Sex sells

Aufgefallen Zwei Anzeigen, die dasselbe wollen: Schuhe verkaufen. Eine Augenweide ist das Pittarello-Modell, besondere Aufmerksamkeit verdient die Diesel-Anzeige.

Schuhe Zwei Anzeigen, die dasselbe wollen: Schuhe verkaufen. Eine Augenweide ist das Pittarello-Modell (nicht zu verwechseln mit einem aus dem Pirelli-Kalender). Bei Pittarello quillts aus allen Enden. Sogar der geschnürte Schuh drückt, was sich seine Trägerin allerdings nicht anmerken lässt, schliesslich hat Verführung ihren Preis. In diesem Falle 59 Euro. Preislos ist die Diesel-Anzeige, die besondere Aufmerksamkeit verdient. Schliesslich sind auf ihr auch am meisten Frauen zu sehen – beziehungsweise ihr unteres Ende. Zwei Fragen: die erste ist ganz pragmatischer Natur und betrifft die Realisation eines solchen Sujets. Wo ist wohl der Rest der Frauen geblieben? Liegen sie nach hinten geklappt oder sind sie tatsächlich so artistisch veranlagt, dass sie alle aufeinander gestapelt Platz und Balance haben? Vorsicht beim Nachstellen. Die zweite Frage gilt der Aussage des Sujets. Sollen wir uns überlegen, welche Stiefel uns am besten gefallen oder dass ein Diesel-Träger Frauen auf drei Arten beflügeln kann? Wie dem auch sei: Eigentlich schade, dass man seinen Kopf nicht sieht – und Hauptsache die Schuhe passen. (ck)

Sex Sells

Aufgefallen Eins vorweg: Diese Anzeige stammt aus einem amerikanischen Männer-Lifestyle-Magazin.

Kosmetik Eins vorweg: Diese Anzeige stammt aus einem amerikanischen Männer-Lifestyle-Magazin.Und dass die Amerikaner uns Europäern in mancher Hinsicht weit voraus sind, machen sie nicht nur in Hollywood klar. Auch die Frauenemanzipation scheint in ihrer Entwicklung Lichtjahre entfernt zu sein. Wie heisst es doch so treffend: Reduce to the max oder Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte. Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass die liegende Eva nicht schon zu viel Wein hatte und ihre Wahrnehmung noch 100-prozentig funktioniert. Ist dem so, brauche ich zwecks Anzeigenverdauung etwas Hochprozentigeres als Wein, denn ein derart verstümmelter Mann – und dann noch nackt (was sich wohl hinter dem Mini-Fuss verbirgt?), und dann noch aus den USA, ist zu viel des Guten. Dann doch lieber eine nackte Blondine auf der Kühlerhaube. (ck)

Sex sells

Andreas Panzeri über den Trick, mit Simpelheit Aufmerksamkeit zu erheischen.

Andreas Panzeri über den Trick, mit Simpelheit Aufmerksamkeit zu erheischen.Mit einer Imagekampagne will die Stadt Zürich dem Stereotyp des einsamen, gebrechlichen und fremdbestimmten Alten den selbstbewussten, fröhlichen alten Menschen entgegenstellen. Die Sujets mit Porträtfotos von Seniorinnen und Senioren suchen Aufmerksamkeit mit Schlagzeilen wie «Wer weiss mehr über Männer als eine 96-Jährige?» oder «Wer weiss mehr über Sex als eine 93-Jährige?». In einem Papier zum Vorstellen dieser Kampagne titelt die Agentur Matter & Partner auch noch «Wer weiss mehr über alte Menschen als Matter & Partner?».
Die Headlines tönen gut. Allerdings: Stimmt das tatsächlich, was uns die Werber im Auftrag des Zürcher Stadtrates weismachen wollen?
Die Seniorin habe zu ihrem Statement eingewilligt, obwohl sie selber nicht glaubt, mehr über Sex als junge Leute zu wissen, heisst es bei der Agentur.
Tatsächlich ist anzunehmen: Eine echte 93-Jährige weiss nicht, wieso es ihren pubertierenden Enkel nicht stört, dass er jedes Mal beim Öffnen eines verführerischen Spams von einer Unmenge Pop-ups bombardiert wird. Sie hat keine Ahnung davon, wieso ihre Tochter im Swingerclub sich entgegen ihrem Willen mit dem Ehemann und einem Unbekannten gleichzeitig in den Whirlpool gesetzt hat. Sie ahnt vielleicht, dass ihr Sohn Viagra nimmt, aber sie will das eigentlich gar nicht wissen. Trotzdem steht auf dem städtischen Plakat gedruckt: «Wer weiss mehr über Sex als eine 93-Jährige?».
Bei den Werbern entschuldigt man solche Schlagzeilen meistens mit dem Auftrag. Sloggy muss schliesslich verkauft werden. Aber alte Leute? Die will niemand mehr kaufen. Wieso gibt sich der Stadtrat als Auftraggeber deshalb trotzdem so sexy? Wäre es nicht gerade an einer solchen Autoritätsbehörde, nach anderen Signalen für ihre Aufmerksamkeit zu suchen?
Wieso hat die vife Rentnerin nicht selber eine Headline formulieren dürfen? Vielleicht kann sie ja Englisch und weiss, dass Headline etwas mit dem Kopf zu tun hat.
Aber vielleicht hat der Stadtrat Recht. Oder hätten Sie dieses Editorial auch gelesen, wenn im Titel statt «Sex sells» politisch korrekt «Ehret das Alter» gestanden hätte?
> Andreas Panzeri, Redaktor

More articles on the topic