Zu guter Letzt: Radioheads Erfahrungen mit dem Schlaraffenland Internet
Die britische Band Radiohead war noch nie für innige Flirts mit grossen Firmen bekannt. Eher schon für ausgelebte Kreativität, eigenwillige Musik und eine äusserst treue Fangemeinschaft.
Die britische Band Radiohead war noch nie für innige Flirts mit grossen Firmen bekannt. Eher schon für ausgelebte Kreativität, eigenwillige Musik und eine äusserst treue Fangemeinschaft. Genau diese scheint sich nun aber der Band weitaus weniger erkenntlich zu zeigen als anzunehmen war. Wie verschiedene Quellen nun berichten, hat sich das auf Vertrauen basierende Download-System auf der Website der Band kaum bewährt. Während eines Monats bot Radiohead dort ihr neues Album «In Rainbows» für einen von der Käuferschaft selbst zu bestimmenden Preis zum Download an. Zuerst vermeldete man grosse Erfolge: 1,2 Millionen Fans sollen sich das Album runtergesaugt haben. Doch angeblich sollen nur zwei von fünf Downloadern für das Werk tatsächlich etwas bezahlt haben. Im Schnitt seien so statt der erwarteten zehn Franken nur knapp drei Franken pro Album ausgegeben worden. Ein Erlös, der in etwa demjenigen entspricht, den die Band bei einer grossen Plattenfirma erhalten hätte. Dies zeigt vor allem eins: Eine Band wie Radiohead kann sich so etwas zwischendurch bequem leisten, aber als praktikable Lösung für unbekanntere Bands taugt die «name-your-own-price»-Taktik nicht. Die Band dementiert die Zahlen, weigert sich jedoch strikt eine Verkaufsstatistik zu veröffentlichen. Demnächst soll das Album auch in traditioneller Form in die Läden kommen. Dabei will es vorerst auch Oasis belassen. Nur über seine Leiche werde ihr neues Album umsonst erhältlich sein, betonte Liam Gallagher gewohnt deutlich. Gerade den von schwächelnden Verkäufen gebeutelten Gallaghers würde eine ähnlich clevere Marketing-Aktion allerdings gut tun.
