Köpfe der Woche: En garde! Zukunft gestalten
In der Sage sind Musketiere «Helden, die für das Gute kämpfen». Und auch in der heutigen Realität der Wirtschaft wollen Irene M. Wrabel und Michael Egloff von den Musqueteers, Kompanie für Kommunikation in Zürich, zukunftsfähige Werte und neue eigenständige Blickweisen propagieren statt nur Konsum und Wachstum fördern.
Keiner weiss, wie es in den kommenden Jahren weiter geht. Fast alle Zukunftsentwürfe sind Fortschreibungen der Vergangenheit. Das heisst ökonomisch: nicht finanzierbar, und ökologisch: nicht tragbar. Wir verstehen Kommunikation aber als lustvollen Beitrag zur Zukunftsgestaltung. Die Aufgabe der Kommunikation wird noch viel stärker darin liegen, Energien zu wecken und Inspiration zu geben – und genau das wollen wir.» Diesem Credo haben sich die modernen Musqueteers für ihren aktuellen Feldzug verschrieben.
Die Welt ihrer Kunden verständlich und attraktiv zeigen, neue Erkenntnisse und Zusammenhänge in Sprache und Gestaltung sichtbar und plausibel machen – das ist nicht nur das Ziel von Information Design, wie es bei den Musqueteers gestaltet wird, das ist auch die Aufgabe von Branding respektive Corporate Identity, der Basiskompetenz der Musqueteers. Neben den designbasierten Disziplinen stehen die verbale Kommunikation mit Strategie- und Konzeptentwicklung und -realisierung sowie die klassischen PR-Aufgaben wie Media Relations, Crisis Communication und Verfassen von Texten auf der Angebotsliste. «Wir gestalten Beziehungen», lautet ihr Slogan. Zu den wichtigsten Kunden gehören aktuell British Airways und Hitachi Data Systems ebenso wie ein Architekturbüro, ein Occasionshändler und ein Weiterbildungsprojekt des Kantons Zürich. Um eine derartige Bandbreite von Kommunikationsaufgaben zu lösen, können die Musqueteers auch auf eine entsprechend vielseitige Vergangenheit bauen.
Michael Egloff hat in Zürich Sinologie, Philosophie und Ethnologie studiert. Fast wäre es anders gekommen. «Mit 16 Jahren wollte ich ein Austauschjahr in den USA machen, aber das klappte nicht.» So folgte statt der Reise in die weite Welt eine Innenreise in die Welt der Literatur. Egloff entdeckte die Faszination der ostasiatischen Kulturen, begann Zen zu lesen und fühlte sich schliesslich im China 300 vor Christus ziemlich zu Hause. Die Alltagsrealität im modernen China war dann allerdings ernüchternd. Und weil er sich nicht für die schnellen Geschäfte rund um die boomende Wirtschaftsmacht China engagieren wollte, kehrte Egloff nach Zürich an die Uni zurück, wo er fünf Jahre als Assistent am Institut für Sinologie wirkte.
Weil er aber «zu wenig Forschertyp» war, suchte Egloff eine Aufgabe ausserhalb von Akademia. «Ich bin immer dann am produktivsten, wenn jemand kommt und sagt: ‹Ich habe ein Problem.›» Und als dann eines Tages jemand aus der CI-Branche kam und wissen wollte, wie man BMW auf Chinesisch schreibe, war seine wahre Berufung gefunden. Er bewarb sich bei Zintzmeyer & Lux, wurde dort wegen seiner fernöstlichen Aura als «interessant» empfunden. Egloff lernte «im Durchlauferhitzer der Top-Agentur» in kurzer Zeit sehr viel über die Praxis der Corporate Identity. Er arbeitete an der Entstehung der Deutschen Telekom, verfasste Designmanuale für BMW, assistierte in Unternehmenskultur-Workshops und war immer mehr gepackt von der Aufgabe: Wie kann man Werte und Haltungen sichtbar und erlebbar machen?
So kam es 1994 zur Gründung von Egloff Identity mit Freelance-Mandaten und Freelance-Mitarbeitern. Zu einem wichtigen selbstständigen Auftrag wurde das Mandat für die damalige Importorganisation für fairen Handel OS3, heute Claro. Im Jahre 2000 lernte Egloff an einem Kurs für Jungunternehmer an der ETH den Dozenten Stefan Vogler kennen. 2001 gründeten die beiden unter dem Dach von Grey, deren Chef Vogler bis 2005 war, eine richtige Agentur mit dem verheissungsvollen Namen Musqueteers AG. Die Legende der drei Musketiere besagt, dass diese Helden «lustvoll für eine gute Sache kämpfen». Das war die gemeinsame Wertebasis. Nachdem Grey von WPP gekauft worden war und das Korsett im Netzwerk immer enger geschnürt wurde, machte sich Egloff 2006 vom Mutterschiff los und gründete mit zwei Mitstreitern die neuen Musqueteers als GmbH in einem wunderbaren Hauptquartier in der Binz.
