Futtern und speisen
Kolumne Mal billig, mal Gourmet: Josefa Haas über die Parallelen zwischen der Medien- und der Esskultur.
Kolumne Mal billig, mal Gourmet: Josefa Haas über die Parallelen zwischen der Medien- und Esskultur. In der Esskultur tut sich was: Neben den Billigbrands lancieren die Detailhändler die Gourmetlinien, das Restaurant um die Ecke versucht dem Mittagsmenü etwas Pfiff zu geben, und Kochsendungen erleben ein Revival. Aus der Esskultur lassen sich für die Medienkultur einige Schlüsse ziehen. Wie so oft gibt es nicht nur ein «Entweder oder», sondern auch ein «Sowohl als auch». Das Spannende findet in den Grauzonen statt. Und die feinen Unterschiede muss besonders pflegen, wer aus dem Einheitsbrei herausstechen will. Dabei zeigt sich, dass das Billige den Sinn für Qualität durchaus schärfen kann.
Das eine tun und das andere nicht lassen. Der Armani-Anzug kombiniert mit dem H&M-T-Shirt ist heute eine Selbstverständlichkeit, das Ikea-Tischchen neben dem Designersofa wird in den Wohnmagazinen ohne Zögern präsentiert, und Budget-Crackers zu Champagner sind längst kein gastgeberischer Fauxpas mehr.
Die Konsumentinnen und Konsumenten kombinieren Schnäppchen mit Luxusangeboten, wie es ihnen beliebt. Sie lassen sich immer weniger in ein Schema pressen. Die Wahl vor dem Joghurtgestell wird so bei jedem Einkauf zu einem Spiel: Soll es Budget oder Luxus sein?
Rigide Rollenvorstellungen sind von gestern. Vor noch nicht langer Zeit konnte auf Grund von ein, zwei Eigenschaften präzise abgeleitet werden, wer was denkt, tut und kauft. Heute spielt man gerne mit unterschiedlichen Identitäten, nebeneinander oder als eine Art Lebensabschnittshaltung. Die Individualisierung wird heute als eine Form von Emanzipation gelebt.
Das gilt auch für die Medien: Im Tram die Gratiszeitung, am Mittag die Tageszeitung, dazwischen das Radio, gleichzeitig ein Blick ins Internet, und nach «10 vor 10» geht es ab ins Bett. Dort blättert man je nach Stimmung im Du, im Playboy oder im Bolero. Selbst die Jäger und Fliegenfischer können ihrer Leidenschaft frönen.
Der Medienalltag ist so bunt wie das Angebot. Wer am Morgen in 20 Minuten blättert, ist für den Rest der Medienangebote noch nicht verloren. Bei einigen wirkt das Gratisblatt sogar als Appetitanreger auf weitergehende Informationen, Unterhaltungsangebote und Hintergründe. Und sei es bei den Teenies «nur» auf Comics und Bravo. Doch Hand aufs Herz: Auch die meisten der älteren Generationen waren im jugendlichen Alter auf Interessanteres neugierig als bloss auf den Stoff in den Tageszeitungen.
Doch viel Geld lässt sich hier nicht machen, gibt zu bedenken, wer auf grosse Profite schielt. Die kürzlich von Tamedia publizierten Zahlen beweisen: Gratis-Pendlerzeitungen rentieren. Eine banale Erkenntnis, die nicht überrascht. Schon die klassischen Generalanzeiger und Anzeigenblätter waren und sind Goldesel, und in guten Jahren sorgen die Stellenanzeiger für grosse Profite. Medienmanager kennen die einfache Rechnung: Redaktionen verursachen Kosten, Werbeabteilungen bringen den Ertrag.
Und trotzdem gibt es immer wieder Leute, die Geld für gute Geschichten und starke Bilder ausgeben. Offenbar lässt sich auch mit anspruchsvollen Produkten gelegentlich etwas verdienen. Neben dem Informations-Fastfood ist eine spannend erzählte Geschichte mit überraschenden Gedanken ein besonderer Genuss, den man sich gönnt. Die mit Sorgfalt hergestellten Medieninhalte sind Leckerbissen, in die man gerne etwas Zeit und Geld investiert.
Josefa Haas leitet das Medieninstitut des Verbandes Schweizer Presse.
Das eine tun und das andere nicht lassen. Der Armani-Anzug kombiniert mit dem H&M-T-Shirt ist heute eine Selbstverständlichkeit, das Ikea-Tischchen neben dem Designersofa wird in den Wohnmagazinen ohne Zögern präsentiert, und Budget-Crackers zu Champagner sind längst kein gastgeberischer Fauxpas mehr.
Die Konsumentinnen und Konsumenten kombinieren Schnäppchen mit Luxusangeboten, wie es ihnen beliebt. Sie lassen sich immer weniger in ein Schema pressen. Die Wahl vor dem Joghurtgestell wird so bei jedem Einkauf zu einem Spiel: Soll es Budget oder Luxus sein?
Rigide Rollenvorstellungen sind von gestern. Vor noch nicht langer Zeit konnte auf Grund von ein, zwei Eigenschaften präzise abgeleitet werden, wer was denkt, tut und kauft. Heute spielt man gerne mit unterschiedlichen Identitäten, nebeneinander oder als eine Art Lebensabschnittshaltung. Die Individualisierung wird heute als eine Form von Emanzipation gelebt.
Das gilt auch für die Medien: Im Tram die Gratiszeitung, am Mittag die Tageszeitung, dazwischen das Radio, gleichzeitig ein Blick ins Internet, und nach «10 vor 10» geht es ab ins Bett. Dort blättert man je nach Stimmung im Du, im Playboy oder im Bolero. Selbst die Jäger und Fliegenfischer können ihrer Leidenschaft frönen.
Der Medienalltag ist so bunt wie das Angebot. Wer am Morgen in 20 Minuten blättert, ist für den Rest der Medienangebote noch nicht verloren. Bei einigen wirkt das Gratisblatt sogar als Appetitanreger auf weitergehende Informationen, Unterhaltungsangebote und Hintergründe. Und sei es bei den Teenies «nur» auf Comics und Bravo. Doch Hand aufs Herz: Auch die meisten der älteren Generationen waren im jugendlichen Alter auf Interessanteres neugierig als bloss auf den Stoff in den Tageszeitungen.
Doch viel Geld lässt sich hier nicht machen, gibt zu bedenken, wer auf grosse Profite schielt. Die kürzlich von Tamedia publizierten Zahlen beweisen: Gratis-Pendlerzeitungen rentieren. Eine banale Erkenntnis, die nicht überrascht. Schon die klassischen Generalanzeiger und Anzeigenblätter waren und sind Goldesel, und in guten Jahren sorgen die Stellenanzeiger für grosse Profite. Medienmanager kennen die einfache Rechnung: Redaktionen verursachen Kosten, Werbeabteilungen bringen den Ertrag.
Und trotzdem gibt es immer wieder Leute, die Geld für gute Geschichten und starke Bilder ausgeben. Offenbar lässt sich auch mit anspruchsvollen Produkten gelegentlich etwas verdienen. Neben dem Informations-Fastfood ist eine spannend erzählte Geschichte mit überraschenden Gedanken ein besonderer Genuss, den man sich gönnt. Die mit Sorgfalt hergestellten Medieninhalte sind Leckerbissen, in die man gerne etwas Zeit und Geld investiert.
Josefa Haas leitet das Medieninstitut des Verbandes Schweizer Presse.
