«Wer aus kurzfristigen Gründen an Bildung spart, wird das langfristig teuer bezahlen»
BILDUNG Peter Petrin, Vizepräsident und Bildungsverantwortlicher beim Verband Swiss Marketing, über die Trends für das Bildungsjahr 2016.

Peter Petrin, Vizepräsident und Bildungsverantwortlicher beim Verband Swiss Marketing.MK Herr Petrin, welches sind die wichtigsten Schlagworte und Ausdrücke, die Ihnen beim Gedanken ans Bildungsjahr 2016 durch den Kopf gehen?PETER PETRIN Englische Titelbezeichnungen, Nationaler Qualifikationsrahmen und Berufsfeldanalyse. Unter diesen Stichworten haben wir unsere Qualifikationen Marketing- und Verkaufsfachleute mit eidg. Fachausweis, Dipl. Marketingmanager/innen HF und (eidg.) Dipl. Marketing- und Verkaufsleiter/innen auf den Prüfstand gestellt und für die Zukunft positioniert.MK Zeichnen sich aus Ihrer Sicht weitere Trends für das neue Jahr ab?PETRIN Die Anzahl Bildungsangebote wird weiter zunehmen, weshalb immer wichtiger wird, die Weiterbildung an Institutionen mit guter Reputation zu absolvieren. Wenn die Bildungsabschlüsse immer schwieriger zu interpretieren sind, gewinnt die anbietende Institution als Vertrauensanker an Bedeutung dazu.MK Die Bildungslandschaft hat sich im Zuge der Digitalisierung über die letzten Jahre hinweg massiv verändert. Erwarten Sie diesbezüglich eine Art Stagnation oder geht diese Entwicklung ungebremst weiter?PETRIN Eine Bremse wird es wohl nicht gehen. Die Digitalisierung betrifft die Bildung in zweifacher Hinsicht: Einerseits hat sie starke Auswirkungen auf die Bildungsinhalte selbst und anderseits beeinflusst sie die Art und Weise, wie man unterrichtet, wesentlich.MK Es gibt gegenwärtig reale Beispiele, wie die digitalen Medien auch zur globalen Vermarktung von kriminellen und menschenverachtenden Botschaften benutzt werden. Kann oder muss auch der Bildungsmarkt diesem Phänomen irgendwie begegnen?PETRIN Dort, wo es zu den Bildungsinhalten passt, empfehle ich durchaus, die problematische Seite digitaler Medien zu thematisieren. Aus der Verhaltensökonomie wissen wir, dass Menschen ihr Verhalten kaum aufgrund von Apellen verändern. Deshalb muss dieses wichtige und heikle Thema diskursiv und möglichst lebendig behandelt werden.MK Nach wie vor gibt es in der Wirtschaft Tendenzen, dass in schwierigen Zeiten zuerst bei Bildung und Marketing gespart wird. Mit welchen Argumenten teilen Sie solchen Unternehmen mit, dass sie am falschen Ort sparen?PETRIN Es ist kein wirkliches Sparen, sondern man verschiebt notwendige Investitionen in die Zukunft. Je länger man sie hinauszögert, umso teurer wird die kumulierte Rechnung am Ende sein. Zudem erodiert die Loyalität der Arbeitskräfte, wenn an ihnen gespart wird. Es ist ja durchaus ein kommunikativer Akt mit Signalcharakter. Kurz: Wer aus kurzfristiger Notwendigkeit heraus an der Qualifikation und damit Qualität der Mitarbeitenden spart, wird dies mittel- bis langfristig teuer bezahlen müssen.MK Gemäss den Bildungsanbietern wird sich der Nachfragetrend für kurze, modular zusammenstellbare Angebote auch in Zukunft verstärken. Wie können in diesem Umfeld die traditionellen Fachprüfungen und eidgenössischen Abschlüsse gestärkt werden?PETRIN Es ist darauf zu achten, dass die Vorbereitung auf diese Prüfungen innert nützlicher Frist absolviert werden kann. Ich denke, im Bereich von Marketing und Verkauf sind ein bis eineinhalb Jahre vertretbar. Das bedeutet gleichzeitig, dass man sich bei diesen Prüfungen auf die Schlüsselkompetenzen konzentrieren muss. Man darf nicht versuchen, alles mit einer Qualifikationsmassnahme abdecken zu wollen. Menschen sollen sich ja durchaus auch nach den eidgenössischen Prüfungen noch weiterbilden und das aneignen, was in der betreffenden Prüfung nicht abgedeckt worden ist.MK Welche Marketingleistung hat Sie im vergangenen Jahr 2015 ganz spontan am meisten begeistert?PETRIN Die Art und Weise, wie man einen Unsinn wie die Sendung «Bachelor» zu vermarkten versteht.Interview: Robert WildiMehr zu den Bildungstrends 2016 lesen Sie in der aktuellen MK-Ausgabe 02/2016. Jetzt abonnieren.
