Marcel Rohr wird neuer Chefredaktor der Basler Zeitung

Marcel Rohr wird neuer Chefredaktor der BaZ. Er übernimmt diese Funktion von Markus Somm, der nach einer Auszeit bei Tamedia als Autor tätig sein wird. 

baz

Der heute 51-jährige Rohr war 2005 als Sportchef zur BaZ gestossen; nun ist er zunehmend als Blattmacher tätig, wie Tamedia am Mittwoch mitteilte. Zuvor war Rohr zwölf Jahre beim Blick und Sonntagsblick tätig gewesen, unter anderem als Sportchef. Mit Journalismus begonnen hatte Rohr 1988 bei der Basler Gratis-Wochenzeitung Doppelstab – und zwar am 1. November, also fast auf den Tag genau vor 30 Jahren, wie er gegenüber der Agentur Keystone-SDA präzisierte.

«Wir wollen Leser zurückgewinnen»

Die Wahl des neuen Chefredaktors war mit Interesse erwartet worden, weil Somm in Basel seit seinem Antritt 2010 Reizfigur ist. Neben dem anfänglich verheimlichten BaZ-Käufer Christoph Blocher werden auch die Leitartikel seines Biografen Somm als Grund für den Einbruch der BaZ-Abozahlen gesehen.

Rohr will guten Journalismus ohne Scheuklappen, der links wie rechts genau hinschaut: «Ideologien sind mir ein Gräuel». Zweierlei sei für ihn tabu: langweilig oder unglaubwürdig zu sein. Ersteres war der BaZ vor der Somm-Zeit teils vorgeworfen worden, als sie sich noch als Forumsblatt verstanden hatte.

Man könne es nicht allen recht machen, sagt nun Rohr. Er wolle jedenfalls «Leser zurückgewinnen» und dazu eine «spannende Zeitung» machen. Das könne man mit «guten Geschichten, welche die Leute berühren». Und er wolle das Blatt «verbaslern»: Die Region Basel sei sehr facettenreich und gebe Stoff her aus vielen Lebensbereichen.

Kulturchef Suter geht

Ebenfalls als möglicher künftiger Chefredaktor gehandelt worden war BaZ-Kulturressort-Leiter Raphael Suter. Dieser verlässt nun aber das Blatt und leitet künftig eine Kulturstiftung. Suter habe unabhängig von der Ernennung der neuen Chefredaktion entschieden, nach fast dreissig Jahren Print- und Radiojournalismus eine Chance ausserhalb der Branche wahrzunehmen, hiess es weiter. Wer die Ressortleitung Kultur der BaZ übernimmt, sei noch offen.

Die Wettbewerbskommission hatte Tamedia vor just drei Wochen grünes Licht gegeben für die Übernahme der BaZ, die künftig einen Mantel von Tamedia übernimmt. Vor zwei Tagen hatte Tamedia angekündigt, dass Synergieffekte in Basel 16 Vollstellen kosten werden in Verlag, Corporate Services und Redaktionsservices, aber nicht in der Redaktion.

Lokale Einordnung

Dieser Mantel soll massgeschneidert sein: Laut Tamedia wird die BaZ-Redaktion wie bisher eigenständig aus Basel «über das lokale, regionale und kantonale Geschehen» berichten. Sie werde zudem «an nationaler Ausstrahlung gewinnen», indem sie «die Perspektive beider Basel künftig auch in das Tamedia-Netzwerk einbringt». Umgekehrt werde die BaZ «von der Berichterstattung der gemeinsamen Redaktion Tamedia über nationale und internationale Themen profitieren». Die BaZ werde Manteltexte «aus Basler Sicht einordnen», verspricht das Communiqué weiter.

Tamedia-Verleger Pietro Supino lässt sich mit der Aussage zitieren, er freue sich über die interne Lösung. Man prüfe nun gemeinsam «Möglichkeiten, um den Standort Basel zu stärken». Wie viele Personen heute bei der BaZ-Redaktion angestellt sind, war nicht in Erfahrung zu bringen.

BaZ-Mantel aus Zürich

Tamedia betreibt seit Anfang 2018 zwei überregionale Redaktionen, die den Mantel für diverse Tageszeitungen liefern. Von Zürich aus werden Deutschschweizer Blätter wie der Tages-Anzeiger, der Berner Bund oder die Berner Zeitung BZ bedient. In Lausanne entsteht der Mantel für Tribune de Genève, 24 heures oder Le Matin. Die Basler Zeitung war 1977 durch die Fusion der linksliberalen National-Zeitung mit den bürgerlich-konservativen Basler Nachrichten entstanden. Die eigene Zeitungsdruckerei hatte die BaZ 2013 geschlossen und seither bei Tamedia drucken lassen. Im Internet ist sie im Newsnet-Verbund seit einer Dekade gemeinsam mit Tamedia präsent. (SDA)

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