filmfestival-Format noch in der heutigen Medienlandschaft?
Ich sehe das nicht als Entweder-oder. Streaming-Plattformen, Social Media und KI sind aus der heutigen Medienwelt nicht mehr wegzudenken. Sie verändern die Art und Weise, wie wir Inhalte entdecken, konsumieren und teilen.
Gerade deshalb bleiben Filmfestivals relevant. Sie bieten Orientierung, kuratieren Inhalte und schaffen Aufmerksamkeit für Filme, Talente und Geschichten, die sonst möglicherweise untergehen würden.
Für das ZFF bedeutet das, die Chancen neuer Technologien und Plattformen zu nutzen, ohne die eigene Identität aus den Augen zu verlieren. Wir wollen dort präsent sein, wo Menschen Inhalte konsumieren, gleichzeitig aber die Qualität, Glaubwürdigkeit und kulturelle Relevanz bewahren, für die das Festival steht.
Film gilt als das Leitmedium des 20. Jahrhunderts – hat er diese Kraft heute noch, gesellschaftliche Debatten anzustossen und Menschen zu verbinden?
Absolut. Vielleicht ist diese Kraft heute sogar wichtiger denn je.
Wir leben in einer Zeit, in der Informationen in Sekundenschnelle verfügbar sind. Was oft fehlt, sind Einordnung, Perspektiven und Emotionen. Genau das kann Film leisten.
Die grösste Stärke eines Films liegt für mich nicht darin, Antworten zu geben, sondern Fragen zu stellen. Gute Filme eröffnen neue Blickwinkel, regen zum Nachdenken an und schaffen Verständnis für andere Lebensrealitäten. Ein Beispiel dafür ist «The Secret Agent» mit Wagner Moura, den wir im vergangenen Jahr am ZFF gezeigt haben.
Deshalb bin ich überzeugt, dass Film auch heute Menschen verbinden kann. Nicht weil alle danach derselben Meinung sind, sondern weil sie gemeinsam eine Geschichte erleben und darüber ins Gespräch kommen. Genau darin liegt die besondere Kraft des Films – und die anhaltende Relevanz eines Festivals wie des ZFF – ‘cause life is better with movies!
