30 Jahre blue: Vom Modem-Geknatter zum Champions-League-Jubel
1996 brachte «The Blue Window» der Schweiz das Internet ins Wohnzimmer – heute spielt das Swisscom-Portal ganz oben mit. Zum 30-jährigen Jubiläum feierte blue im Zürcher Cinema Abaton nicht nur die eigene Erfolgsgeschichte, sondern jenen unbändigen Pioniergeist, der bis heute nachhallt: Work hard, party hard.
Draussen fühlte sich dieser 15. September fast wie ein neuer Sommermonat an; drinnen im blue Cinema Abaton herrschte jene knisternde Energie, die entsteht, wenn 30 Jahre Mediengeschichte auf einer Bühne lebendig werden. Über 200 Personen aus Wirtschaft, Sport, Showbusiness und Medien feierten das Jubiläum einer Marke, die das digitale Leben der Schweiz wie kaum eine zweite geprägt hat.
Was am 16. September 1996 unter dem Namen «The Blue Window» als waghalsiges Start-up der damaligen Telecom PTT, IBM Schweiz und Verlagen begann, um Schweizer Haushalte zum Lokaltarif ins weltweite Netz zu schleusen, ist heute ein Gigant. blue News rangiert als drittgrösstes kommerzielles Newsangebot der Schweiz – direkt hinter den etablierten Schwergewichten 20 minuti e Vista. Mit monatlich rund 37 Millionen Visits, über 72 Millionen Page Views und täglich rund 555’000 Unique Users ist das von Ringier Advertising vermarktete Portal eine feste Grösse in der Schweizer Mediaplanung (WEMF MACH Strategy).
Den feierlichen Auftakt machte Cyrill Wick, CEO der blue Entertainment AG, der den Stolz auf den zurückgelegten Weg unterstrich:
«Vor 30 Jahren hat eine Handvoll Visionäre etwas gewagt, an das damals kaum jemand geglaubt hat. Heute dürfen wir mit blue ein Medien- und Entertainmenthaus feiern, das die Schweiz täglich begeistert und bewegt – dank harter Arbeit, enormer Leidenschaft und einer unvergleichlichen Teamleistung.»
Durch das prominent besetzte Podium führte im Anschluss professionell, sympathisch und mit spürbarer Begeisterung Claudia Lässer, Chief Product Officer blue Sport & News. Sie entlockte ihren Gästen auf der Bühne jene Anekdoten, die die DNA der Marke bis heute prägen.

Der Sound der Neunziger: Zwischen Macarena, Harry Hasler und CD-Engpässen
Die Reise zurück ins Jahr 1996 begann akustisch – mit jenem unvergesslichen Pfeifen, Schnarren und Rauschen der Einwahlmodems, das damals das Tor zur Welt öffnete.
Für Viktor Giacobbo war 1996 das Jahr, in dem sein Alter Ego «Harry Hasler» («Saletti zäme!») vollends durch die Decke ging. Giacobbo erinnerte sich schmunzelnd an den Überraschungserfolg:
«Wir planten eine CD-Auflage von etwa 100 Stück als Gag für ein paar wenige Fans, die sonntags den Fernseher einschalteten. Dann ging das Ding durch die Decke, ein Radiosender spielte es – und wir landeten auf Platz zwei der Charts. Eigentlich nur deshalb nicht auf Platz eins, weil die Presswerke mit den CDs schlicht nicht mehr nachkamen.»

