Zeitungsabos steigen um bis zu 12 Prozent

Auf den Jahreswechsel hin haben wieder zahlreiche Tages- und Wochenzeitungen ihre Abo- und Kioskpreise erhöht. Vielerorts steigen die Abopreise stärker als die Krankenkassenprämien. Dies zeigt eine Werbewoche-Umfrage bei 58 Einzeltiteln und 13 Titelkombinationen in der ganzen Schweiz. Im digitalen Bereich wird zudem aufgerüstet: Zwei Fünftel der befragten Titel bieten heute Apps an, doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. In der Regel wird dafür Geld verlangt, ein Fünftel der Zeitungen gibt die Apps aber nach wie vor gratis ab.

Bei den hier aufgeführten 58 Schweizer Tagesund Wochenzeitungen haben 41 per 2012 den Preis für das Print-Abonnement erhöht, die Neue Luzerner Zeitung sowie der Landbote werden diesen Schritt erst im Laufe des Jahres 2012 tun. Mit rund 1 Prozent den moderatesten Aufschlag nahmen der Bote der Urschweiz und das Zofinger Tagblatt vor, sie kosten neu pro Jahr 289 und 378.25 Franken. Prozentual am stärksten verteuerte sich dagegen die NZZ am Sonntag (+12,3 %), für die man neu 228 Franken bezahlen muss, gefolgt von der Handelszeitung, die ihr Jahresabo um 10 Prozent auf 240 Franken anhob. Von den andern Einzeltiteln setzten deren 20 ihren Abopreis um 1,2 bis 3 Prozent herauf, 18 weitere erhöhten die Preise um 3,1 und 8,6 Prozent. Zum Vergleich: Die Krankenkassenprämien stiegen schweizweit um durchschnittlich 2,2 Prozent.

Bund und NZZ: 22 Prozent teurer in drei Jahren

In den letzten Jahren sind übrigens die Abopreise von Bund und NZZ am rasantesten gestiegen: Beide verlangen heute rund 22 Prozent mehr als noch 2009, der Bund kostet damit neu 434 Franken, also 79 Franken mehr als vor drei Jahren, das NZZ-Abo verteuerte sich in derselben Zeit gar um 107 Franken auf 595 Franken. Der Hintergrund: 2009 hatte NZZ-Chefredaktor Martin Spillmann den Abonnenten mitgeteilt, dass angesichts der strukturellen Veränderungen im Werbemarkt für die NZZ das alte Finanzierungsmodell mit 2/3 Inserateeinnahmen und 1/3 Verkaufseinnahmen ausgedient habe. Beim Bund scheint dasselbe zu gelten. NZZaS und Tages-Anzeiger wurden seither um immerhin 18,1 beziehungsweise 15,4 Prozent teurer. Die andern Titel hoben dagegen ihre Abopreise im selben Zeitraum höchstens um 10 Prozent an, einzelne Titel verzichteten gar auf eine Erhöhung. So kostet etwa der SonntagsBlick mit 164 Franken noch immer gleich viel wie 2009. Die Zeitung mit dem höchsten Abopreis ist aber nach wie vor die Genfer Wirtschaftszeitung Agefi, sie verlangt 2012 unverändert 700 Franken. Auf Platz zwei liegt die NZZ, auf dem dritten Rang Le Temps, die erstmals die 500er-Grenze überschreitet und neu 504 Franken (+5 %) kostet. Das günstigste Tageszeitungs-Abo, jenes der Neuen Fricktaler Zeitung, ist dagegen für 183 Franken im Jahr zu haben. Ähnlich viel kostet La Quotidiana (163 Franken), die aber nur an fünf Tagen pro Woche erscheint. Der günstigste Wochen- oder Sonntagstitel ist die neue Sonntagsausgabe der Basler Zeitung, für die man 65 Franken zahlen muss, 10 Franken weniger als für die Südostschweiz am Sonntag, die nun auch solo abonnierbar ist.

