Den Bahnschienen nach zu den Luxushotels
LOCATION Die SBB-Bahnlinie zwischen Genf und St. Gallen hält einige Perlen im 4-Sterne- und höheren Segment bereit. MK hat eine Auswahl zusammengestellt. Eine Reise vom Westen in den Osten.St.Gallen und Genf rücken zusammen. Dank der neuen Durchmesserlinie in Zürich beträgt die Zugsfahrzeit nur noch 3 h 53 min. Dass die Schweiz auch im öffentlichen Verkehr stetig besser vernetzt wird, hilft natürlich auch dem Tagungs- und Seminarsegment. Profitieren können somit die 5-Sterne-Städtehotels in den Business Hubs zwischen der Ostschweiz und dem Genfersee. Denn die Teilnehmenden haben es nun noch einfacher, mit dem Zug statt mit dem Auto anzureisen. MK fragte auf der Achse St. Gallen– Genf nach dem Status quo bzgl. Tagungen und Events in einigen Luxushäusern und fing in der Rhonestadt an.

Tagungen tragen im Swissôtel Metropole in Genf einen grossen Teil zum Gesamtvolumen bei.Auf zum historischen PicknickGastgeber im Swissôtel Metropole ist der langjährige Hotelprofi Stefan Winistoerfer, der viele Jahre in Istanbul lebte und seit 2010 in Genf arbeitet. Er ist verantwortlich, dass sein Haus in der Rangliste der besten Genfer Hotels nach ganz vorne geschoben wurde. Das geschichtsträchtige Metropole liegt mit seinen 127 Zimmern und Suiten zwischen der Rue du Rhône und dem Genfersee, und zwar direkt vor dem Jet d’Eau. Zum Arbeiten stehen sieben klimatisierte Tagungsräume zur Verfügung sowie zwei für Firmenevents zu mietende Panorama-terrassen mit Ausblick auf den See und die Altstadt. Günstig ist das Metropole natürlich nicht; die Durchschnittsraten der Genfer 5-Sterne-Hotellerie liegen zwischen 400 und 500 Franken pro Nacht; dies obwohl die Jahresbelegung in diesem Segment nur bei etwa 65 Prozent liegt. Winistoerfer zum Seminarsegment: «Mit etwa 25 Prozent Anteil tragen Seminare, Tagungen und Geschäftssitzungen bedeutend zum Gesamtvolumen des Betriebs bei. Es hilft uns bei der Reputation. Allerdings sehen die Perspektiven für die kommenden Jahre eher schlecht aus. Wegen des Eurowechselkurses kommen weniger ausländische Kunden zu uns, während die Kaufkraft der Schweizer erlaubt, günstiger ins Ausland zu reisen.» Swissôtel führt übrigens auch das Restaurant Parc des Eaux-Vives – ein stadtbekanntes Etablissement mit sieben Schlafzimmern und mehreren traditionellen Räumlichkeiten. Der grosse gleichnamige Park ist Schauplatz für ein spezielles Swissôtel-Produkt, nämlich Picknick- Events für Firmen: Zehn britisch- traditionelle Picknickkörbe und passende Wolldecken können gemietet werden – mit Getränken und Verpflegung für bis zu 20 Gäste.Die Zeit verfliegt im Nu36 SBB-Minuten weiter östlich kämpfen in Lausanne etablierte Luxushäuser, wie das Beau Rivage oder das Lausanne Palace, mit dem Neuankömmling Royal Savoy. Dieses eröffnete vor wenigen Wochen und gehört zur Katara Hospitality Switzerland; es ist also quasi ein Schwesterbetrieb des Schweizerhof Bern und des Bürgenstock Resort. Noch ist nicht alles ganz fertig, aber die sechs Meetingräume im Hauptgebäude schon, und die haben es in sich, vor allem der 574 m² grosse und sehr elegante Ballsaal. Neben den Konferenzräumlichkeiten stehen bei der Gesamteröffnung dann 196 Zimmer und Suiten zur Verfügung sowie ein grosszügiges, 1500 m² grosses Spa- und Wellnesszentrum mit Innen- und Aussenpool sowie acht Behandlungsräumen.Nicht weit vom BahnhofDas Hotel Schweizerhof beim Bahnhof Bern verkauft sich ja gerne als «das führende Haus der Hauptstadt». Und im US-amerikanischen «Robb Report» wird es denn auch tatsächlich zu den 100 besten Stadthotels der Welt gezählt. Klein aber fein, müsste man sagen, denn es stehen gerade mal 99 Zimmer zur Verfügung. Für Tagungsveranstalter interessant sind aber vor allem 800 m2 Meetingund Eventflächen, die Sky Terrace mit 360-Grad-Panoramasicht über Bern und natürlich auch die legendäre Jack’s Brasserie. Für gesamtschweizerische Business-Meetings ist das Hotel tatsächlich ideal gelegen, da nur wenige Fussminuten von den Perrons des Bahnhofs Bern entfernt.

