Ménage à trois

Regionalpresse Arc Presse, für die Westschweiz eine neue Art Zeitungsverbund, startet klein – und ist ergänzbar.

Regionalpresse Arc Presse, für die Westschweiz eine neue Art Zeitungsverbund, startet klein – und ist ergänzbar.Um Deutschschweizern zu erklären, wie sie die neue Verbindung der Tageszeitungen L’Express, L’Impartial und Le Journal du Jura (JdJ) einordnen sollen, greift Jacques Matthey zu einem Vergleich: «Arc Presse funktioniert wie die Mittelland Zeitung», sagt der Direktor der Société Neuchâteloise de Presse SA (SNP), Herausgeberin von Impartial und L’Express. Tatsächlich gibt es Parallelen: Die beteiligten Titel aus Neuenburg, La Chaux-de-Fonds und Biel erscheinen seit dem 6. Februar mit einem identischen Layout, einem gemeinsamen Mantelteil, mit dem einheitlichen Label «Arc Presse» und mit einem Kombitarif. Die neue Dachmarke bildet gar einen prominenten Teil der Zeitungsköpfe.
Wie bei der Mittelland Zeitung (MZ) bleiben die bisherigen Druckstandorte bestehen, und auch die Verlage sind weiterhin eigenständig. Doch anders als bei der MZ bestehen bei Arc Presse schon von Beginn weg finanzielle und personelle Verflechtungen. So ist die JdJ-Herausgeberin W. Gassmann AG (allerdings schon seit längerem) zu 9,5 Prozent bei der SNP von Philippe Hersant beteiligt. Verleger Marc Gassmann sitzt dort auch im Verwaltungsrat. Eine umgekehrte Beteiligung existiert dagegen nicht.
Weitere Unterschiede zur MZ: Bei Arc Presse wird der Mantelteil teils in Biel (Sport), teils in Neuenburg produziert, es gibt keine Zentralredaktion. Zudem wird die Marke kaum im nationalen Werbemarkt auftreten, sondern sie fügt sich als neues Modul in das bestehende Westschweizer Kombigefüge ein. Dessen Basis bildet das Duo, die Verbindung von L’Express und L’Impartial. Dieses kann nun dank Arc Presse mit dem JdJ ergänzt werden. Das Trio lässt sich wiederum mit dem Quotidien Jurassien in Delémont zum Kombi 4x4plus erweitern. Und schliesslich bilden die vier zusammen mit La Liberté und Le Nouvelliste noch das Romandie Combi (ROC).
Alle diese Kombis bleiben bestehen, obwohl Arc Presse ursprünglich als Quartett gedacht war, welches das 4x4plus ersetzen sollte. Doch der Quotidien Jurassien (QJ) wollte sich nicht anschliessen. Das Trio hätte nun mit einer Dumping-Strategie versuchen können, den abtrünnigen QJ ins Arc-Presse-Boot zu zwingen. Aber Marcel Geissbühler, Leiter Medien bei W. Gassmann, winkt ab: «Wir kämpfen nicht gegen jemanden, sondern wollen mit dem QJ im Gespräch bleiben.» Sein Kollege Matthey pflichtet ihm bei: «Arc Presse stellt keine Konkurrenz zu anderen Kombinationen dar.» Schliesslich profitiere man selbst von ihnen. Da man mit dem ROC bevölkerungsmässig die halbe Westschweiz erreiche, diene diese Marke dem Auftritt im nationalen Markt. Das 4x4plus sei primär ein Stellenkombi, während das Duo ausschliesslich regionalen Kunden angeboten werde.
Und wie positioniert sich Arc Presse? «Auch als regionales Angebot, doch rechnen wir nicht mit starken Verschiebungen aus dem Duo oder dem 4x4plus», sagt Geissbühler. «Wir hoffen, dass wir den lokalen Markt beleben und damit zu Mehrumsatz beitragen können – dank unseren Innovationen.» Er spricht damit die Einführung von Fixformaten sowie das gemeinsame Layout an. Letzteres ermöglicht in den drei Titeln neue Spezialangebote wie etwa Kopffelder oder themenspezifische Platzierungen. Er betont: «Arc Presse ist nicht nur ein Kombi. Wir sind viel weiter gegangen und haben etwas auf die Beine gestellt, das für die Romandie neu ist.»
AusbaufähigDer Name Arc Presse
steht für den Jura-Bogen. Doch der neue Verbund bildet vorerst bloss einen Fleck im Jura. Das hinderte aber SNP und W. Gassmann nicht zu starten, in der Hoffnung, die neue Kooperation überzeuge nicht nur Kunden, sondern auch weitere mögliche Partner – den Quotidien Jurassien oder La Liberté und Le Nouvelliste. «Es ist durchaus denkbar, dass wir unsere Partnerschaft noch ausweiten. Wir sind offen für alles, was Sinn macht», bestätigt Marcel Geissbühler. Und Jacques Matthey ergänzt: «Wir fangen jetzt klein an, bleiben aber offen für weitere Partner, falls diese von sich aus wollen. Wir zwingen ihnen nichts auf.» Markus Knöpfli

Ménage à trois

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Verlage Was hat die SonntagsZeitung auf einer Abo-Werbekarte des Jean Frey Verlags verloren? Umrahmt von Weltwoche und Bilanz wird Tamedias Feiertagsblatt dort zum «Qualitätstitel» geadelt. Vermutlich wollten die beiden Marketingabteilungen bloss Produktionskosten sparen. Oder ist die Aktion doch als Vorbote einer Allianz zu deuten?

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