Werbung am Zürifäscht
ZÜRICH-FEST Alle drei Jahre findet das grösste Schweizer Fest statt, wo sich über zwei Millionen Besucher um das Zürcher Seebecken sammeln. Roland Stahel, Geschäftsleiter Verein Zürcher Volksfeste, über das «Zürifäscht» und welche Rolle das Sponsoring dabei spielt.

Das Zürifäscht 2013. MK Herr Stahel, keine Veranstaltung hat so eine lange Sponsorenliste wie das Zürifäscht, was macht es so besonders?ROLAND STAHEL Es ist genau umgekehrt. Wir haben eigentlich wenig Sponsoren. Aber wir haben viele Partner – also ungefähr 135 Festwirtschaften. Diese laden ihre Sponsoren ein, um auf ihrem Platz ein Unterhaltungsprogramm oder eine andere Attraktivität zu veranstalten. So wirken diese indirekt mit. Da wir die Regelung haben, alle, die etwas zum Zürifäscht beitragen, aufzulisten, findet man diese dann auch auf unserer Website. Effektiv ist es so, dass wir zu gross und zu «Gemischtwarenladen » sind, um viele Sponsoren anzuwerben. Denn diese lieben Strukturen und richten sich meist auch an eine bestimmte Zielgruppe.MK Welche Sponsoren sprechen Sie denn an?STAHEL Attraktiv sind wir vor allem für Grossverteiler und Kommunikationsunternehmen, weil wir ihnen sehr viele Kontakte einbringen. 2013 hatten wir über zwei Millionen Besucher.MK Wie sehen die Sponsoring-Angebote aus? STAHEL Die Unternehmen haben zum Beispiel die Möglichkeit, eines der beliebten Feuerwerke zu sponsern. Dafür sind wir zielgerichtet vorgegangen. Mit diesen Firmen haben wir dann bestimmte Angebote ausgehandelt. Es ist nämlich etwas anderes, wenn eine Bank oder ein Grossverteiler beispielsweise das Kinder- und Familienfeuerwerk sponsert. So individuell, wie die Unternehmen sind, müssen auch die Leistungen sein. Eine weitere Herausforderung ist, die Sichtbarkeit zu gewährleisten. Diese ist bei uns leider nur beschränkt ausführbar. Durch das Werbeverbot in der Stadt Zürich für Tabak- und alkoholische Produkte, wird der Sponsoringauftritt zusätzlich erschwert. Dann eine Gegenleistung zu definieren, ist schwierig.MK Das Zürifäscht hatte auch schon einen Hauptsponsor?STAHEL Richtig. Im 1998 feierte Zurich ihren 125. Geburtstag. Zu diesem Anlass schenkte die Versicherung den Zürifäscht-Besuchern die beiden Feuerwerke. Seitdem haben wir aber keinen Hauptsponsor mehr. Auch aufgrund dessen, dass vor allem die Banken und Versicherungen keine explosiven Sachen sponsern dürfen.MK Welche Auswirkungen hat dies auf die zukünftigen Feste?STAHEL Die Folge davon ist, dass wir in diesem spezialisierten und komplexen Sponsoringbereich noch bessere Pakete anbieten und erfolgreicher agieren müssen. Für das Fest 2019 haben wir geplant, Fachleute hinzuzuziehen, welche uns dabei beraten, eine Sponsoring-Strategie zu entwickeln, welche uns ermöglicht, bessere massgeschneiderte Pakete für die vielen verschiedenen Bedürfnisse zu schaffen.MK Und wie sieht Ihre Marketingstrategie aus?STAHEL Wir halten unsere Werbemassnahmen auf Sparflamme. Ganz einfach, weil wir ein Luxusproblem haben: die vielen Besucher. Wenn man heute hört «Es isch Zürifäscht», dann weiss man, was einen erwartet. Der Name ist zum Programm geworden. Mit dieser Mundpropaganda und den Medien, die darüber berichten, sind wir zufrieden. So unternehmen wir keine weiteren Versuche, noch mehr Leute nach Zürich ans Fest zu bringen. Wir sind schon an der obersten Grenze, und um diese nicht zu überschreiten, sind sogar Massnahmen geplant, innerhalb des Festes mehr Platz für die Besucher zu schaffen.MK Was sind das für Massnahmen?STAHEL Die Zürifäscht-App zum Beispiel. Letztes Jahr hatten wir mit 70 000 Downloads grossen Erfolg damit. Und für dieses Jahr wollen wir diese Zahl verdoppeln. Die App soll noch moderner werden und nicht nur als Informationsplattform dienen, sondern gleichzeitig ein Mittel sein, um die Menschenmasse mitzuverfolgen. Anhand GPS werden die App- Nutzer getrackt. Wir wissen also, wo sich die meisten aufhalten. Damit können wir den Nutzern Push-Nachrichten senden, um diese vor der Masse zu warnen, und schlagen gleichzeitig eine alternative Route vor. Wir wollen mit der App einen Mehrnutzen für den Besucher schaffen, sich freier bewegen zu können.Autorin: Melanie Granados