Als Giacobbo bei einer Autogrammstunde im Glattzentrum von tausenden Fans belagert wurde und mehrere Bodyguards ihn auf eine Bühne eskortierten, die unter den Menschenmassen gefährlich schwankte, ging ihm nur eines durch den Kopf: «What the hell am I doing here?» Später prägte er mit «Viktors Spätprogramm» die TV-Landschaft mit bis zu 60 Prozent Marktanteil. Möglich war dies nur dank maximaler redaktioneller Freiheit:
«Ich hatte keinen Chef, der mir reinredete, und wir sendeten live-live. Als die TV-Spitze einmal fand, Roger Schawinski dürfe als Talkgast keinesfalls auftreten, sagte ich nur: ‹Wenn ihr mir das vorschreibt, höre ich auf.› Dann hiess es: ‹Wenn der Viktor ihn will, soll er ihn haben.› Von da an hatte ich nie wieder einen direkten Vorgesetzten.»
Vom Gospelchor zum ESC: Lehrjahre im Scheinwerferlicht
Francine Jordi steckte 1996 mitten im klassischen Gesangsstudium in Neuchâtel, sang im Gospelchor und ahnte noch nichts von dem Medienrummel, der 1998 mit dem Sieg beim Grand Prix der Volksmusik über sie hereinbrechen sollte. Plötzlich belagerten Reporter das Elternhaus:
«Damals kamen die Journalisten noch direkt zu dir nach Hause und belagerten die Haustür. Meine Mutter musste ihnen fast schon das Essen und Trinken verwehren, damit sie nicht das ganze Haus auf den Kopf stellten.»

2002 folgte der Auftritt beim Eurovision Song Contest – eine Lektion fürs Leben:
«Einen Tag vor dem Auftritt wurde mein Kleid noch als sensationell und wunderschön gefeiert, und ich sah angeblich blendend aus. Kaum war der Wettbewerb vorbei, hiess es: ‹Nein, dieses Kleid ging gar nicht, und die Frisur erst!› Da habe ich zum ersten Mal begriffen: Aha, so läuft der Hase im Mediengeschäft.»
Jeans-Gagen und der Weckruf von Kai Pflaume
Marc Sway gewann 1996 als 17-Jähriger einen Talentwettbewerb – allerdings nicht in den grossen Metropolen:
«Für die Story wäre Tokio oder New York cooler gewesen, in Wahrheit war es in Uznach. Das Preisgeld betrug 300 Franken. Davon kaufte ich mir eine Diesel-Jeans – und den ganzen Rest habe ich sinnlos verbraten.»

Ein Jahr später lernte er seine Frau Severina kennen, der er später seinen Hit widmete. Dass sein Durchbruch-Song «Ready for the Ride» überhaupt als Single erschien, verdankte er einem prominenten Fürsprecher:
«Kai Pflaume hatte damals entschieden, dass dies der Titelsong für seine Sendung werden müsse, weil es sein und seiner Frau absoluter Lieblingssong war. Als das Fernsehen anklopfte, hiess es beim Label sofort: ‹Gut, wenn Kai Pflaume das sagt, machen wir das.›»
«Work hard, party hard»: Als im Seefeld Geschichte geschrieben wurde
Mit Christoph Brand, heute CEO des Energiekonzerns Axpo, sass der Mann auf der Bühne, der das Fundament von blue gegossen hat. Als früherer Chef von «The Blue Window» erinnerte er sich lebhaft an die wilden Anfangsjahre an der Zürcher Kreuzstrasse:
«Es war phasenweise das absolute Chaos. Es stimmt wirklich: Techniker schliefen in Hängematten direkt über den Servern, und die Technologie war noch so unausgereift, dass wir Verträge mit Cisco machten, ohne genau zu wissen, wie das am Ende funktionieren würde.»