Am Kiosk deutlich teurer

Für 13 Zeitungen bezahlt man 2012 auch am Kiosk mehr, die meisten werden um 4 bis 10 Prozent (10 bis 30 Rappen) teurer. Zwei Titel gehen aber weit darüber hinaus: Die Berner Zeitung, die bisher an allen Wochentagen 3.20 Franken kostete, verlangt neu für die Samstagsausgabe 80 Rappen mehr (+ 25 %). Einen generellen Aufschlag von 50 Rappen (20 %) nehmen ferner die Freiburger Nachrichten vor. Die teuerste Zeitung am Kiosk ist mit 6 Franken die Wochenzeitung WoZ, gefolgt von der Finanz und Wirtschaft (5.30 Franken), der neuen Basler TagesWoche (5 Franken) und der Handelszeitung (4.80 Franken). Spitzenreiter bei den Tageszeitungen ist die Samstagsausgabe von Le Temps (4.70 Franken), dann folgen Agefi und die samstägliche NZZ (je 4.50 Franken). Die günstigste Tageszeitung ist La Quotidiana mit neu 1.60 Franken. Grosse Unterschiede gibt es bei den Sonntagstiteln: NZZaS und Le Matin dimanche führen im Einzelverkauf das Preisfeld mit 4.50 Franken an, die SonntagsZeitung verlangt 4.20 Franken, der Sonntag und der SonntagsBlick kosten 3.50 Franken, und die Südostschweiz am Sonntag und die Zentralschweiz am Sonntag noch 3 Franken. Bleibt das Sonntagsblatt der Basler Zeitung. Diese hofft, mit 2 Franken pro Kioskexemplar im umkämpften Nordwestschweizer Markt Fuss fassen zu können.

E-Paper und Apps: Paid Content ist im Trend

Interessant ist, was sich im digitalen Bereich tut. So verzichten heute fast nur noch kleine Titel auf ein EPaper, erstaunlich ist aber, dass mit Berner Zeitung und Le Matin dimanche auch zwei Grosse zu den Abstinenten gehören. Wer zudem ein E-Paper anbietet, verlangt dafür auch etwas, in der Regel aber weniger als für das Printabo. Eine Ausnahme gibt es aber: Beim Boten der Urschweiz kostet das E-Paper 7,3 Prozent oder 21 Franken mehr als das Printabo. Das erstaunt, fallen doch die Kosten für Druck, Papier und Vertrieb weg. Angesichts dieser Tatsache verhält sich auch Agefi ziemlich knausrig, verlangt das Blatt doch für sein E-Paper dennoch gleich viel wie für das Printabo. Aber auch der Tages-Anzeiger gewährt seinen E-Paper- Abonnenten bloss einen Nachlass von 5,2 Prozent. Am grosszügigsten ist dagegen Le Matin semaine, der sein E-Paper-Abo um 70,7 Prozent günstiger und damit für bloss 120 Franken anbietet. Mit dieser happigen Reduktion steht er aber allein auf weiter Flur: Die übrigen Titel senken die Tarife ihrer E-Paper-Abos um 11 bis 50 Prozent gegenüber dem Papier-Abo. Selbst L’Impartial und L’Expresse, die letztes Jahr mit einer Reduktion von 68 Prozent noch zu den Ausreissern gehörten, haben nun den Preis fürs E-Paper deutlich erhöht und kommen so noch auf einen Nachlass von 50 Prozent. Mittlerweile ist es in der Branche übrigens Usus, dass Print-Abonnenten einen Gratiszugang zum E-Paper erhalten. Nur La Liberté macht hier eine Ausnahme: Print-Abonnenten bezahlen noch immer einen zusätzlichen Obolus von 28 Franken. Gegenüber 2011 wurde dieser aber um 20 Prozent reduziert. Apps sind mittlerweile ebenfalls State of the Art: 34 der 58 Titel haben mindestens eine App im Angebot, vor einem Jahr waren es noch halb so viele. Dabei setzt die Mehrheit auf Paid Content: 24 Anbieter verlangen für die App Geld oder geben sie nur an zahlende Print- oder E-Paper-Abonnenten ab, nur zehn bieten die App ganz gratis an. Ein spezielles Angebotsmodell kennt der Blick: Er bietet sowohl Gratis- als auch Bezahl-Apps an. Die Jahresgebühr für eine App ist in den meisten Fällen gleich hoch wie für das E-Paper, sechs Titel verlangen etwas mehr, beim Tages-Anzeiger ist die App hingegen billiger: Sie kostet 289 Franken, 109 Franken weniger als das E-Paper-Abo. Markus Knöpfli

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Zeitungsabos steigen um bis zu 12 Prozent

Auf den Jahreswechsel hin haben wieder zahlreiche Tages- und Wochenzeitungen ihre Abo- und Kioskpreise erhöht. Vielerorts steigen die Abopreise stärker als die Krankenkassenprämien. Dies zeigt eine Werbewoche-Umfrage bei 58 Einzeltiteln und 13 Titelkombinationen in der ganzen Schweiz.

Im digitalen Bereich wird zudem aufgerüstet: Zwei Fünftel der befragten Titel bieten heute Apps an, doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. In der Regel wird dafür Geld verlangt, ein Fünftel der Zeitungen gibt die Apps aber nach wie vor gratis ab.

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