Wo liegt der Unterschied?

Medial gesehen bewegen zurzeit zwei Dinge die Schweizer Bevölkerung: Auf der einen Seite delektiert sich das Bildungsprekariat an «MusicStar». Auf der anderen Seite empören sich die eher gebildeteren Stände über das UBS-Debakel. Werbewoche-Chefredaktor Pierre C. Meier über mediale Aufgeregtheiten.

Medial gesehen bewegen zurzeit zwei Dinge die Schweizer Bevölkerung: Auf der einen Seite delektiert sich das Bildungsprekariat an «MusicStar». Obwohl die Quoten im Vergleich zur letzten Staffel im Keller sind, liefert die als Talentshow konzipierte Gaga-Sendung immer noch Stoff für unzählige Artikel in der einschlägigen Presse. Jeder Furz und jede Äusserung, sei sie noch so jenseitig oder blöd, komme sie von Seiten der Jury oder der Teilnehmer, wird begierig aufgenommen, kommentiert und entweder gedruckt oder ins Netz gestellt. Jede Abwahl oder Nichtabwahl wird zum Thema. Dies wiederum gibt einer breiten Schicht von Mediennutzern die Möglichkeit sich aufzuregen, es gut zu finden – oder es zu verdammen. User-generated-content, was will man mehr.
Auf der anderen Seite empören sich die eher gebildeteren Stände über das UBS-Debakel. Hier muss man unterscheiden zwischen der Vermittlung der eigentlichen Fakten und der weitergehenden Aufbereitung des Themas mittels Vermutungen und Hypothesen. In diesem zweiten Bereich funktioniert die UBS-Krise wie «MusicStar». Auch hier werden alle Äusserungen von selbsternannten Spezialisten, scheinbaren Experten und angeblichen Insidern von den Medien zuerst einmal iniziiert und dann genüsslich ausgebreitet. In unzähligen Diskussionen und Talk-Runden wird das Thema unter dem Vorwand der angeblichen Vertiefung auch von nichtsahnenden Politikern zerredet, analysiert und kommentiert. Auch hier kocht in unzähligen Leserbriefen und Kommentaren im Online und im Print die Volksseele.
Wo, bitte, liegt der Unterschied?

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