«Wir haben nachgefragt» : Einfach bezahlt, einfach erzählt

TWINT feiert zehn Jahre und will zeigen, wie tief die App im Schweizer Alltag verankert ist. Der Spot «Rebellion» braucht dafür fünfzehn Sekunden, drei Pushnachrichten und keinen Dialog. Unsere beiden Kolumnisten wollten wissen, ob das ankommt.

Bild: Silvan Bohrer

Eine Jugendliche sitzt im Zug, Kopfhörer auf, Blick aus dem Fenster. Auf dem Bild erscheinen drei Nachrichten. 50 Franken von Mami, «Für d’Nachhilf». 50 Franken von Papi, «Für d’Mensa». 100 Franken bezahlt: Konzertticket. Sie lehnt sich zurück und lächelt. Ein Handy sieht man nie.

Das Ziel: Alltag statt Funktionen

Die Jubiläumskampagne hat sich etwas vorgenommen, das sich nicht in einem Satz erklären lässt. Statt einzelne Funktionen zu zeigen, will TWINT zeigen, wie tief die App im Leben der Schweizer Bevölkerung verankert ist. So stand es Ende September hier auf m&k. Die Botschaft: «Twint ist seit zehn Jahren überall dabei.»

Kommt das an?

Wir haben den Spot Deutschschweizerinnen und Deutschschweizern gezeigt. Fragt man direkt, ob der Spot vermittelt, dass TWINT seit zehn Jahren zum Schweizer Alltag gehört, sehen neun von zehn diese Botschaft auf der klaren Seite, mehr als jede dritte Person sogar als äusserst klar.

 

Und als sie den Spot mit elf vorgegebenen Beschreibungen charakterisieren sollten, wählten sie diese am häufigsten: «Zeigt TWINT als selbstverständlichen Teil des Alltags.» Das Ziel der Kampagne, in den Worten des Publikums.

 

 

Ein Wort kommt immer wieder

Aufschlussreicher ist die offene Frage nach der Hauptaussage. Dort fällt ein Wort auffallend oft: einfach. «Mit Twint ist das Leben einfach.» «Bequem Geld jemandem schicken.» «Dass man mit Twint unkompliziert Zahlungen tätigen kann.» Rund ein Drittel der Befragten beschreibt die Botschaft mit Worten wie einfach, bequem, praktisch oder unkompliziert. Eine Person fasst es so zusammen: «Geld kommt an, auch wenn man unterwegs ist, und ohne es gross zu bemerken.»

 

Ohne es zu bemerken: Darin liegt die Verbindung zwischen Produkt und Alltag. Zehn Jahre allein machen eine App nicht selbstverständlich. Selbstverständlich wird sie, wenn das Bezahlen so einfach ist, dass niemand mehr darüber nachdenkt. TWINT formuliert es selbst so: Die App schaffe «durch die einfache Digitalisierung des Alltags» Raum für Geschichten und Erlebnisse. Im Spot ist das zu sehen. Die Zahlung ist eine kurze Einblendung, das Erlebnis ist das Konzert.

 

Die Werbung macht es vor

Bemerkenswert ist, dass die Befragten dem Spot dieselben Eigenschaften zuschreiben wie dem Produkt. «Kurz und verständlich.» «Ist so einfach zum Verstehen.» «Keine Reizüberflutung.» Vier von zehn wählen für den Spot die Beschreibung «leicht verständlich». Und jemand schreibt: «Dass es eher still ist, ohne Worte, aber vieles gesagt wird.»

 

Der Spot erklärt keine Funktion und zeigt keinen Bildschirm. Dass 50 plus 50 genau 100 ergibt, rechnet das Publikum selbst. Die Werbung funktioniert damit so, wie das Produkt funktionieren soll: ohne Anleitung.

 

Was heisst das für die Werbung?

Wer Einfachheit verspricht, muss sie in der Werbung vormachen, nicht erklären. Ob das gelingt, haben wir geprüft: offen fragen, was hängen bleibt, und schauen, ob das Publikum das Versprechen der Marke in eigenen Worten zurückgibt. Bei «Rebellion» ist das der Fall. Das Publikum sagt einfach: einfach. Zehn Jahre, drei Pushnachrichten, kein Wort zu viel. Einfacher lässt sich Einfachheit kaum erzählen.


«Wir haben nachgefragt»

deeptrue ist die Schweizer Anlaufstelle für Marken und Agenturen, die Werbung, Claims, Logos, Produktideen und -konzepte bei ihrer Zielgruppe testen wollen, bevor sie entscheiden. Klaus Ammon und Andreas Logk haben deeptrue gegründet. Klaus Ammon präsidiert den Verwaltungsrat, Andreas Logk führt das Unternehmen als CEO. In «Wir haben nachgefragt» nehmen die beiden regelmässig eine laufende Kampagne unter die Lupe.


Fonti

  1. deeptrue, ‘Advertising Test’ zum Spot «Rebellion» (TWINT, SiR MaRY (Kreation & Media), Dynamic Frame (Film/Foto)), Deutschschweiz, Oktober 2026: https://deeptrue.com Der Test entstand ohne Auftrag, TWINT und die Agentur waren nicht beteiligt.
  2. m&k, «TWINT-Jubiläumskampagne: Zehn Jahre mitten im Alltag», September 2026: https://www.markt-kom.com/kreativity/kampagnen/twint-jubilaeumskampagne-zehn-jahre-mitten-im-alltag/

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