Das Hotel Trois Rois in Basel weist einen regelmässigen Flow von Seminaren auf.Ein kurzer UmwegAbseits der direkten Zugsachse Bodensee–Genfersee liegt Basel theoretisch weniger gut, aber die Dreiländerregion mit Frankreich und Deutschland sowie die moderne Ausstellungs- und Tagungsinfrastruktur machen Basel zu einer der bedeutendsten Messe- und Kongressstadt Europas. Man schätzt, dass die Events im Messe- und Kongresszentrum jährlich eine Wertschöpfung von rund einer Milliarde Franken auslösen – angetrieben natürlich von den beiden Monster-Veranstaltungen Baselworld und Art Basel. Mit dem Bau der neuen Messehalle von Herzog und de Meuron hat man der grossen Nachfrage Rechnung getragen. So bietet der grösste Saal nun Platz für 2500 Teilnehmende und – kombiniert mit den neuen multifunktionalen Räumen – es können sich 6000 Personen treffen. So kommt ausserdem das führende Hotel Basels, das Grand Hotel Les Trois Rois, zu einem regelmässigen Flow von Firmensitzungen und Workshops, manchmal sogar aus dem fernen Ausland. Direktor Reto Kocher, der im März 2016 das zehnjährige Jubiläum seit der Wiedereröffnung feiert, begrüsste schon eine Tagungsgruppe aus China. Insgesamt bietet das Drei Könige zehn elegante Sitzungsräume mit Tageslicht; der grösste Saal heisst Belle Epoque und verfügt über 260 m2, bei Theaterbestuhlung mit Platz für 260 Gäste.Ab in die MitteBasel liegt also nördlich der Ost- Westschweiz-Achse und wird von Bern in 53 Zugsminuten erreicht; Luzern liegt westlich der Bundeshauptstadt, und die Bahnfahrt dauert knapp 60 Minuten. So wie das Trois Rois die Hotelrangliste in Basel anführt, spielt der Schweizerhof Luzern in der Leuchtenstadt auf. Der Verkaufsund Marketingleiter Roman Omlin stellt stolz das Storytelling-Konzept unter dem Namen «Wo Luzern Geschichte(n) schreibt» vor. «Jedes Zimmer erzählt eine Geschichte eines Gastes, welcher im Hotel gelebt hat. Das sind Persönlichkeiten aus Kunst, Politik oder Musik, beispielsweise Richard Wagner, welche tatsächlich in einem der 101 verschiedenen Zimmern übernachtet haben.» Dazu kommen die erfolgreiche Positionierung als Festivalhotel und die vielen dort stattfindenden, öffentlich zugänglichen Events. «Entsprechend ist für uns der Event-Bereich zentral und in der Strategie integriert.» Auch wenn laut Omnlin der reine Tagungsanteil am Gesamtumsatz nur etwa zehn Prozent betrifft, so stellt man doch auch in diesem Segment eine Trendwende fest: also ganz langsam eine Steigerung der Nachfrage.

