Schweizer Startups verzeichnen 44 Prozent mehr Investitionen – KI-Boom treibt Wachstum

Das EY Startup Barometer Schweiz 2026 zeigt eine deutliche Erholung: Im Jahr 2025 flossen 3,3 Milliarden Franken in Schweizer Startups – ein Anstieg von 44 Prozent gegenüber 2024. Besonders KI-orientierte Startups gewannen stark an Dynamik und sicherten sich in mehr als drei von zehn Finanzierungsrunden Kapital. Der Gesundheitssektor bleibt mit 44 Prozent des gesamten Investitionsvolumens der volumenstärkste Bereich.

Milja Vulin Petrovic, Leiterin Startups und Scaleups bei EY Schweiz
Milja Vulin Petrovic, Leiterin Startups und Scaleups bei EY Schweiz (Quelle: zvg)

Nach einem seit dem zweiten Halbjahr 2022 beobachteten Abwärtstrend verzeichnen Schweizer Startups 2025 wieder einen signifikanten Anstieg bei Finanzierungsrunden und Investitionsvolumen. Im Jahr 2025 wurden 515 Finanzierungsrunden für Startups registriert, was einem marginalen Anstieg von zwei Finanzierungsrunden im Vergleich zu 2024 (513) entspricht. Auch das in Startups investierte Volumen ist gestiegen: Schweizer Startups generierten im vergangenen Jahr ein Finanzierungsvolumen von 3,3 Milliarden Franken, was 44 Prozent höher ist als 2024 (2,3 Milliarden Franken).

«Nach einigen herausfordernden Jahren beobachten wir im Jahr 2025 eine klare Stabilisierung im Schweizer Startup-Ökosystem. Sowohl die Anzahl der Finanzierungsrunden als auch das investierte Kapital sind wieder gestiegen. Besonders erfreulich ist die starke Dynamik in zukunftsorientierten Bereichen wie KI und Health, die das Wachstum massgeblich vorantreiben», sagt Milja Vulin Petrovic, Leiterin Startups und Scaleups bei EY Schweiz.

KI-Finanzierung mehr als verdreifacht

Der Fortschritt der künstlichen Intelligenz ist auch bei Jungunternehmen deutlich erkennbar: Die Zahl der Finanzierungsrunden für KI-orientierte Startups stieg im Jahr 2025 auf 163 (2024: 112), was einem Plus von rund 46 Prozent entspricht. Gegenüber 2023 hat sich die Zahl nahezu verdreifacht – trotz eines Rückgangs der Gesamtzahl der Finanzierungsrunden von 550 auf 515. Infolgedessen entfielen im vergangenen Jahr insgesamt 32 Prozent aller Finanzierungsrunden auf KI-Startups (2023: 10 Prozent; 2024: 22 Prozent).

Die zunehmende Bedeutung von KI im Schweizer Startup-Ökosystem wird beim Blick auf die Finanzierungsvolumina besonders offensichtlich: Die Investitionen in KI-Startups stiegen um 206 Prozent – von 345 Millionen Franken im Jahr 2024 auf rund 1,1 Milliarden Franken im Jahr 2025. Der Anteil von KI-Startups am gesamten Finanzierungsvolumen stieg damit innerhalb von zwei Jahren von 5 Prozent auf 32 Prozent.

Gesundheitssektor bleibt volumenstärkster Bereich

Mit 147 Finanzierungsrunden (2024: 134) und einem Investitionsvolumen von rund 1,5 Milliarden Franken (2024: rund 1,0 Milliarden Franken) ist der Gesundheitssektor weiterhin die stärkste Branche. Damit entfallen 44 Prozent des gesamten Venture-Capital-Volumens in Schweizer Startups auf diesen Bereich. Software & Analytics folgt mit 924 Millionen Franken und einem Marktanteil von 28 Prozent (+133 Prozent gegenüber dem Vorjahr). FinTech/InsurTech (9 Prozent) sowie Hardware (7 Prozent) belegen die weiteren Plätze, während der Energiesektor einen deutlichen Rückgang des Investitionsvolumens um 55 Prozent verzeichnete.

Ein genauerer Blick auf den Gesundheitssektor zeigt, dass Biotech-Startups mit einem Volumen von 818 Millionen Franken den grössten Anteil ausmachen (2024: 703 Millionen Franken), gefolgt von MedTech mit 369 Millionen Franken (2024: 275 Millionen Franken) und Care mit 272 Millionen Franken (2024: 26 Millionen Franken).