Gleichzeitig entstand im obersten Stockwerk des Ziegelgebäudes eine Redaktion, die zu einer Zeit, als Verlage das Internet noch belächelten, digitalen Journalismus pionierhaft erfand: Promi-Chats mit fiktiven Päpsten inklusive.
Dass das Start-up damals unter den Fittichen des Monopolisten Swisscom stand, erwies sich als Glücksfall:
«Swisscom realisierte früh: Wenn wir dieses Pflänzchen in Konzernstrukturen pressen, geht es ein. Also liess man uns grosse Freiheiten. Unser Credo war ganz klar: Work hard, party hard. Es wurde unglaublich hart gearbeitet, aber die Feste waren legendär.»
Der Gamechanger Fussball: Champions-League-Jubel bis 2031
Diese Macher-Mentalität zog sich auch durch die späteren Meilensteine. Der entscheidende Schachzug gelang 2006 mit dem Launch von bluewin TV: Der Einstieg in die vollumfängliche Live-Übertragung der Schweizer Super League (und später Challenge League) katapultierte die Marke auf ein völlig neues Level.
2018 folgte der Königstransfer: Teleclub sicherte sich die exklusiven Rechte an der UEFA Champions League und übertrug erstmals sämtliche Partien live. Wo einst Modems pfiffen, brandet heute der Jubel der europäischen Fussballtempel durch die Schweizer Wohnzimmer. blue Sport wurde zum unverzichtbaren Home of Football – ein Status, der mit der jüngsten Rechteverlängerung bis mindestens 2031 zementiert ist. Was wäre blue heute ohne den Fussball? Bestimmt nicht die runde Sache, als die es sich an diesem Jubiläumsabend anfühlte.
Gänsehaut-Finale und eine Sommernacht im SOHO
Dass bei aller Technologie, KI-Innovationen (wie dem hauseigenen «Mai AI») und Business-Reichweiten das Herz der Taktgeber bleibt, bewies der musikalische Schlusspunkt im Kinosaal: Marc Sway brachte den Saal mit «Severina» zum Kochen und holte schliesslich Francine Jordi für ein spontanes Duett auf die Bühne. Als die beiden gemeinsam die berührenden Zeilen von «Din Engel» anstimmten –
«D’Wält staht dir offe, wie nes unbeschribnigs Blatt. Dini Gschicht isch das, was du druus machsch…»
– hielt es niemanden mehr auf den Kinosesseln.

Danach verlagerte sich das Geschehen nahtlos ins benachbarte SOHO. Bei exzellenter Verpflegung, kühlen Drinks und dichtem Gedränge im Fumoir bewiesen die rund 300 Gäste, dass die blue-Crew den Grundsatz ihres Gründervaters nicht verlernt hat: Arbeiten wie die Profis, feiern wie eine Familie.
Blick nach vorn: «Fakten statt Lärm»
Am Rande der Feier traf m&k-Reporter Beat Hürlimann Moderatorin Claudia Lässer zum Gespräch. Auf seine Feststellung, man habe nun 60 Minuten lang auf 30 Jahre zurückgeblickt – da lohne sich doch der 60-Sekunden-Blick 30 Jahre voraus –, formulierte Lässer den Anspruch für die Zukunft von blue News klar:
«Wir wollen weiterhin ein Newsportal bieten mit vertrauenswürdigen Inhalten. In der heutigen Zeit ist das enorm relevant: Fakten statt Lärm. Wir sind alle News-Junkies, aber das Thema Faktenstreue wird in Zukunft noch zentraler werden.»
Auch das Erfolgsrezept für die kommenden Jahrzehnte sieht Lässer in jenem Spirit begründet, den schon Christoph Brand einst vorlebte:
«Dass man ‹work hard and party hard› leben kann, hat uns Christoph Brand mit auf den Weg gegeben. Diesen Spirit haben wir bei blue News bis heute. Wir nennen das ‹Folks-Spirit› – eine Volkssport-Mentalität. Viel Freude bei dem zu haben, was man tut, bringt letztlich den Erfolg.»
Und an die Werbewirtschaft und Mediaplaner gerichtet, ergänzte sie:
«Wir sind ein sehr cooler Brand, mit dem man extrem starkes Storytelling machen kann. Wir setzen uns gerne mit dem Kunden an einen Tisch, kreieren individuelle Geschichten und bieten spannende Werbeplätze mit grosser Reichweite – getragen von einem fantastischen Team.»
Conclusione: 30 Jahre nach dem ersten analogen Modem-Geknatter ist blue ein multimediales Kraftpaket aus News, Sport, Streaming und Cinema. Finanziell gut gepolstert durch die Swisscom-Mutter, vermarktet von Ringier Advertising und getragen von einer coolen, ambitionierten Truppe mit spürbarem Pioniergeist. In einem sich rasant wandelnden Markt gibt es immer Luft nach oben – doch die Weichen für die nächsten 30 Jahre sind gestellt.



