«Unsere Branche muss mehr Gehör finden»
Swissfilm Association hat an der Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt und eine neue Organisationsstruktur beschlossen. Werbewoche.ch spricht mit Geschäftsführerin Susann Vogel über die Veränderungen, ihren beruflichen Hintergrund und was sie auf den Verband zukommen sieht.

Werbewoche.ch: Die Swissfilm Association hat sich neu organisiert. Was ist die wichtigste Veränderung, die an der Mitgliederversammlung beschlossen wurde?
Susann Vogel: Es gibt keinen Präsidenten mehr. Peter Beck ist ja nach 17 Jahren zurückgetreten. Neu ist der Vorstand ein Gremium mit einem Vorsitz, der jährlich wechselt. Als Geschäftsführerin habe ich nun nicht mehr nur einen Ansprechpartner, sondern mindestens acht.
Das klingt nach einem grösseren Aufwand.
Es bedeutet sicher mehr Abstimmung und mehr Führung. Gleichzeitig ist es aber auch interessant und herausfordernd, und ich habe mehr Kompetenzen. In der Geschäftsstelle laufen künftig viele Fäden zusammen. Neben der Führung und Administration des Tagesgeschäfts werden wir Projekte managen. Die Aufträge dazu kommen von Mitgliedern und dem Vorstand. Wir generieren sie auch selber, wenn wir spüren, dass der Markt danach fragt.
Können Sie ein Beispiel dafür machen?
Greenproduction ist so ein Projekt. Es war absehbar, dass das Thema wichtig wird. Also haben wir eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich damit auseinandersetzt. Am Ende konnten wir den Mitgliedern eine Checkliste und einen Massnahmenkatalog präsentieren. Ein Projekt braucht immer auch ein Resultat. So wissen die Mitglieder, wofür das Geld ausgeben wurde. Struktur wird geschätzt, das weiss ich aus meiner Erfahrung als Projektleiterin.
Sie kommen eigentlich nicht aus der Branche. Was ist Ihr beruflicher Hintergrund?
Ich habe in St. Gallen Betriebswirtschaft studiert und viele Jahre in Managementfunktionen gearbeitet, vor allem in der Führung. Das liegt mir – ich liebe Menschen. Vor fünf Jahren habe ich entschieden, mich selbständig zu machen. Seither arbeite ich in verschiedenen Mandaten. Ich unterrichte an zwei Schulen, betreue ein Projekt in einem Lifestylehotel und habe das Mandat als Geschäftsführerin der Swissfilm Association.
Ein Mandat? Sie sind nicht angestellt?
Nein. Ich engagiere mich hundertprozentig für die Mitglieder und den Verband. Aber ich will mich nicht nur auf eine Seite konzentrieren. Ich habe das mit dem Vorstand geklärt, als ich für die Geschäftsführung vorgeschlagen wurde.
Wie sieht der Blick von aussen aus. Wie erleben Sie die Menschen in der Branche?
«Farbig» ist das Wort, das mir dazu in den Sinn kommt. Unsere Mitglieder sind kreativ, sie denken unternehmerisch – und sie sind zugänglich und hilfsbereit. Anders als die Branchen, die ich bisher gesehen habe.
Und was ist speziell an dieser Branche?
Es gibt ja keine Berufslehre für die Filmproduktion. Jetzt kommt die Digitalisierung dazu und beschleunigt die Segmentierung. Heute können alle mit dem Handy coole Filme drehen. Klar, das gilt für auch für andere Branchen. Aber hier dünkt es mich besonders geballt und schnell. Als Verband den Jungen gerecht zu werden, und das Know-how der Alteingesessenen zu bewahren, ist eine Herausforderung.
Welche Aufgaben kommen sonst noch auf den Verband zu?
Im Bereich der Mitglieder müssen wir schauen, dass der Bestand wächst und die Qualität hoch bleibt. Dann wollen wir als nationaler Verband zwingend Mitglieder in der Romandie und dem Tessin dazugewinnen. Und schliesslich die Politik: Sicherstellen, dass unsere Branche mit ihren Anliegen Gehör findet.
Was werden Sie besonders vermissen, wenn Peter Beck weg ist?
Ihn als Menschen. Seine Art zu denken, seinen Humor. Ich habe viel von ihm gelernt. Als ich bei der Swissfilm Association angefangen habe, hat er mich Mitgliedern anlässlich eines Besuchs vorgestellt. Auf den Autofahrten zu diesen Firmen hatten wir viel Zeit. Er hat dabei sein Wissen geteilt und ich habe ihn mit Fragen gelöchert. So wurde meine Liebe zu dieser Branche geweckt.
