Tamedia schafft für die Zeitungstitel zwei neue Mantelredaktionen

Tamedia organisiert die Zeitungsredaktionen neu. Zwei neue Redaktionen beliefern die Zeitungstitel mit Inhalten aus Inland, Ausland, Wirtschaft und Sport. Start ist am 1. Januar 2018. Laut einer Mitteilung vom Mittwoch gibt es keine Kündigungen – die Gewerkschaften sind dennoch besorgt.

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Tamedia stellt die Zeitungsredaktionen neu auf. Ziel sei es, die wirtschaftliche und redaktionelle Unabhängigkeit der zwölf bezahlten Tageszeitungen und der beiden Sonntagszeitungen in der Deutschschweiz und der Romandie zu sichern, heisst es in einer Mitteilung. Zudem wolle Tamedia Wachstumschancen im Digitaljournalismus nutzen.

Mit der Einführung der neuen Organisation sind keine Kündigungen verbunden. Alle Mitarbeitenden haben ab 1. Januar 2018 weiterhin eine Aufgabe in einer der Redaktionen.

Ab 1. Januar 2018 werden zwei neue Redaktionen Tamedia in der Deutschschweiz und der Romandie die Inlands-, Auslands-, Wirtschafts- und Sport-Berichterstattung erstellen. Vorgesehen sind Kompetenzzentren in Bern, Lausanne und Zürich. Das Recherchedesk führen die beiden Redaktionen gemeinsam. Die beiden sprachregionalen Redaktionen Tamedia werden mit Mitarbeitenden aus allen Zeitungsredaktionen besetzt und von zwei Chefredaktionen geführt.

Die Kompetenzzentren beliefern die zwölf bezahlten Tageszeitungen und zwei Sonntagszeitungen künftig mit einer Mantelberichterstattung aus den Themenbereichen Inland, Ausland, Wirtschaft und Sport. Start ist am 1. Januar 2018. Grund für die Neuorganisation ist laut Tamedia der starke Rückgang der Werbeumsätze. Laut der Mitteilung sind mit der Einführung der neuen Organisation keine Kündigungen verbunden.

Rutishauser Chefredaktor der Tamedia-Redaktion in der Deutschschweiz

In der Deutschschweiz wird Arthur Rutishauser für die Leitung der Redaktion Tamedia verantwortlich zeichnen. Daneben bleibt er Chefredaktor der SonntagsZeitung. Seine Nachfolge beim Tages-Anzeiger tritt Judith Wittwer an – sie wird ab 1. Januar 2018 Chefredaktorin. Wittwer ist bereits heute Mitglied der Chefredaktion des Tages-Anzeigers.

Ariane Dayer wird Chefredaktorin in der Romandie

In der Romandie wird Ariane Dayer die Führung der Redaktion Tamedia übernehmen. Ariane Dayer ist seit 2010 Chefredaktorin von Le Matin Dimanche und wird diese Funktion weiterhin wahrnehmen. «Die neue Redaktion Tamedia, die sich auf drei in der Romandie verankerte Titel abstützt, bietet die einzigartige Chance, mit Recherche- und Analysekompetenz fundiert und umfassend über das Tagesgeschehen zu berichten», sagt sie in einer Mitteilung.

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Neuer Bereich Editorial Services unter der Leitung von Simon Bärtschi

Von der Umstrukturierung stark betroffen sind die Bereiche Layout, Textproduktion, Bildredaktion, Fotografie und Korrektorat. In der Deutschschweiz werden alle Kompetenzen im neuen Bereich Editorial Services zusammengefasst. Die Leitung übernimmt Simon Bärtschi, bisher Mitglied der Chefredaktion von Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung. Die Organisation der Bereiche Layout, Textproduktion, Bild, Fotografie, Korrektorat sowie weiterer unterstützender Prozesse in der Romandie ist noch offen.

