Lebenslang lernen
Die Schweizer Hochschulen starten mit innovativen Marketing- und Kommunikationsweiterbildungen ins neue Jahr. Dabei reicht die Angebotspalette von «Customer Psychology» über «Wissenschaftliche Kommunikation in den sozialen Medien» bis hin zu «Augmented and Virtual Reality».

Die Nachfrage nach Weiterbildungsprogrammen an den Schweizer Fachhochschulen und Universitäten bleibt trotz der Pandemie hoch. In den vergangenen zwei Jahren war jedoch eine hohe Flexibilität gefragt: Dozierende und Studierende mussten sich immer wieder auf neue Unterrichtssituationen und Schutzmassnahmen einstellen. Zeitweise fanden Veranstaltungen nur virtuell statt, dann wieder im Wechsel vor Ort und digital. Diese Anpassungen hatten nicht nur Nachteile. «Nach fast zwei Jahren Pandemie haben wir gelernt, dass die digitale Lehre das Studium in Präsenz nicht ersetzen, aber durchaus erweitern kann», sagt Saverio Genzoli, Sprecher an der Hochschule Luzern (HSLU). Die rasche Umstellung auf Onlineunterricht habe zu einem sehr schnellen Lernprozess geführt. Zudem hätten in der ersten Welle viele Unternehmen und Mitarbeitende festgestellt, dass sie gerade im digitalen Marketing oder in der internen Kommunikation ihr Wissen erweitern beziehungsweise aktualisieren müssen. Innerhalb der Hochschulen sei die Umstellung gewaltig gewesen, bei der Organisation und Durchführung von Onlineunterricht habe man wertvolle Erfahrungen sammeln können. Die Weiterbildungsteilnehmenden hätten sich in den letzten zwei Jahren zudem an Onlineformate gewöhnt und sähen auch die Vorteile darin. Klar sei, dass es immer wieder Situationen geben werde, in denen digitale Lehre sinnvoll eingesetzt werden könne – selbst nach Corona. Klar sei jedoch auch, dass ein gesicherter Präsenzbetrieb klare Vorteile für die Aneignung von neuem Wissen habe, die sich nicht ersetzen liessen. Die dauerhafte Mischung beider Formate werde künftig die Weiterbildung prägen, erklärt Genzoli.
«Man sollte sich fragen, was man am liebsten lernt und wie die Weiterbildung zeitlich gestaltet werden soll.»
Aktuell bieten viele Schweizer Hochschulen ihre Programme in hybriden Formaten an, m&k hat eine Auswahl der innovativsten Weiterbildungsangebote im Bereich Marketing und Kommunikation zusammengestellt:
Universität Basel
Ein erfolgreiches und bewährtes Programm der Universität Basel ist der MAS Marketing Management und Business Development, der im Frühjahr 2022 erneut startet. Der MAS wird berufsbegleitend durchgeführt und vermittelt ein Portfolio an fundierten Kenntnissen, Know-how und vielfältigen Anwendungserfahrungen. Die aktive Teilnahme an den Lernprozessen im MAS Marketing Management und Business Development verstärkt die Fähigkeiten zum konzeptionellen und strategischen Planen und Handeln und verbindet diese mit den umsetzungsorientierten Überlegungen für eine nachhaltige Gestaltung und Optimierung der vielfältig miteinander gekoppelten Aktivitäten für die Gewinnung und Entwicklung von Geschäftsfeldern und Märkten, in der Marktbearbeitung und für die Kundengewinnung.
Ausserdem bietet die Universität unter dem Titel «Wissenschaftliches Werkzeugwissen» verschiedene Kurse an, unter anderem Wissenschaftliche Kommunikation in den Social Media. Dieser Weiterbildungskurs gibt anhand von praktischen Übungen eine Einführung in die Wissenschaftskommunikation in den sozialen Medien und liefert praktische Tipps und Tricks, wie relevante Netzwerke sinnvoll genutzt werden können.
hwz Hochschule für Wirtschaft Zürich
Der Studiengang CAS Business Creation & Marketing Strategy ist Teil des MAS Marketing Excellence an der HWZ und setzt im Marketing den Fokus auf digitale Kanäle und Massnahmen, die auch bereits mit kleinen Budgets und innert kürzester Zeit Erfolge versprechen. Der Studiengang richtet sich an Personen, die im Rahmen dieses CAS alle Schritte an einem realen Produkt oder einer Dienstleistung erarbeiten und umsetzen möchten.
ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Die ZHAW School of Management and Law bietet das CAS Marketing Management für KMU & Start-ups, welches den Teilnehmenden die nötigen Kompetenzen vermittelt, um das Marketing in KMU und Jungunternehmen erfolgreich zu gestalten. Dabei handelt es sich nicht um eine Weiterbildung im klassischen Sinn, da die Studierenden über den gesamten Lehrgang hinweg an einem Unternehmens-Case arbeiten – von der Analyse über die Entwicklung bis hin zur Umsetzung einer eigenen Marketing-Roadmap. Weiter gibt es an der School of Management and Law das CAS Customer Centric Transformation, im Rahmen dessen die Teilnehmenden lernen, was es braucht, um ein Unternehmen beziehungsweise eine Organisation kundenzentriert zu gestalten. Der Lehrgang vermittelt, wie die Transformation eines Unternehmens entlang den Kundenbedürfnissen ausgerichtet werden kann.Das Departement Angewandte Linguistik lancierte letztes Jahr das CAS Innovation im Journalismus, das gemeinsam mit dem MAZ Luzern angeboten wird. Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Wandels von Technik, Mediennutzung und Berufsrollen vermittelt dieser Lehrgang neue Kompetenzen im journalistischen Prozess der Themenfindung, Recherche, Aufbereitung, Vermittlung und Interaktion. Weiter ist am Departement ein neues CAS-Programm für Ein- und Umsteigerinnen in den Bereich PR/Unternehmenskommunikation geplant, das die bestehenden CAS-Programme für etablierte Kommunikationsprofis ergänzen soll, wie beispielsweise das CAS Digitale Transformation oder das CAS Community Communication.
Fachhochschule Graubünden
Neben dem weiterhin sehr neuen und entsprechend aktuellen CAS Augmented and Virtual Reality sind die Zertifikatsangebote CAS Digital Communication Excellence und CAS Urban Forestry sehr beliebt. Das CAS Digital Communication fokussiert darauf, die Möglichkeiten der digitalen Transformation als Teil der Leadership-Strategie gekonnt zu planen, einzusetzen und zu verantworten. Das CAS Urban Forestry richtet sich an Teilnehmende, die städtische Lebensräume nachhaltig gestalten und den integrativen Blick auf die urbane Entwicklung und das Management des urbanen Ökosystems schärfen wollen.
Ein Weiterbildungsklassiker ist die Journalismusausbildung IMK-Lehrgang Medien. Das jüngste Kind im Bereich Marketing und Kommunikation an der FH Graubünden ist das CAS Mindful Communication and Innovation, das ab Herbst 2022 angeboten wird.
Hochschule Luzern
Verstehen, wie Kundinnen und Kunden ticken und was sie bewegt, steht im CAS Customer Psychology im Zentrum. Dabei geht es darum, psychologische Prozesse zu erfassen und in Marketing und Kommunikation zu nutzen. Kundenzentrierung und die gezielte Analyse von Daten sind ein zentrales Element des HSLU-Weiterbildungsangebots. Im Herbst 2022 folgen neue Programme in den Bereichen strategisches Content Marketing, Marketing Automation und Customer Experience Management, die dieses Kundenverständnis für die Herausforderungen der zweiten Digitalisierungswelle erschliessen. Alle Angebote sind darauf ausgerichtet, Orientierung zu bieten, methodische Sicherheit zu vermitteln und durch professionelle Begleitung bei der Konzeption und Implementierung eigener Veränderungsvorhaben zu unterstützen.
Licht im Weiterbildungs-Dschungel
Das aktuelle Weiterbildungsangebot ist breit gefächert. Wie findet man das passendste Programm für die persönlich angestrebte Karriere? Die Weiterbildungsexperten der Schweizer Hochschulen raten dazu, an Weiterbildungs-und Absolventen-Messen teilzunehmen sowie das Gespräch mit Berufsberatern und Berufsverbänden zu suchen. Wichtig seien ausserdem persönliche Netzwerke, direkte Empfehlungen aus dem Arbeits- und Freundeskreis, Werbung in sozialen Medien und Fachzeitschriften sowie Erfahrungswerte von Berufskollegen. Zudem sollte man sich selbst die Frage stellen, wo die persönlichen Interessen lägen, was man am liebsten lerne und wie die Weiterbildung zeitlich gestaltet werden soll.Auch die Hochschulen selbst sind gute Anlaufstellen und bieten auf ihren Websites entsprechende Suchmöglichkeiten. So hat beispielsweise die Hochschule Luzern (HSLU) kürzlich einen Weiterbildungskonfigurator aufgeschaltet, der eine erste Auswahl erleichtern soll, wenn jemand ganz am Anfang der Entscheidungsfindung steht (www.hslu.ch/de-ch/hochschule-luzern/weiterbildung/weiterbildungs-konfigurator/#/). Andere Fachhochschulen und Universitäten verfügen über ähnliche Tools.Ausserdem bieten die Hochschulen Info-Veranstaltungen sowie individuelle Beratungsgespräche mit den Studienleitern für Interessierte. Dies ist besonders bei der richtigen Wahl von CAS-Programmen zentral, weil dabei individuell auf die persönliche und berufliche Situation sowie Bedürfnisse und Erwartungen eingegangen werden kann.Für Kandidaten, die bereits wissen, was für eine Weiterbildung sie suchen, kann eine Internetrecherche zielführend sein. Für systematisches Suchen existieren Weiterbildungsdatenbanken, beispielsweise www.swissuni.ch/swissuni-datenbank/ (für universitäre Weiterbildungen) oder www.bildungspool.ch (übrige Weiterbildungen).
