Foto «etwas unglücklich gewählt»: Aldi Suisse verärgert Waadtländer Winzer

Mit dem Foto eines Waadtländer Weinbaugebietes warb Aldi Suisse für ausländischen Discountwein. Die Aktion stösst den Westschweizer Weinbauern sauer auf.

aldi-suisse

Das rund 800 Hektaren grosse Weinbaugebiet Lavaux – gelegen zwischen Lausanne und Vevey – ist seit 2007 UNESCO-Welterbe. Die ansässigen Winzer sind stolz auf ihre Weinberg-Terrassen oberhalb des Genfersees. Und waren laut 20 Minuten entsprechend erstaunt, als sie ihr Idyll in der vergangenen Ausgabe der Aldi-Woche, dem wöchentlichen Prospekt des Discounters Aldi Suisse, entdeckten. Der Grund für die Empörung: Auf der Seite, auf der das Foto platziert ist, wird nicht etwa für Wein aus Lavaux oder zumindest aus der Schweiz geworben, sondern für italienischen Billigstwein für 3.15 Franken pro Flasche.

Die Verwendung des malerischen Fotos stösst den einheimischen Winzern insofern sauer auf, als dass sie ohnehin schon lange wegen des Preisdrucks mit der Konkurrenz aus dem Ausland zu kämpfen hätten, erklärt Weinbauer Alexandre Fischer gegenüber 20 Minuten. Dass Aldi das Foto ohne zu fragen verwende, um damit Werbung für Weine aus Italien zu machen, sei «völlig daneben», unfair und auch eine Irreführung der Konsumenten.

 

SKS spricht von «perfider Werbung»

Diese Einschätzung  Fischers wird von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) gestützt. Geschäftsleiterin Sara Stalder spricht von «perfider Werbung» und von «Irreführung» der Kunden. Durch die prominente Platzierung werde klar Schweiz suggeriert. Um die wahre Herkunft des gezeigten Weines zu ermitteln, müsse man gut hinschauen – auch wenn diese in der Produktbeschreibung deklariert sei. Laut Stalder ein Fall für die Lauterkeitskommission (SLK).

Diese gibt wie immer keine konkreten Einschätzungen zu Fällen ab, die nicht offiziell beanstandet und geprüft wurden. Sprecher Thomas Meier sagt gegenüber 20 Minuten aber, es gälte im vorliegenden Fall zu klären, ob der Durchschnittskonsument durch das Bild zur falschen Annahme verleitet werde, es handle sich beim Angebot um Schweizer Wein. Entscheidend sei der Gesamteindruck. Eine Beschwerde sei bisher nicht eingereicht worden.

 

«Etwas unglücklich gewählt»

Von der Zeitung auf die beanstandete Verwendung des Bildes angesprochen, räumt Aldi Suisse Fehler ein. Die Bildwahl sei in Verbindung mit den beiden italienischen Weinen «etwas unglücklich gewählt», sagt ein Sprecher. Das Foto sei als Symbolbild gedacht gewesen – man werde diesen Aspekt künftig besser berücksichtigen. Verärgern habe man niemanden wollen. Vom Werbekontext einmal abgesehen, dürfe Aldi das Foto zudem unbegrenzt verwenden: Es stamme aus einem Fotoshooting von 2018 und das Unternehmen verfüge über die Rechte. Vermutlich ein schwacher Trost für die lokalen Winzer.

More articles on the topic