Jede Zeitung mit eigener Redaktion und eigenen Chefredaktionen

Trotz der Nutzung gemeinsamer Kompetenzzentren im überregionalen Bereich bleiben die Tageszeitungen laut Mitteilung eigenständig mit unterschiedlichem Profil, individueller Positionierung und unabhängiger politischer Ausrichtung. Die Chefredaktoren entscheiden gemeinsam mit den Titelredaktionen auf allen Kanälen über die Front, haben die Kommentierungshoheit und erstellen sämtliche lokalen, regionalen und weitere titelspezifische Inhalte aus den bestehenden Standorten heraus. In der Deutschschweiz wird die Redaktion Der Bund weiterhin durch Patrick Feuz geleitet, Peter Jost führt wie bisher die Chefredaktion BZ Berner Zeitung und Benjamin Geiger weiterhin die Redaktionen von Der Landbote, der Zürichsee-Zeitung und des Zürcher Unterländers. In der Romandie wird die Redaktion der Tribune de Genève weiterhin von Pierre Ruetschi geleitet.

Claude Ansermoz wird neuer Chefredaktor von 24 heures

Claude Ansermoz ist als neuer ie Chefredaktor von 24 heures vorgesehen und soll damit die Nachfolge von Thierry Meyer antreten, der das Unternehmen wie bereits kommuniziert verlassen wird.

Claude Ansermoz arbeitet bereits seit 2003 bei 24 heures. In seiner Anfangszeit leitete er das Ressort Politik und Schweiz, danach war er für die Berichterstattung zur Präsidentschaftswahl 2007 als Korrespondent in Frankreich stationiert, ab 2008 war er verantwortlich für das Journal du Samedi von 24 heures. Seit September 2011 ist er stellvertretender Chefredaktor von 24 heures.

Digitale Wachstumschancen nutzen

Mit verschiedenen Massnahmen will Tamedia digitale Wachstumschancen nutzen. Die Zahl der Digitalabonnemente soll durch eine bessere Usability, die automatische Personalisierung von News, neue Angebote wie die 12-App oder Le Matin du Soir, eine bessere Sichtbarkeit der Mehrwerte der Bezahlangebote sowie gezielte Marketing- und Pricing-Initiativen gesteigert werden. Bereits verabschiedet ist eine Wachstumsstrategie im Bereich Video. So wird Tamedia unternehmensweit eine App ausrollen, mit der Videos direkt auf den Smartphones erstellt und sofort auf den Newsplattformen publiziert werden können.

Wachstumschancen sieht Tamedia auch bei hyperlokalen sowie audio-konformen Informationen. Ein Pilotprojekt im Bereich hyperlokale Information soll 2018 gestartet werden. Bereits ab Sonntag, 10. September, werden zudem SonntagsZeitung und Le Matin Dimanche für acht Wochen täglich einen Audio-Artikel zur Verfügung stellen und diesen zusätzlich über die Podcast- Apps in iTunes, Spotify und Deezer verbreiten. Weitere Voice- und Podcast-Angebote sollen folgen. Zudem will Tamedia ihre Kompetenz im Bereich Datenjournalismus weiter ausbauen. In den letzten zwei Jahren wurde bereits in Aus- und Weiterbildungen, Software zur redaktionellen Verarbeitung von grossen Datenmengen und neuen Daten-Spezialisten investiert.

20 Minuten bezieht Sport und liefert Newsexpress

Die Redaktionen von 20 Minuten, in der Romandie mit Le Matin werden lediglich in zwei Punkten mit der Redaktion Tamedia zusammenarbeiten: Das Ressort Sport der Redaktion Tamedia wird die Inhalte für sämtliche Zeitungen inklusive der Titel von 20 Minuten und Le Matin erstellen. Bei 20 Minuten und 20 minutes & Le Matin ist neu der gemeinsame Newsexpress angesiedelt, der alle Newsportale mit Breaking-News, kurzen Agentur-Meldungen, Bildstrecken sowie Live-Tickern versorgt.

