Kostenlose, offene Daten für neue Anwendungen nutzen
OPEN DATA Unzählige neuen Informationsquellen können Unternehmen heute ausnutzen, um neue Produkte und Dienstleistungen zu schaffen und ihre Prozesse und Services effektiver und effizienter zu gestalten. Die Rede ist von Open Data – kostenlos verfügbare Datenbeständen aus öffentlichen Quellen.

http://opendata.admin.ch/ stehen 1800 Datensätze zur Verfügung – für einfache Auswertungen, Kombinationen oder die Entwicklung von Applikationen und Visualisierungen. Bild: willi.ch VON RENÉ BÜCHLER*Als Open Data werden alle Datenbestände bezeichnet, die im allgemeinen Interesse ohne Einschränkung zur Nutzung, Weiterverbreitung und Weiterverwendung frei zugänglich gemacht werden. Dazu zählen etwa Lehrmaterial, geocodierte Daten, demografische Daten, Statistiken, Verkehrsinformationen, wissenschaftliche Publikationen oder Forschungsergebnisse. Bei Open Data handelt es sich aber nicht nur um Datenbestände von Regierungen oder öffentlichen Behörden, auch private Unternehmen, Hochschulen und Non-Profit-Einrichtungen veröffentlichen vermehrt entsprechendes Material.Obwohl sich die Nutzung von Open Data in der Schweiz noch im Entwicklungsstadium befindet, besteht ein klares Potenzial. Open Data können ein Instrument zum Abbau branchenübergreifender Informationslücken sein und die Unternehmensproduktivität und Informationsqualität erhöhen. Die Analyse und Verwendung von Open Data wird Verbraucherpräferenzen transparenter gestalten und ermöglicht massgeschneiderte Kundenbetreuung. Trotz aller ersichtlichen Vorteile und Nutzen für Kunden und Unternehmen haben Verbraucher noch immer Bedenken hinsichtlich ihrer Privatsphäre – auch dann, wenn die Anonymität gewährleistet ist.Nachhaltiges Geschäftsmodell Open DataEin Anspruch von Open Data besteht darin, dass es möglich ist, ein nachhaltiges Geschäftsmodell darauf aufzubauen oder bestehende Geschäftsmodelle erfolgreich zu erweitern – denn gemäss der Open Data 500 Studie der John S. & James L. Knight Foundation werden in fünf bis zehn Jahren Unternehmen, die Open Data für ihre Marktbearbeitung nutzen, die Regel und nicht die Ausnahme sein (www.opendata500.com). Einige internationale Firmen sind damit bereits erfolgreich.Erste Ansätze in der SchweizAuch in der Schweiz stellen Bund, Kantone, Städte, Behörden und Organisationen mittlerweile viele Daten zur Verfügung. Nicht nur auf dem Pilotportal des Bundes www.opendata.admin.ch finden sich spannende Anwendungsbeispiele. In jüngerer Vergangenheit hat sich in unserem Land eine aktive Open Data Bewegung gebildet. Nationale Anlässe, sogenannte Hackdays, fanden dazu bereits in Zürich, Lausanne, Genf und Bern statt.An allen bisherigen Events trafen sich Konzepter, Designer, Softwareentwickler, Politiker und Bürger, Experten und Interessierte, um Open Data in der Schweiz weiterzubringen. Zusammen wurden nützliche Apps, Visualisierungen und Applikationen auf der Basis offen zugänglicher Datensammlungen von Schweizer Behörden und Unternehmen des öffentlichen Sektors entwickelt (siehe http://make.opendata.ch)Vermehrt werden aber auch unternehmensintern Innovationsprojekte mit Open Data gefördert, um neue Geschäftsmöglichkeiten zu erforschen. Am erfolgreichsten erweisen sich Geschäftsmodelle, bei denen Analysedienste für verschiedene Industriezweige angeboten werden. Grosser Nutzen liegt dabei in der Kombination von Kundendaten, Open Data und freien Social Media Daten, welcher sich der Vertrieb in seiner Kundenbearbeitung und -steuerung zu Nutze macht.Open Data in der FinanzindustrieWas wäre, wenn die Bankkundenberater Anlage- oder Finanzierungsbedürfnisse ihrer Kunden sozusagen vorausahnen könnten? Die Konsequenz: Breitgestreute und kostenintensive Kampagnen würden überflüssig und mit bedürfnis- und nutzenorientierten Mikrokampagnen abgelöst. Aus Kundensicht heisst das, unerwünschte Werbungen werden durch relevante Empfehlungen oder Angebote ersetzt. Das bildet die ideale Ausgangslage für eine Kundenberatung.Mit der Verfügbarkeit von Open Data lassen sich externe Datenquellen sehr effizient einbinden. Die Kunst liegt darin, sie in den Zusammenhang der aktuellen Konstellation und Situation des Kunden zu bringen. Dazu werden die Informationen aus dem Kundendialog mit dem digitalen Fussabdruck ergänzt. Mittels analytischem Verfahren wird eine Wahrscheinlichkeit für mögliche Vorlieben, Bedürfnisse oder Absichten kalkuliert, die sogenannten Predictive Scores.Die Stärke an diesem Verfahren liegt darin, dass der Kundendialog durch aktuelle Informationen wie etwa soziodemografische oder geocodierte Daten mit den Erkenntnissen im Gesamtkontext einer sich ändernden Lebenssituation des Kunden angereichert werden kann. Das Kundenerlebnis rückt damit in ein ganz neues Licht.Erfolgskritische FaktorenAus Sicht von Swisscom sind folgende Faktoren in einem Smart Data Projekt erfolgskritisch:• Qualitativ hochwertige Kundendaten wie richtige Adressen• Profunde Kenntnis über die eigenen Daten• Breite Kenntnis über Art und Verfügbarkeit von Open Data• Bereitschaft zur Kreativität und Innovation• think big – start smallIn Zusammenarbeit mit Partnern wie Cybwell und anderen bietet der Fachbereich Customer Focused Solutions von Swisscom methodische Unterstützung beim Smart Data Rapid Assessment, dem Formulieren von Vision, Strategie und Datenkonzept sowie bei der Definition einer OpenData Roadmap und Umsetzungsprojekten. Er stellt ferner die betriebliche Datenqualität und Integration ins Analytische CRM sicher.
