Markus Somm plant «liberal-konservatives» Medienprojekt
Ex-BaZ-Chefredaktor Markus Somm sammelt aktuell Geld für ein neues Newsportal, welches er als Gegenstück zum «linken Mainstream» lancieren will. Geplant ist auch eine Print-Version.

Wie die Schweiz am Wochenende in der aktuellen Ausgabe berichtet, sucht Somm derzeit 40 Investoren, die bereit sind, «für ein hochkarätiges publizistisches Produkt» 100’000 Franken zu zahlen. Geplant ist dessen Lancierung im Frühjahr 2021.
Grund für Somms Anstrengungen: In den Medien dominiere «der linke Mainstream», so der aktuelle Tamedia-Publizist in der Präsentation, die er potenziellen Geldgebern hält. «Liberale, bürgerliche und pragmatische Positionen» seien am verschwinden. Das geplante Portal will dem gegenübertreten mit «harten Fakten», «Hintergründen mit überraschenden Perspektiven» und «pointierten Meinungen der besten Autoren.» Zusätzlich sollen auch Lifestyle-Themen einen Platz finden.
NZZ und Weltwoche reichen nicht aus
Ein Gegenstück zur Republik und Watson plant Somm. In diese Portale wurden in den vergangenen Jahren viel Geld investiert worden – laut Somm «Digital-Publikationen mit linksliberaler bis ausgeprägt linker Ausrichtung.»
Zwar gebe es in der Schweiz schon Medien, die eine ähnliche Zielgruppe wie er im Auge hätten. Die NZZ jedoch sei «zu spröde, zu verkopft» und die Weltwoche gelte als SVP-Blatt, habe zu viele Leute vor den Kopf gestossen.
Eigene Agentur für Native Advertising
Finanziert werden soll das Medienprodukt, das in der Präsentation unter dem Titel «Säntis» läuft, durch eine möglichst hohe Reichweite, die entsprechende Werbeerlöse generiert. Modelle wie Native Advertising oder Content Commerce sollen für zusätzliche Einnahmen sorgen. Für diese Aktivitäten wird laut Schweiz am Wochenende eine eigene Agentur lanciert. Läuft alles nach Plan, ist die Gewinnschwelle in 30 Monaten erreicht.
Offene Fragen um weitere Realisierung
Wie die Zeitung schreibt, könnte sich am Geschäftsmodell bis zur Lancierung aber noch etwas ändern. So soll der fürs Projekt vorgesehene Online-Chef, Peter Wälty, nach einem Streit mit Somm abgesprungen sein. Wälty, der zuletzt Digital-Chef der Blick-Gruppe war, gilt als Verfechter des Reichweitenmodells, das ohne Abo-Zahlungen der Leserschaft auskommt.
Ebenfalls unklar ist, wie oft und in welchem Umfang die in Aussicht gestellte, kostenintensive Print-Ausgabe erscheinen wird.
Schlanke Redaktion
Apropos Kosten: Die sollen durch eine schlanke Redaktion im Rahmen gehalten werden. Neben den beiden Chefs – Somm und der künftige Online-Chef – sind in der Präsentation nur sechs Stellen für Journalisten aufgeführt.
Gegenüber der Schweiz am Wochenende hält sich Markus Somm bedeckt, wie weit er bei der Investorensuche ist. «Kein Kommentar», so sein einziger Kommentar. Auch die Vermutung, dass Milliardär Christoph Blocher, der bereits im Zusammenhang mit der Basler Zeitung gemeinsame Sache mit Somm gemacht hat, finanzielle Starthilfe leisten könnte, lässt sich nicht bestätigen. Er sei, so Blocher gegenüber der Zeitung, «nicht im Bilde» über ein neues Medienprojekt von Somm.