Tageszeitungen von Tamedia: mehr Kontakte bei weniger Werbeeinnahmen

Die Mediengruppe Tamedia verlegt zwölf bezahlte Tages- und zwei Sonntagszeitungen in der Deutschschweiz und in der Romandie. Täglich nutzen fast zwei Millionen Menschen in der Schweiz die bezahlten Zeitungen gedruckt oder digital. Während die Zahl der Leserinnen und Leser der Tageszeitungen von Tamedia digital oder gedruckt zugenommen hat, haben die Zeitungen in den letzten vier Jahren ein Viertel ihrer Werbeeinnahmen verloren. Im ersten Halbjahr gingen die Werbeumsätze aller gedruckten Tageszeitungen in der Schweiz erneut stark um 12 Prozent zurück.

«Bei weiter rückläufigen Werbeeinnahmen werden nur diejenigen Tageszeitungen fortbestehen, die Teil eines grösseren Netzwerks sind», sagt Christoph Tonini, Vorsitzender der Unternehmensleitung von Tamedia. «Die Bündelung der Ressourcen ermöglicht – im Gegensatz zur Verzettelung über viele kleine Redaktionen – schlagkräftige Teams mit höherer Dossierkompetenz, mehr Recherchekapazität und die Fähigkeit, neue Kompetenzen und Angebote zu entwickeln.»

Gewerkschaften sehen Vielfalt bedroht

Die Gewerkschaften Impressum und Syndicom zeigten sich am Mittwoch besorgt um die Medienvielfalt in der Schweiz. Für Impressum ist es fraglich, wie die Vielfalt bei einer faktischen Einheitsredaktion tatsächlich umgesetzt werden soll, schreibt der Berufsverband in einer Mitteilung.

Um eine vielfältige Medienlandschaft aufrechtzuerhalten, genüge es nicht, den gleichen Inhalt über verschiedene Titel zu verteilen, findet auch Syndicom. Die Unabhängigkeit der einzelnen Titel müsse garantiert werden – auf allen Kanälen.

Stellenabbau befürchtet

Der Ankündigung von Tamedia, dass es keine Kündigungen geben werde, begegnen beide Gewerkschaften mit Skepsis. Sie warnen vor einem schleichenden Stellenabbau: Dies bedeute einen weiteren «Aderlass» für die «zusammengesparten» Redaktionen und noch mehr Druck für die einzelnen Mitarbeiter.

Die Präsidentin der Personalkommission (Peko) von Tages-Anzeiger und SonntagsZeitung, Andrea Fischer, sagte im Anschluss an eine Mitarbeiterinformation: «Wir nehmen zur Kenntnis, dass es keine Kündigungen geben soll.» Die Frage sei, wie lange diese Zusage gelte. Die Verantwortlichen gingen von freiwilligen Abgängen aus. «Wir werden deshalb sehr gut darauf schauen, dass dies nicht zu einer Überbelastung für die Verbleibenden führt.»

Auch Berner besorgt

Auch das Personal der beiden Berner Tageszeitungen Der Bund und Berner Zeitung BZ glaubt nicht recht, dass der Tamedia-Verlag auch mittel- und langfristig in Bern keine Kündigungen aussprechen will, wie ein Sprecher für beide Personalkommissionen sagte. Das Personal glaube, dass mit der angekündigten Reorganisation der Teppich für spätere Personalsparmassnahmen ausgerollt werde, sagte Jürg Steiner.

Die Mitarbeitenden wollten die Tamedia-Chefetage nun beim Wort nehmen, wenn diese sage, Bund und BZ blieben eigenständige Zeitungen. In Bern sei es vielen ein Anliegen, dass es die beiden Zeitungen weiterhin gebe – auch in der Politik.

Die Gewerkschaften stellen zudem die Strategie des Unternehmens infrage. Der Journalismus sei auf komplett neue Finanzierungsmodelle angewiesen, schreibt Impressum. Das scheine Tamedia noch nicht realisiert zu haben; werde die Reorganisation doch mit wegbrechenden Werbeeinnahmen begründet. (pd/SDA/hae)

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