Zu guter Letzt: Der kleine Unterschied
Die Chefposten in der Medienbranche haben meistens die Herren der Schöpfung inne. Und Journalistinnen verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen. Darüber regen sich nicht nur 1.-Mai-Aktivistinnen und -Aktivisten auf.
Hand aufs Herz: Wie viele Chefredaktorinnen bei Schweizer Publikationen können Sie aufzählen? Die Zahl wird überschaubar sein – denn die meisten Chefposten im Blätterwald sind von den Herren der Schöpfung besetzt. Die Ungleichheiten gehen noch weiter, wie Silvia Tschui von der Heute-Redaktion diese Woche festhielt: Ein Selbsttest auf einem Online-Portal hat ihr nämlich gezeigt, dass eine Redaktorin pro Monat 1’000 Franken weniger verdient als ein männlicher Kollege. Wenn der Online-Test vielleicht auch nicht repräsentativ ist, so bestätigt er doch die Ergebnisse, die auch grosse Umfragen immer wieder zu Tage fördern: Frauen verdienen weniger. Tschui ergriff die Gelegenheit, gleich mal in einem Kommentar im eigenen Blatt darauf hinzuweisen. Und nachzufragen, wie denn der oberste Chef zum Thema Gleichberechtigung steht: «Und, Herr Ringier, könnten Sie mir vielleicht mal bei Gelegenheit erklären, warum es in der Schweiz bloss drei Ringier-Chefredaktorinnen gibt?». Die – wohl eher rhetorische – Frage blieb bis anhin unbeantwortet, wie Tschui sagt. Sie sei auch nicht sauer auf ihren Boss. Sondern wollte mal auf die Lohnschere und die Männerlastigkeit aufmerksam machen. Statt öde Statistiken zu bemühen, griff sie zum Stilmittel des Kommentars. Zu denken gibt ihr, dass in der Medienbranche Kaderfrauen über 45 Jahren dünn gesät sind. Und noch mehr als das «Old Boys Network» bei Ringier schockiert sie der geschlechterspezifische Lohnunterschied in der Medienszene. Gut, dass das wieder mal jemand gesagt beziehungsweise geschrieben hat. Denn nicht nur am 1. Mai gilt: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss garantiert sein. Auch in der gebeutelten Medienbranche.
