Tamedia legt Redaktionen zusammen und baut Stellen ab

Das Zürcher Medienunternehmen Tamedia organisiert seine Redaktionen neu und vollzieht dabei einen Ende August angekündigten Stellenabbau. Die Zahl der davon betroffenen Vollzeitstellen sinkt von ursprünglich 90 auf noch 55 Stellen.

Von diesen Personalmassnahmen seien voraussichtlich 30 Vollzeitstellen in der Deutschschweiz sowie 25 Vollzeitstellen in der Westschweiz betroffen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Der Ende August angekündigte Abbau von 90 Vollzeitstellen konnte laut der Mitteilung durch interne Wechsel sowie die Nichtbesetzung von Vakanzen reduziert werden.

Der Stellenabbau steht unter dem Vorbehalt des Konsultationsverfahrens. Es komme ein Sozialplan zur Anwendung, der unter anderem Frühpensionierungen beinhalte.

Künftig wird es laut Mitteilung noch vier Redaktionen für die Tages- und Sonntagstitel in Zürich, Bern, Basel und in der Romandie geben. Diese sollen ihre Inhalte in enger Zusammenarbeit planen und erarbeiten.

Die Chefredaktor:innen der vier Marken seien Raphaela Birrer, heute Chefredaktorin Tages-Anzeiger, Claude Ansermoz für 24 Heures, Wolf Röcken für die BZ Berner Zeitung und Marcel Rohr für die Basler Zeitung, heisst es. Die Redaktionen von Schweizer Familie, Finanz und Wirtschaft sowie Bilan blieben unverändert.

Züritipp verschwindet

Einschneidend wirkt sich diese Umstrukturierung auch auf den Züritipp aus: Er wird als separate Beilage per Ende 2024 eingestellt, wie es weiter heisst. Ausgewählte Inhalte würden künftig im Tages-Anzeiger erscheinen. Zudem werde der BZ-Split Langenthaler Tagblatt im Laufe des nächsten Jahres mit der Ausgabe Emmental der Berner Zeitung zusammengelegt.

Weiter integriert das Unternehmen die Redaktion der Zürcher Regionalzeitungen – namentlich Landbote, Zürichsee-Zeitung, Zürcher Unterländer – in die Redaktion Zürich. Sie wird künftig zentral von Chefredaktorin Raphaela Birrer geführt. Die Regionalzeitungen betreiben aktuell Redaktionsstandorte in Winterthur ZH, Wädenswil ZH und Bülach ZH.

Das Team der SonntagsZeitung wird laut Mitteilung ebenso in die Redaktion in Zürich integriert. Die Redaktion der Berner Oberländer Titel – also des Thuner Tagblatts und des Berner Oberländers – wird von BZ-Chefredaktor Wolf Röcken geleitet.

In der Romandie bilden die Redaktionen von Tribune de Genève und 24 Heures und Le Matin Dimanche künftig eine Redaktion. Die Tribune de Genève werde weiterhin einen eigenen digitalen Auftritt haben und als Zeitung erscheinen, heisst es.

Das Magazin Femina wird in die Redaktion Romandie integriert und künftig monatlich mit verändertem Erscheinungsrhythmus als Beilage weiterhin in Le Matin Dimanche und neu auch in 24 Heures und Tribune de Genève erscheinen.

«Fatale» Entwicklung

Er wehre sich gegen diesen weiteren Abbau der Redaktionen, der sich «zwangsläufig auf die journalistische Produktion und deren Qualität» auswirken werde, hielt der Berufsverband Impressum in einer Medienmitteilung fest.

Für die von dieser Umstrukturierung betroffenen Personen fordert Impressum Begleitmassnahmen, die «dem Erdbeben» angemessen seien, schrieb Impressum weiter.

Tamedia reduziere nicht nur Stellen, sondern auch das journalistische Angebot, was zu einer Vereinheitlichung der Inhalte führe, schrieb die Gewerkschaft Syndicom in einer Medienmitteilung. Diese Entwicklung sei «fatal». Besonders schwer wiege die Zerschlagung des Regional- und Lokaljournalismus, der damit weiter an Bedeutung verliere. (SDA/swi)

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