Der Event-Bereich spielt für das Hotel Schweizerhof in Luzern eine grosse Rolle.Im ZugBei all den Schienenkilometern quer durch die Schweiz könnte man ja die entsprechende Reisezeit auch zum Meeting nutzen. Die Charter-Abteilung der SBB in Zürich verfügt dafür über ein spannendes Arsenal von Spezialzügen und einzelnen Tagungswagen. Speziell die beiden Salonwagen Salon de Luxe und Salon Liberté eigenen sich für kleinere Sitzungen, da sie sogar normal verkehrenden Zugskompositionen angehängt werden können. Die Wagen bieten Beamer oder Bildschirme sowie Mikrofone und DVD-/CD-Players an. Gesamtschweizerische Verkäufertagungen könnte man also auch im Zug durchführen sowie die Teilnehmenden von Ort zu Ort einsammeln und beispielsweise nach Zürich transportieren.Zur Destination für KünstlerDie Fahrt Bern–Zürich dauert derzeit noch 56 Minuten mit dem Zug. Und in der Limmatstadt gibt es zwar mehrere 5-Sterne-Häuser mit Seminarangebot, aber nur ein Hotel Widder. Der langjährige Direktor Jan E. Brucker stellt es gleich selbst vor: «Unser kleines, feines Hotel ist ideal für Menschen, die es lieben, sich mit den schönen Dingen des Lebens wie Stil, Kunst, klassische Moderne zu umgeben.» Offensichtlich wollen viele Firmen in genau diesem Ambiente arbeiten; entsprechend hoch ist der Anteil an Tagungen und Sitzungen. Das zur UBS-Gruppe gehörende Hotel Widder ist übrigens eines der wenigen Schweizer Hotels, welches seine Zahlen offenlegt. 2014 erwirtschaftete man bei einer Belegung von 71,8 Prozent einen Umsatz von 16,3 Mio. Franken; rund die Hälfte davon aus dem F & B-Bereich. Fast ein Viertel des Gesamtgeschäftes stammt aus dem Business-Segment. Was Brucker dabei auffällt, dass das Buchungsverhalten geradezu ultrakurzfristig geschieht. «Wir ver- kaufen beispielsweise im Logement- Bereich bis zu 15 Prozent unseres Inventars innerhalb von 24 Stunden.» Dabei kommen rund 80 Prozent aller Buchungen aus der Schweiz selbst beziehungsweise von internationalen Firmen mit Sitz im hiesigen Land. Im Widder gibt es unzählige Locations für Veranstaltungen, beispielsweise der 220 m2 grosse Widder-Saal oder die Zunftstube für 90 Personen.Auf in den OstenZum Schluss unserer Schweizer «Bahn-Quer-Reise» wollen wir in die Ostschweizer Metropole fahren und benötigen dafür ab dem neuen unterirdischen Bahnhof Zürich gerade mal eine Stunde und zwei Minuten. St. Gallen bietet eine komplette 5-Sterne-Tagungspalette an, und zwar im Einstein St.Gallen – Hotel Congress Spa. Das traditionelle Hotel und das erst 2009 gleich daneben erstellte moderne und helle Kongresszentrum verfügen über 14 Arbeitsräume, einen eleganten Boardroom sowie den sechs Meter hohen Einstein-Saal mit 342 m2; mit Plenumsplatz für 160 Delegierte. Generaldirektor ist Michael Vogt, für den der Seminaranteil gezwungenermassen einen hohen Stellenwert hat. «Nachdem 2015 ähnlich wie das Vorjahr lief, sehen wir für 2016 einen Anstieg der Buchungen. Bei den 4-Sterne-Superior- Hotels in St. Gallen liegt die durchschnittliche Auslastung bei knapp 50 Prozent; wir liegen ebenfalls auf diesem Level. Aber wir haben dafür mit rund 220 Franken die höchste durchschnittliche Rate in St.Gallen.» Trotzdem berichtet das Einstein, dass man heutzutage mehr Tagungen und Konferenzen finden muss, um die gleichen Übernachtungszahlen zu halten. Denn immer mehr Tagungsgeschäfte laufen ohne Hotelübernachtungen. Dies sei früher anders gewesen, berichtet Michael Vogt und nimmt dann gleich den nächsten Zug, um irgendwo in der Schweiz oder im angrenzenden Ausland neue Kunden zu akquirieren.