Partnerin und Head of PR in dieser neuen Form war seit Beginn weg Irene M. Wrabel. Die Münchnerin hat Politik-, Volkswirtschaft- und Kommunikationswissenschaft studiert. Ihre Ausbildung als Journalistin und Texterin hat Wrabel selber finanziert. Sie schrieb bereits während des Studiums für eine der ers¬ten Computerzeitschriften über Technik und für lokale Tageszeitungen über Kultur. Daneben machte sie eine Zusatzausbildung in Management und landete schliesslich über ein Praktikum bei einer Casting-Firma beim Fernsehen. Die vielseitige Redaktorin sammelte Erfahrungen in politischen Talkshows und Unterhaltungssendungen wie zum Beispiel «Herzblatt», bis sie schliesslich im Bereich Infotainment landete, wo sie Reportagen und Dokumentationen bei Pro7 realisierte und produzierte. Darüber hinaus arbeitete sie auch für den Bayerischen Rundfunk, Südwestfunk und Sat.1. Als aber auch hier der Boulevard immer breiter wurde, zog sich Wrabel in die Marketing- und Medienberatung zurück.
Einer dieser Jobs brachte sie in die Schweiz. In Zürich fühlte sie sich sehr schnell daheim, und so liess sie sich 2001 von einem Headhunter anheuern. Allerdings nicht für eine Stelle in den Medien, sondern gleich inhouse für drei Jahre als Research Associate in diesem Unternehmen für Executive Search. «Das hat mir einen guten Einblick in das Schweizer Wirtschaftsleben verschafft», analysiert Wrabel diesen Abstecher, bevor sie bei den Musqueteers wieder in die Kommunikation zurückfinden sollte.
Heute teilen sich die beiden die Führungs- und Betreuungsaufgaben: Egloff ist Creative Director und verantwortlich für alle CI-, Branding- und Design-Projekte. Wrabel leitet die Kommunikationsabteilung und ist zuständig für die sprachliche Kommunikation. Und wie sieht die Zukunft aus? «Wir stellen uns die Frage: Welche Rolle spielt Kommunikation in einer zwangsläufig post-materiellen Gesellschaft? Oberflächlich gesehen wird vieles gleich bleiben, aber die Einstellungen und Intentionen werden sich radikal ändern. In zwei Jahren wollen wir die Kompanie für nachhaltige Kommunikation sein, ohne diesen Begriff zu benutzen. Und darum machen wir weiter, Schritt für Schritt in diese Richtung.» Wer sich über die Entwicklung der Musqueteers auf dem Laufenden halten will, der konsultiere den Blog www.zukunftgestalten.ch.
Andreas Panzeri
Die Welt ihrer Kunden verständlich und attraktiv zeigen, neue Erkenntnisse und Zusammenhänge in Sprache und Gestaltung sichtbar und plausibel machen – das ist nicht nur das Ziel von Information Design, wie es bei den Musqueteers gestaltet wird, das ist auch die Aufgabe von Branding respektive Corporate Identity, der Basiskompetenz der Musqueteers. Neben den designbasierten Disziplinen stehen die verbale Kommunikation mit Strategie- und Konzeptentwicklung und -realisierung sowie die klassischen PR-Aufgaben wie Media Relations, Crisis Communication und Verfassen von Texten auf der Angebotsliste. «Wir gestalten Beziehungen», lautet ihr Slogan. Zu den wichtigsten Kunden gehören aktuell British Airways und Hitachi Data Systems ebenso wie ein Architekturbüro, ein Occasionshändler und ein Weiterbildungsprojekt des Kantons Zürich. Um eine derartige Bandbreite von Kommunikationsaufgaben zu lösen, können die Musqueteers auch auf eine entsprechend vielseitige Vergangenheit bauen.
Michael Egloff hat in Zürich Sinologie, Philosophie und Ethnologie studiert. Fast wäre es anders gekommen. «Mit 16 Jahren wollte ich ein Austauschjahr in den USA machen, aber das klappte nicht.» So folgte statt der Reise in die weite Welt eine Innenreise in die Welt der Literatur. Egloff entdeckte die Faszination der ostasiatischen Kulturen, begann Zen zu lesen und fühlte sich schliesslich im China 300 vor Christus ziemlich zu Hause. Die Alltagsrealität im modernen China war dann allerdings ernüchternd. Und weil er sich nicht für die schnellen Geschäfte rund um die boomende Wirtschaftsmacht China engagieren wollte, kehrte Egloff nach Zürich an die Uni zurück, wo er fünf Jahre als Assistent am Institut für Sinologie wirkte.
