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Selbst wer sich an Weltuntergangs-Szenarien aus der US-Zeitungsbranche gewöhnt hat, wird erst einmal tief Luft holen: Von den 8 Milliarden Dollar, die die Tribune Co. zur Jahrtausendwende aufgewendet hat, um sich Times Mirror und damit die Los Angeles Times in ihren Konzern einzuverleiben, mussten dieser Tage 3,8 Milliarden Dollar abgeschrieben werden.

Selbst wer sich an Weltuntergangs-Szenarien aus der US-Zeitungsbranche gewöhnt hat, wird erst einmal tief Luft holen: Von den 8 Milliarden Dollar, die die Tribune Co. zur Jahrtausendwende aufgewendet hat, um sich Times Mirror und damit die Los Angeles Times in ihren Konzern einzuverleiben, mussten dieser Tage 3,8 Milliarden Dollar abgeschrieben werden. Die New York Times – eines der wenigen Blätter, die jenseits des Atlantiks die Berichterstattung über die Medienbranche und den Journalismus noch pflegen – hat vor kurzem vorgerechnet, wie sich die Börsenwerte von Zeitungshäusern entwickelt haben, denen man einmal nachgesagt hatte, sie seien die ¬einträglichste legale Geldanlage direkt nach den Spielcasinos.
Die grossen Konzerne haben dramatisch an Marktwert verloren. Die Washington Post Co. 24 Prozent seit Beginn des Jahres 2008, die New York Times Co. 26 Prozent und der grösste Zeitungskonzern der USA, Gannett, 52 Prozent. Bei vielen anderen börsen¬notierten Verlagshäusern sind Rückgänge der Notierungen von 50 bis 70 Prozent in den letzten ein bis zwei Jahren an der Tagesordnung. Und es gibt noch drastischere Fälle. So ist die Marktkapitalisierung der Journal Register Company, die den New Haven Register und Hunderte kleinerer Zeitungen herausgibt, im ¬August 2008 auf eine Million Dollar gesunken. Die Papiere haben damit seit Anfang des Vorjahres 99 Prozent ihres Wertes eingebüsst. Im selben Zeitraum hat GateHouse Media, ein anderes Verlagshaus, das Hunderte kleiner Lokalblätter herausgibt, nahezu 98 Prozent seines Börsenwertes verloren und notiert jetzt noch mit einem Marktwert von 26 Millionen Dollar. Die Sun-Times Media Group in Chicago notiert 91 Prozent niedriger als im Januar 2007. Ihr Aktienkapital wird derzeit mit 34 Millionen Dollar bewertet.
Die Börsianer mögen sich nun fragen, ob das Kaufkurse sind – und befinden sich damit gewiss in guter Gesellschaft einer Vielzahl branchenfremder Inves¬toren, die «jetzt oder nie» darüber nachdenken, diese Gelegenheit zu nutzen. Andere, die an Synergie-Effekte und ihre eigenen überlegenen Management-Talente geglaubt haben mögen – wie etwa Sam Zell in den USA und David Montgomery in Europa –, haben sich allerdings bereits blutige Nasen geholt. Weshalb auch wir besser an dieser Stelle auf den todsicheren Geldanlage- oder Geldvernichtungs-Tipp im Sommerloch verzichten.
Stattdessen möchten wir heute aus gegebenem Anlass – die Olympiade geht ja gerade zu Ende – an Al Neuharth erinnern. Er war sozusagen der Marathon¬läufer und Goldmedaillengewinner im amerikanischen Zeitungsgeschäft des ausgehenden 20. Jahrhunderts: Über viele Jahre hinweg hat er Gannett von Quartal
zu Quartal zu neuen Erfolgen geführt und innerhalb von zwei Jahrzehnten aus dem von ihm gegründeten ¬gehobenen Boulevardblatt USA Today die auflagenstärks¬te US-Zeitung gemacht – übrigens mit erstklassiger Sportberichterstattung.
Vorsorglich hat der Optimist und Lebemann ¬Neuharth allerdings vor zwanzig Jahren auch den Weltuntergang schon einmal durchgespielt – und sich ausgemalt, mit welchem Aufmacher die führenden US-Zeitungen unmittelbar zuvor darüber berichten würden. Seine Schlagzeilenversionen: New York Times: ‹Weltuntergang – Länder der Dritten Welt am stärks¬ten betroffen›; Wall Street Journal: ‹Weltuntergang – Dow Jones Index sackt auf Null-Marke›; Washington Post: ‹Weltuntergang – Aus Regierungskreisen verlautet: Weisses Haus hat Frühwarnungen ignoriert›; USA Today: ‹Wir sind alle tot! Allerletzte Sportergebnisse S. 6›. Der Scherz mag unter den heutigen Bedingungen makabrer klingen als zu dem Zeitpunkt, als Neuharth ihn erfunden hat. Sollte er indes zu heiterer, sommerlicher Gelassenheit im Umgang mit den Szenarien vom Exodus unserer Tageszeitungen verleiten, erfüllte er auch im Olympiajahr 2008 noch seinen Zweck.

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Ein Ende ohne Schrecken

Ein Ende ohne SchreckenDie von Politikern und Medienfachleuten unisono verbreitete Sorge, das grösste Medienhaus der Schweiz könnte zu einer Filiale des Axel-Springer-Verlages werden, ist vom Tisch – und damit auch Michael Ringiers Vision eines deutsch-schweizerischen Grossverlages: Beide Parteien haben in Freundschaft die Fusionsverhandlungen beendet.Zu viel sprach dagegen. Die einmalige Chance, sich bei Springer beteiligen zu können, kam
zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn mit der Borer-Affäre hatte man an der Zürcher Dufourstrasse kurz vorher demonstriert, was passieren kann, wenn Leute an die Spitze kommen, die Eigenarten und Empfindlichkeiten ihres Publikums nicht kennen. Ein Herausgeber muss immer auch ein wenig in der Welt seines Publikums verwurzelt sein.
Und schon gar kein Argument war die schiere Unternehmensgrösse, die mit dem neuen, grenzüberschreitenden Verlagsriesen Wirklichkeit geworden wäre. Weshalb sollte Michael Ringier ohne erkennbare Not die Eigenständigkeit seines Unternehmens aufgeben und sich mit der Rolle eines Minderheitsaktionärs begnügen? Es gibt schlicht keinen plausiblen Grund für diesen Schritt.
Trotz Erleichterung über den geplatzten Springier-Deal und die abgewendete «Fremdherrschaft» über ein Schweizer Medienunternehmen muss man selbstkritisch festhalten, dass auch viel Heuchelei im Spiel war. Auch Schweizer Medienunternehmen engagieren sich jenseits der Schweizer Grenze. Sowohl Ringier als auch die Westschweizer Edipresse sind intensiv in Auslandmärkten aktiv – mit zum Teil dominierenden Marktpositionen. Daran hatten sich auch jene Politiker nie gestört, die lauthals gegen die Fusionsgespräche wetterten, wie der Verleger der HandelsZeitung, Ralph Büchi, in der nebenstehenden Umfrage zu Recht feststellt. Doch auch er dürfte jetzt persönlich erleichtert sein, dass er mit Ringier nicht unter das gleiche Verlagsdach kommt. Denn damit wird auch die – bereits angekündigte – Zusammenarbeit zwischen HandelsZeitung und Cash hinfällig. Daniel Schifferle

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