Sprachassistenten-Studie: «Marketing-Branche steht vor Revolution»

Zurückhaltung ist nicht die Sache der Analysten beim amerikanischen Tech-Consulter Capgemini. Sprachassistenten wie Apples «Siri», Googles «Alexa» oder Amazons «Echo», so geben sie in einer neuen Studie bekannt, würden die Marketing-Branche in naher Zukunft nicht «nur» verändern. Nein: Eine regelrechte Revolution stehe bevor. Wie gelangen sie zu dieser Einschätzung? Und was bedeutet das für Unternehmen – und Endverbraucher – in der Schweiz?

Eine völlig neue Art der Interaktion

Die Capgemini-Studie zeigt: Verbraucher entwickeln eine starke Präferenz für die Interaktion mit Unternehmen über Sprachassistenten. Weltweit gaben rund ein Viertel (24 Prozent) der mehr als 5000 Befragten an, lieber einen Sprachassistenten als eine Website zu benutzen. In den nächsten drei Jahren dürfte dieser Anteil auf bis zu 40 Prozent steigen.Knapp jeder Fünfte (18 Prozent) gab an, dass er lieber den Sprachassistenten konsultiert, als in den Laden oder die Bankfiliale zu gehen. Damit holen sich die Kunden aus eigenem Antrieb – und vor allem aus Bequemlichkeit – die Unternehmen «ins Haus». So entsteht gemäss der Studie ein «more instinctive way for consumers to engage with brands».

«Boundary-less commerce»

Das Einkaufen ist damit nicht mehr auf ein Ladengeschäft oder eine Website beschränkt: Schrankenlose Kommerzialisierung, so genannter «boundary-less commerce», hält Einzug. In den USA gibt es bereits konkrete Beispiele dafür: Mehr als vierzig grosse Warenhäuser (darunter Marktführer wie Walmart, Target und Costco) partizipieren laut Capgemini an einem Projekt, das via «Google Home» Bestellungen über sprachliche Befehle ermöglicht.Sie profitieren davon, dass Kunden im häuslichen Umfeld entspannter und grosszügiger Geld ausgeben – und etwa Lebensmittel unmittelbar nachordern wollen, wenn diese ausgehen. Die Firmen, die am einfachsten mit dem Sprachassistenten angesteuert werden können, machen also das Geschäft.Concept of home intelligent voice activated assistant with voice command icons. 3D rendering concept of hi tech futuristic artificial intelligence speech recognition technology.

Die Nutzer: Relativ jung, relativ wohlhabend

Der Capgmenini-Report zeigt auch, dass Sprachassistenten unter 33- bis 45-Jährigen am beliebtesten sind. Oft sind es Menschen, die Technologie ohnehin schon als Teil ihres Alltags betrachten und sich von der Verwendung eines Sprachassistenten Entlastung versprechen. Ausserdem sind die typischen User relativ zahlungskräftig: Etwa ein Fünftel der Befragten gaben an, über ein jährliches Brutto-Einkommen von mehr als 100.000 US-Dollar zu verfügen.

Chancen auch für Schweizer Unternehmen

Natürlich befinden sich Sprachassistenten noch in einem frühen Entwicklungsstadium – vor allem, was die Verknüpfung mit E-Commerce angeht. Für ein wirklich intuitives Nutzererlebnis in der Schweiz müssten sie etwa lernen, Mundart zu verstehen. Eine Anpassung an sprachliche Spezifika ist aber technisch möglich: Die «word accuracy rate» von Amazons «Alexa» beispielsweise stieg zwischen 2013 und 2017 um mehr als 20 Prozent. Davon profitieren aktuell vor allem Menschen, die Englisch sprechen (wenn man so will die Muttersprache von «Alexa»). Das zeigt jedoch, dass sich die zu Grunde liegenden Erkennungsverfahren verfeinern lassen.Auch deshalb müssen sich Marketing-Profis in der Schweiz bereits jetzt Gedanken darüber machen, wie sie Sprachassistenten in ihre Verkaufskonzepte einbinden könnten. Wenn sie warten, bis sich die Technologie in der Breite etabliert hat, nehmen sie sich selbst die Chance von erheblichen Wettbewerbsvorteilen.

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