IAA Mission Next Generation
Beim Speedmentoring 2026 in Basel trafen Nachwuchstalente auf erfahrene Branchenprofis – in einem Format mit Countdown, Szenenwechseln und jeder Menge Karriere-Dynamik. Das Video dazu wirkt wie ein Trailer auf das Versprechen, das in diesem Format steckt.
Wenn Erfahrung auf Neugier trifft
Es gibt Formate, über die man lange reden kann. Und es gibt Formate, die sich nach wenigen Minuten selbst erklären. Das IAA Speedmentoring gehört zur zweiten Sorte. Ein Countdown läuft. Eine Glocke läutet. Drei Mentees wechseln zum nächsten Mentor, zur nächsten Mentorin. Zwölf Minuten bleiben. Für Fragen, Erfahrungen, Karrierewege, Unsicherheiten, Tipps – und manchmal für einen Satz, der hängen bleibt.

Zum ersten Mal fand das IAA Speedmentoring am 11. Mai 2026 in Basel statt, bei Helvetia Baloise. 24 Nachwuchstalente aus Marketing, Kommunikation, Medien und Agenturwelt trafen auf acht Mentorinnen und Mentoren: Ralf Brachat, Markus Bucheli, Gregor Eicher, Silvana Imperiali, Tarkan Özküp, Nelly Riggenbach, Natasja Sommer und Alexandra Vatansever.

Federführend mitentwickelt wurde der Abend von Chantal Landis gemeinsam mit den IAA-Vorstandsmitgliedern Guido Trevisan, CMO Goldbach, und Ismail Wicki, Senior Marketing National Sales bei Weischer.Cinema. Wicki hatte dabei auch jenes Element im Blick, das dem Format seinen Takt gab: den Countdown. Zwölf Minuten pro Runde, dann Wechsel. So wurde aus Mentoring kein loses Netzwerken, sondern ein präzise getakteter Erfahrungsparcours.

Was auf dem Papier nach einem gut organisierten Branchenformat klingt, entwickelte vor Ort eine erstaunlich lebendige Energie. Keine steife Nachwuchsveranstaltung, keine Karrierepredigt von oben herab, sondern ein Raum voller konzentrierter Gespräche. Mal leise, mal pointiert, oft sehr direkt.

Nachwuchsförderung ohne Sonntagsrede
Die Stärke des Formats liegt in seiner Einfachheit. Junge Talente bringen konkrete Fragen mit. Erfahrene Führungskräfte bringen ihre beruflichen Umwege, Fehler, Erfolge und Haltungen ein. Dazwischen entsteht genau jener Austausch, der in der Branche oft beschworen, aber selten so verdichtet ermöglicht wird.
Chantal Landis, Geschäftsführerin des IAA Swiss Chapter, beschreibt das Speedmentoring als Format, das der IAA besonders am Herzen liegt. Es sei beliebt bei Mentorinnen und Mentoren, aber auch bei den jungen Talenten, die sich für einen Platz bewerben. Nach Zürich und Basel gibt es bereits Anfragen aus Lausanne und Luzern. Das spricht für ein Modell, das über einzelne Städte hinaus Schule machen könnte.



Guido Trevisan, im IAA-Vorstand für Jugend- und Talentförderung engagiert, brachte den Kern des Abends auf den Punkt: Junge Talente sollen nicht nur zuhören, sondern Kontakte knüpfen, Fragen stellen und von Erfahrung profitieren. Mentoring habe auch in seiner eigenen Karriere eine wichtige Rolle gespielt – als Quelle für Inspiration, neue Ideen und Orientierung.
Gerade darin liegt die eigentliche Relevanz: Nachwuchsförderung wird hier nicht als abstraktes HR-Thema behandelt, sondern als persönliche Begegnung. Wer weiterkommen will, braucht nicht nur Fachwissen. Sondern Zugang, Orientierung, ehrliches Feedback und Menschen, die bereit sind, Erfahrungen zu teilen.
KI, Karrierewechsel und die Sache mit der Haltung
Auffällig oft drehte sich der Abend um drei Themen: KI, Karriereentscheidungen und Haltung.
Markus Bucheli, Gastgeber und Head of Marketing & Market Communications bei Helvetia Baloise, wurde besonders häufig gefragt, wann der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel sei. Seine Antwort war differenziert: Man solle nicht vorschnell weiterziehen, sondern zuerst systematisch prüfen, welche Optionen es beim bestehenden Arbeitgeber noch gibt.

