Das Ende von «Schawinski» gibt zu reden

Von «planlos» bis «versöhnlich»: Die Absetzung der Talkshow «Schawinski» wird in der Sonntagspresse rege diskutiert.

schawinski

Dass am Freitag kommuniziert wurde, dass «Schawinski» dem Rotstift zum Opfer fällt, geht auf Recherchen des SonntagsBlick zurück. Die Zeitung hatte bereits am Dienstag von der Absetzung erfahren und SRF-Direktorin Nathalie Wappler Fragen zu Roger Schawinski geschickt – SRF reagierte mit einer Medienmitteilung am Freitag.

Die Zeitung stellt die Massnahme in Frage. «Grösstenteils planlos und hektisch vorgenommen» würden die Sparbemühungen am Leutschenbach wirken, schreibt der SonntagsBlick. SRF müsse 2020 16 zusätzliche Millionen sparen – die Sendung «Schawinski» koste aber bloss 15’000 Franken pro Woche. «Man spart also nicht viel mit seiner «Entsorgung» und holt sich bloss ein bisschen Applaus bei seinen renitenten Gegnern», kritisiert der SonntagsBlick. Von «Sparhektik» ist die Rede, viele Mitarbeitenden würden um ihre Sendungen bangen.

 

Versöhnlicher Abgang

Die Schweiz am Wochenende bezeichnet das Ende als «Abschied der Versöhnung». Der langjährige SRG-Kritiker Schawinski zeige sich aufgrund des grossen Spardrucks verständnisvoll. Für eine vorzeitige Absetzung Schawinskis hätte es vorher andere Gründe gegeben – etwa die Rüge des Ombudsmannes wegen der Verletzung der «Menschenwürde» seines Talkgastes Salomé Balthus. Nun werde Schawinski zum «Opfer des Rotstifts» – und kann versöhnlich von der TV-Bühne abtreten.

Die NZZ am Sonntag schreibt, es sei am Leutschenbach ein offenes Geheimnis, dass Chefin Wappler und andere SRF-Kader keine Fans der Sendung seien. Der Vorwurf: Schawinski stelle sich selbst zu stark in den Mittelpunkt und mache so die Sendung zu wenig ergiebig. Seitens der Angestellten werde Schawinski vorgeworfen, er ginge zu wenig auf Feedback ein und habe die Haltung, er wisse selbst am besten wie’s gehe.

 

Spardruck als Grund verhindert Nachfolge

Die NZZ am Sonntag wirft Wappler vor, SRF ein Ei gelegt zu haben mit der Sparzwang-Begründung. Diese verhindere, dass man eine Nachfolge-Sendung lancieren könne, obwohl es sich um ein klassisches Fernsehformat handle.  «Es ist schwer verständlich, wieso ein Service-public-Sender auf ein solches Format verzichtet», schreibt die Zeitung.

Die SonntagsZeitung schreibt, der Bekanntgabe-Zeitpunkt sei der «Worst Case» für Schawinski. Dieser habe die Absetzung seiner Sendung Ende Oktober gleichzeitig mit einem neuen Projekt verkünden wollen. «Ob es ein Radio-, ein TV- oder ein anderes Projekt war, ist unklar», schreibt die SonntagsZeitung. Die NZZ am Sonntag hingegen scheint die Antwort zu kennen und beruft sich dabei aus Quellen «auf den Gängen des Leutschenbachs»: Schawinski habe ein Engagmenet an einer Universität in Aussicht, möglicherweise in den USA. Dass er – wie in der Medienbrache gemunkelt – mit 74 nochmals einen TV- oder Radiosender übernehmen wolle, stimme nicht.

Einig ist man sich, dass der Zeitpunkt – ausgelöst durch Blick-Recherchen – für Schawinski unglücklich lief. «Statt als Held, der selbst mit 74 Jahren noch von Projekt zu Projekt hechtet, steht er nun als einfaches Sparopfer dar», schreibt die SonntagsZeitung.

 

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