Vom Shopping zum Life Center

SHOPPING CENTER Der 9. Schweizer Shopping Center Kongress signalisiert eine Umorientierung. Aus den Einkaufstempeln sollen Life Center werden. Shopping wird vermehrt ergänzt durch Gastronomie. Dazu kommen Entertainment, Wellness, weitere Freizeitaktivitäten und auch soziale Aktivitäten.
Victor-Award
Victor-Shopping-Center-Award-Gewinner Andreas Felder, Rembrand AG, Corine Maissen, Wincasa, Remo Tanner, Migros, Markus Brunner, Wincasa, Moderatorin Christa Rigozzi, Thierry Halff, Maus & Frères, und SCSC-Präsident Jan Tanner (v.l.n.r.).Negative Schlagzeilen machten die Runde nach dem Shopping Center Forum 2016, das am 12. Mai im Radisson Blu Hotel am Zürich- Flughafen stattgefunden hatte. Grund war das Umsatz-Minus von drei Prozent im vergangenen Jahr, ausgewiesen von der GfKStudie «Shopping-Center-Markt Schweiz». Von den 195 erfassten Centern in der Schweiz meldeten zwei Drittel für 2015 einen Umsatzrückgang, 17 Prozent meldeten Stagnation und nur noch 17 Prozent gelang ein Wachstum. Die Einkaufszentren litten insgesamt im 2015 stärker unter Minus-Teuerung, Einkaufstourismus, Digitalisierung und der Aufhebung des Euro-Mindestkurses als der gesamte Detailhandel, der ein Minus von 2.3 Prozent verzeichnete.Leerstände kein TabuthemaTrotz oder vielleicht auch gerade wegen der schlechten Nachrichten sieht Thomas Hochreutener, Direktor Handel bei der GfK Switzerland, der am Forum die 350 Seiten starke Studie präsentierte, positive Ansätze. Er predigt schon lange gegen einen überrissenen Flächenausbau im Detailhandel und für erneuerte Ansätze. Jetzt registriert er Anzeichen für einen Wandel. Leerstände in Einkaufszentren sind nicht mehr länger ein Tabuthema. Im Gegenteil – Beispiele wie der Pop-up-Store von Brack im Spreitenbacher Shoppi Tivoli oder jener im Sihlcity («Victor Award 2016»*) zeigen, wie kreativ mit freien Flächen umgegangen werden kann. Dass ein Online-Versender wie Brack eine Verkaufsfläche belegt, könnte vielleicht – so Hochreutener – Schule machen. Ähnlich wie beim Try Store, der 2015 an neuen Orten auftauchte, nämlich im Berner Westside und im Shoppyland Schönbühl und – bereits zum vierten Mal – im Einkaufszentrum Glatt gastierte. Potenzial gibt es auch in der Gastronomie. Eine Studie von ECE Projektmanagement zeigt, dass 40 Prozent der deutschen Besucher ihr Shopping-Center primär aufgrund des vorhandenen Gastronomie- Angebotes auswählen. In den Shopping Malls der Schweizer Bahnhöfe liegt der Umsatzanteil der Verpflegung bei 22 Prozent, während sie bei den übrigen Schweizer Einkaufszentren bei rund fünf Prozent liegt. Die Schweizer Bahnhof-Malls kommen zudem auf einen durchschnittlichen Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche von rund CHF 19 235 (Basel) bis CHF 32 409 (Zürich), während dieser bei den anderen Zentren bei CHF 9127 (La Praille, Carouge) bis 13 967 (Glattzentrum) liegt.Mobilität und KonsumFür Forums-Referentin Sonia Lavadinho, Spezialistin für urbane Anthropologie, ist klar: Shopping Center müssen sich wandeln hin zu Life Centern. Lavadinho analysiert, wie Menschen Geld ausgeben, während sie unterwegs sind. Sie forscht an der ETH Lausanne und ist CEO von Bfluid in Genf.—————————————————*Über den Victor Award 2016Ausgezeichnet mit dem Victor Award 2016 sind fünf Marketingprojekte. Träger des Victor Lifetime Awards 2016 ist Thierry Halff vom Familienunternehmen Maus & Frères, der dritten Kraft im Schweizer Detailhandel (Manor, Jumbo, Athlecticum etc.). In der Kategorie grosse und sehr grosse Shopping Center mit Gold ausgezeichnet ist das Projekt Sihlcity Pop-up-Store für innovative Start-ups, einer erfolgreichen Aktion für die Belegung einer vorübergehend leeren Fläche. Silber erhalten hat das Shoppyland Schönbühl für die Jubiläumsaktion 40 Jahre Shoppyland inklusive Lancierung des neuen Markensignets Shoppy-Ente, einer animierten, vielseitig einsetzbaren Figur. Bronze geht an den Pilatusmarkt Kriens für den Gratis-Weihnachtszirkus mit Artisten des Zirkus Stey, mit dem die Frequenzen deutlich gesteigert wurden. Preisträger in der Kategorie kleine und mittlere Shopping Center ist der Neumarkt St. Gallen mit dem Projekt der Neupositionierung, welches mit der Agentur Rembrand realisiert wurde. Die gleiche Agentur hat zusammen mit dem Rheinpark St. Margrethen den Sonderpreis für Marketing-Effizienz erhalten für die koordinierte Kommunikation für eine ganze Reihe von Shopping Centern in der Ostschweiz.———————————————————-Das Intro-Video zum diesjährigen Shopping-Center-Forum:

Autor: Ruedi Ulmann

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