Auch KI war allgegenwärtig. Nicht als Hype-Folie, sondern als konkrete Verunsicherung. Tarkan Özküp brachte den wichtigen Punkt ein, dass junge und ältere Berufsleute Diskussionsräume schaffen müssten, in denen man vorbereitet über neue Themen spricht. Nicht alles nur abrufen. Nicht alles delegieren. Denken bleibt Arbeit.
Nelly Riggenbach formulierte es noch schärfer: «Kreativität kennt keine Hierarchie.» Die beste Idee müsse zählen, nicht der höchste Rang am Tisch. Ihr Mastertipp: kritisches Denken und den Status quo hinterfragen.

Der gute Geist im Raum
Was im Video besonders spürbar wird, ist der Ton des Abends. Die Mentees wirken vorbereitet, neugierig, offen. Die Mentorinnen und Mentoren wirken nicht pflichtbewusst anwesend, sondern wirklich interessiert. Mehrere sprechen davon, selbst etwas gelernt zu haben.
Natasja Sommer zeigte sich beeindruckt von der Intelligenz, Wissbegierigkeit und Vorbereitung der jungen Teilnehmenden. Silvana Imperiali sprach von Enthusiasmus, Offenheit und vielfältigen Fragen. Gregor Eicher beschrieb den «Top-Spirit» der jungen Talente, die ihn «richtig hart ausgequetscht» hätten.

Auch die Mentees nahmen nicht nur Visitenkarten mit, sondern konkrete Gedanken: Authentizität, Neugier, Pragmatismus, Soft Skills, Respekt statt blosses Gefallenwollen. Ein Satz blieb besonders hängen: «You don’t need to be liked, you need to be respected.»




Was das Format noch stärker machen könnte
So überzeugend der Abend wirkte, eine journalistische Frage bleibt: Wie wird aus einem inspirierenden Abend nachhaltige Förderung?
Speedmentoring lebt von Tempo, Verdichtung und Zufall. Genau das macht es attraktiv. Gleichzeitig liegt darin auch seine Grenze. Zwölf Minuten können Türen öffnen, aber sie ersetzen keine längerfristige Begleitung. Wer Nachwuchsförderung wirklich bei den Wurzeln packen will, könnte das Format künftig noch verbindlicher verlängern: mit Follow-up-Gesprächen, kleinen Peer-Gruppen, einem Alumni-Netzwerk oder konkreten Matching-Angeboten zwischen Mentorinnen, Mentoren und Mentees. Nicht als Bürokratisierung des guten Geistes. Sondern als Verstärkung dessen, was an diesem Abend bereits sichtbar wurde.

Ein Format mit Nachahmungspotenzial
Das IAA Speedmentoring zeigt, wie Branchenförderung im besten Fall aussieht: nahbar, konkret, generationsübergreifend. Es bringt Werbeauftraggeber, Agenturen und Medien an einen Tisch. Es schafft Gespräche, die sonst kaum entstehen. Und es erinnert daran, dass Karrieren nicht nur durch Skills wachsen, sondern durch Begegnungen.
Basel war deshalb nicht einfach eine weitere Station. Basel war ein Beweis, dass dieses Format reisen kann. Nach Zürich, nach Lausanne, nach Luzern – und eigentlich überall dorthin, wo eine Branche verstanden hat, dass Zukunft nicht in Panels entsteht, sondern im direkten Gespräch.




