Keyvisual des ZFF zeigt die Männlichkeit in all ihren Facetten
Das 19. Zurich Film Festival befasst sich in der Sektion Hashtag mit #Masculinity. Damit will es die Rolle des Mannes im Spagat zwischen klassischem Rollenbild und neuen Aufgaben in den Fokus rücken. Der Schweizer Schauspieler Burak Ates ist das Kampagnengesicht auf dem neuen Festivalplakat.

Immer häufiger verschwimmen die klassischen Geschlechterrollen. Was vor ein paar Jahren noch für viel Aufschrei gesorgt hätte, gehört inzwischen zum Alltag in der Öffentlichkeit: Männer mit lackierten Fingernägeln, Männer, die androgyne Kleidung tragen, Männer mit Perlenkette um den Hals. Während bekannte Künstler wie Harry Styles, Jared Leto oder Timothée Chalamet gerade damit kokettieren und sich auch deshalb vor allem bei jüngerem Publikum grosser Beliebtheit erfreuen, feiern andererseits Filme wie «Top Gun: Maverick» mit Tom Cruise oder «Ticket To Paradise» mit George Clooney, die auf traditionelle Männlichkeitsbilder zurückgreifen, grosse Erfolge.
«Um die Männlichkeit tobt zurzeit ein regelrechter Kulturkampf, wie etwa der inflationär verwendete Begriff ‹toxische Männlichkeit› beweist» sagt Artistic Director Christian Jungen. «Wir zeigen rund ein Dutzend Filme, die sehr verschiedene Arten von Männlichkeit repräsentieren und wollen so eine Debatte um die Rolle und das Selbstverständnis des Mannes im 21. Jahrhunderts stimulieren». Das 19. Zurich Film Festival zeigt in der Sektion Hashtag #Masculinity ausgewählte Filme, die das Spannungsfeld aufzeigen, was Männer heute ausmacht.
Dazu gehört auch das Keyvisual des diesjährigen ZFF mit Burak Ates, einen 28-jährigen Schweizer Schauspieler aus Solothurn. Er spielte die Hauptrolle im Film «Beyto», der am Zurich Film Festival 2020 Premiere feierte. Mit Ates als Keyvisual will das Filmfestival sowohl die Wichtigkeit der Nachwuchsförderung aufzeigen. Zudem ist er auch passend zum Hashtag #Masculinity inszeniert – mit lackierten Nägeln, Schmuck und knalligen Farben.
INTERVIEW
«Durch ‹Beyto› bin ich mutiger geworden»
Burak Ates ist das Gesicht der diesjährigen ZFF-Kampagne. Im Interview erinnert sich Burak Ates an seinen ersten ZFF-Auftritt zurück, spricht über unseren diesjährigen #masculinity und erzählt, inwiefern «Beyto» sein Leben verändert hat.
Burak Ates, Sie sind dieses Jahr das Kampagnen-Gesicht des ZFF. Was bedeutet das für Sie?
Burak Ates: Es ist ein sehr schönes Gefühl. Vor drei Jahren hat am ZFF alles angefangen. Wir sind 2020 mit dem Film «Beyto» dort gewesen – und jetzt wieder am ZFF sein zu dürfen, vor allem als Kampagnen-Gesicht, das ist schön.
Gibt es etwas, das Ihnen vom ZFF 2020 besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es war unbeschreiblich schön, das erste Mal auf einer grossen Bühne zu stehen und in einem Film mitzuspielen, vor allem als Hauptdarsteller. Es war eine schwierige Rolle, aber eine, die ich gerne gespielt habe.
Dieses Jahr zeigt das ZFF in einer Sektion Filme zum Thema #masculinity. Was verbinden Sie mit Männlichkeit?
Vor allem Mut. Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren verändert, auch die Männer. Sie tun Dinge, die im klassischen Männlichkeitsbild nicht inbegriffen sind, sie sind nicht mehr so strikt «auf Linie». Ich selbst koche zum Beispiel sehr gerne und stricke. Das Stricken habe ich neu für mich entdeckt. Und nebenher schaue ich Filme oder höre Hörbücher. Sowas war früher nicht unbedingt «männlich». Aber inzwischen findet das «Mann sein» in viel mehr Bereichen statt. Ich finde das schön und mutig.
Um Mut geht es auch in «Beyto». Sie spielen die Hauptrolle: Einen homosexuellen Mann, der wegen seiner Sexualität Probleme mit seiner Familie hat. Haben Sie durch die Rolle etwas Neues gelernt?
«Beyto» war ein Wendepunkt in meinem Leben. Beyto musste eine Entscheidung treffen: Entweder die Liebe oder seine Familie. Und ich musste ebenfalls eine Entscheidung treffen: Mit Schauspiel meinen Traum zu leben oder einen eher klassischen Berufsweg zu gehen. Durch Beyto bin ich mutiger geworden und ich habe ihn immer noch bei mir. In Zeiten, in denen es schlecht läuft und ich die Hoffnung verliere, sagt er mir immer noch manchmal: «Buri, das ist das Richtige. Hör auf dein Herz. Jetzt geht es weiter.»
Seit «Beyto» haben Sie auf die Schauspielerei gesetzt. Warum ist das Ihr Traum?
Schauspieler zu werden war mein Kindheitstraum. Spätestens nach dem Auftritt in «Beyto» und am ZFF kann mir gar nicht mehr vorstellen, etwas Anderes zu machen. In den letzten Jahren habe ich viel erlebt und Erfahrungen sammeln dürfen. Das hat mich auch menschlich sehr weitergebracht. Ich werde immer sentimental, wenn ich daran denke. Ich freue mich auf die Zukunft und hoffe, dass ich noch viel in der Schweiz arbeiten kann, denn ich finde den Schweizer Film enorm spannend.
Am 28. September startet das ZFF 2023. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Ich bin sehr gerne am Sechseläutenplatz und bin immer aufgeregt, wenn das Festivalzentrum aufgestellt wird. Ich freue mich auf den Green Carpet, tolle Partys, coole Leute und auf die Filme natürlich! Man trifft sich dort und kann über Filme reden… das ist das Schönste daran. Das ZFF ist wirklich eine super Sache.
Verantwortlich bei ZFF: Alessandro Monsurrò, Deborah Marzo, Kaja Eggenschwiler, Vivien Sasso, Ann Moser und Maike Müller Foto: Lea Meienberg mit Unterstützung von Sandra Gadient Hair & Make up: Letizia Abbatiello, Make it up Agency Styling: Donjeta Selmanaj, Jelmoli Video: Blackframe