Weil er aber «zu wenig Forschertyp» war, suchte Egloff eine Aufgabe ausserhalb von Akademia. «Ich bin immer dann am produktivsten, wenn jemand kommt und sagt: ‹Ich habe ein Problem.›» Und als dann eines Tages jemand aus der CI-Branche kam und wissen wollte, wie man BMW auf Chinesisch schreibe, war seine wahre Berufung gefunden. Er bewarb sich bei Zintzmeyer & Lux, wurde dort wegen seiner fernöstlichen Aura als «interessant» empfunden. Egloff lernte «im Durchlauferhitzer der Top-Agentur» in kurzer Zeit sehr viel über die Praxis der Corporate Identity. Er arbeitete an der Entstehung der Deutschen Telekom, verfasste Designmanuale für BMW, assistierte in Unternehmenskultur-Workshops und war immer mehr gepackt von der Aufgabe: Wie kann man Werte und Haltungen sichtbar und erlebbar machen?
So kam es 1994 zur Gründung von Egloff Identity mit Freelance-Mandaten und Freelance-Mitarbeitern. Zu einem wichtigen selbstständigen Auftrag wurde das Mandat für die damalige Importorganisation für fairen Handel OS3, heute Claro. Im Jahre 2000 lernte Egloff an einem Kurs für Jungunternehmer an der ETH den Dozenten Stefan Vogler kennen. 2001 gründeten die beiden unter dem Dach von Grey, deren Chef Vogler bis 2005 war, eine richtige Agentur mit dem verheissungsvollen Namen Musqueteers AG. Die Legende der drei Musketiere besagt, dass diese Helden «lustvoll für eine gute Sache kämpfen». Das war die gemeinsame Wertebasis. Nachdem Grey von WPP gekauft worden war und das Korsett im Netzwerk immer enger geschnürt wurde, machte sich Egloff 2006 vom Mutterschiff los und gründete mit zwei Mitstreitern die neuen Musqueteers als GmbH in einem wunderbaren Hauptquartier in der Binz.
Partnerin und Head of PR in dieser neuen Form war seit Beginn weg Irene M. Wrabel. Die Münchnerin hat Politik-, Volkswirtschaft- und Kommunikationswissenschaft studiert. Ihre Ausbildung als Journalistin und Texterin hat Wrabel selber finanziert. Sie schrieb bereits während des Studiums für eine der ers¬ten Computerzeitschriften über Technik und für lokale Tageszeitungen über Kultur. Daneben machte sie eine Zusatzausbildung in Management und landete schliesslich über ein Praktikum bei einer Casting-Firma beim Fernsehen. Die vielseitige Redaktorin sammelte Erfahrungen in politischen Talkshows und Unterhaltungssendungen wie zum Beispiel «Herzblatt», bis sie schliesslich im Bereich Infotainment landete, wo sie Reportagen und Dokumentationen bei Pro7 realisierte und produzierte. Darüber hinaus arbeitete sie auch für den Bayerischen Rundfunk, Südwestfunk und Sat.1. Als aber auch hier der Boulevard immer breiter wurde, zog sich Wrabel in die Marketing- und Medienberatung zurück.
Einer dieser Jobs brachte sie in die Schweiz. In Zürich fühlte sie sich sehr schnell daheim, und so liess sie sich 2001 von einem Headhunter anheuern. Allerdings nicht für eine Stelle in den Medien, sondern gleich inhouse für drei Jahre als Research Associate in diesem Unternehmen für Executive Search. «Das hat mir einen guten Einblick in das Schweizer Wirtschaftsleben verschafft», analysiert Wrabel diesen Abstecher, bevor sie bei den Musqueteers wieder in die Kommunikation zurückfinden sollte.
Heute teilen sich die beiden die Führungs- und Betreuungsaufgaben: Egloff ist Creative Director und verantwortlich für alle CI-, Branding- und Design-Projekte. Wrabel leitet die Kommunikationsabteilung und ist zuständig für die sprachliche Kommunikation. Und wie sieht die Zukunft aus? «Wir stellen uns die Frage: Welche Rolle spielt Kommunikation in einer zwangsläufig post-materiellen Gesellschaft? Oberflächlich gesehen wird vieles gleich bleiben, aber die Einstellungen und Intentionen werden sich radikal ändern. In zwei Jahren wollen wir die Kompanie für nachhaltige Kommunikation sein, ohne diesen Begriff zu benutzen. Und darum machen wir weiter, Schritt für Schritt in diese Richtung.» Wer sich über die Entwicklung der Musqueteers auf dem Laufenden halten will, der konsultiere den Blog www.zukunftgestalten.ch.
Andreas Panzeri