Mega-Deals verfünffachen sich

Insgesamt wurden 2025 515 Finanzierungsrunden verzeichnet (2024: 513), wobei für 436 Transaktionen Angaben zum Finanzierungsvolumen vorlagen (2024: 462). Mit Ausnahme kleinerer Finanzierungen bis zu 1 Million Franken verzeichneten alle Grössenkategorien mehr Abschlüsse als 2024. Die Zahl der Mega-Deals über 100 Millionen Franken verfünffachte sich (2024: 1; 2025: 5), ihr Gesamtvolumen stieg von 158 Millionen auf 747 Millionen Franken. Der Anstieg des gesamten Finanzierungsvolumens von 2,3 Milliarden auf 3,3 Milliarden Franken ist somit hauptsächlich auf die höhere Anzahl und das deutlich gestiegene Volumen dieser Mega-Deals zurückzuführen.

Top Ten der Startup-Finanzierungen

Bei Betrachtung der zehn Schweizer Startups mit den grössten Finanzierungen im Jahr 2025 fällt besonders auf, dass der Gesundheitssektor wie bereits im vergangenen Jahr die grössten Investitionen anzieht: Erneut gehen sechs der zehn grössten Deals an Unternehmen, die in diesem Sektor tätig sind. Die ersten vier Plätze werden vollständig von Startups aus dem Gesundheitssektor belegt: An erster Stelle steht Sanoptis (235 Millionen Franken), gefolgt von Windward Bio (173 Millionen Franken), Distalmotion (120 Millionen Franken) und Glycoera (112 Millionen Franken). Es folgt General Intuition aus dem Bereich Software & Analytics (107 Millionen Franken).

Die Top Ten werden ergänzt durch das AgTech-/FoodTech-Startup Ecorobotix (84 Millionen Franken), das Unternehmen Auterion aus dem Bereich Software & Analytics (84 Millionen Franken) sowie Neural Concept (80 Millionen Franken) und die zwei Gesundheits-Startups Nuclidium (79 Millionen Franken) sowie Rhygaze (74 Millionen Franken).

Weibliche Gründerteams leicht rückläufig

Im Rahmen des EY Startup Barometers Schweiz wurden insgesamt 447 Schweizer Startups erfasst, die im Jahr 2025 mindestens eine Finanzierungsrunde durchgeführt haben und bei denen die Zusammensetzung des jeweiligen Gründerteams publik gemacht wurde. 26 dieser Startups wurden von rein weiblichen Teams (6 Prozent) gegründet, in weiteren 75 Teams (17 Prozent) war mindestens eine Frau beteiligt. Die Mehrheit (346 Startups; 77 Prozent) entfiel auf rein männliche Teams. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Anteil rein weiblicher Teams leicht von 7 Prozent auf 6 Prozent.

Der E-Commerce-Sektor verzeichnete mit 28 Prozent den höchsten Anteil an Gründerinnen; bei 32 Prozent der finanzierten Startups war mindestens eine Frau im Gründungsteam vertreten. Es folgt der Gesundheitssektor mit einem Gründerinnenanteil von 19 Prozent. Im Ländervergleich mit Deutschland und Österreich wies die Schweiz im vergangenen Jahr unter Startups mit mindestens einer Finanzierungsrunde mit 11,9 Prozent (122 von 1025) den höchsten Anteil weiblicher Gründerinnen auf.

Schweiz im DACH-Vergleich führend

Im Vergleich zu Deutschland und Österreich blieb die Zahl der Finanzierungsrunden in der Schweiz stabil bis leicht steigend (+0,4 Prozent; von 513 auf 515) und war damit das einzige der drei Länder mit einem Zuwachs. Deutschland verzeichnete hingegen zum vierten Mal in Folge einen Rückgang (–5,2 Prozent; von 755 auf 716). Auch Österreich meldete ein leichtes Minus (–2,0 Prozent; von 151 auf 148).

Bei den in Startups investierten Volumina zeigt sich für die Schweiz ein deutlicher Anstieg: Das Finanzierungsvolumen erhöhte sich um 47 Prozent auf rund 3,5 Milliarden Euro (2024: 2,41 Milliarden Euro). Deutschland verzeichnete ebenfalls ein Plus von 19 Prozent auf 8,4 Milliarden Euro (2024: 7 Milliarden Euro) und erreichte damit den dritthöchsten Stand im Betrachtungszeitraum. In Österreich sank das Volumen hingegen deutlich um 56 Prozent auf 253 Millionen Euro (2024: 579 Millionen Euro).

«Die Entwicklung der Finanzierungsrunden in der Schweiz signalisiert eine klare Stabilisierung auf Vorjahresniveau. Im Unterschied zu Deutschland und Österreich zeigt sich der hiesige Markt damit robuster und kehrt vorsichtig auf einen Wachstumspfad zurück», sagt Petrovic.

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