Radioday: DAB+ und Qualität im Fokus
Ist DAB+ der Ausweg aus dem UKW-Engpass? Wie sollen die Radios mit den Digital Natives umspringen? Und ist die vom RTVG auferlegte Qualitätssicherung bloss eine teure Schickane oder vielleicht doch eine Unterstützung? Am 10. Radioday diskutierte die Radiobranche vielfältige Themen. Nicht immer gab es Antworten.
Am 15. Oktober starten einige Privatradios der Deutschschweiz in die digitale Zukunft – mit DAB+. Angesichts der Entwicklungen im Ausland und dem Trend Richtung Internetradio wollte am Radioday aber niemand von einem historischen Moment reden. «Gleicht der Einstieg bei DAB+ eher der Titanic oder der Mondlandung – ich weiss es nicht», sagte denn auch ein skeptischer Jürg Bachmann, Präsident der Schweizer Privatradios. Doch es gab auch zuversichtliche Stimmen. Etwa Walter Rüegg, Direktor von Radio DRS, der sich als «optimistisch, aber nicht euphorisch» bezeichnete. Denn sein früheres Mittelwelle-Radio Musikwelle, das seit dem Ende des MW-Senders Beromünster auf Kabel und DAB+ sendet, erreicht heute immerhin knapp 250’000 Hörer. Und der Jugendsender Virus, seit jeher nur über Kabel und DAB+ empfangbar, hat 80’000 Hörer. Zudem so Rüegg, seien heute 300’000 Geräte im Markt, die DAB+ empfangen können. Ende Jahr würden es 400’000 sein.
Hoffnungsvoll zeigte sich auch Günter Heuberger, Präsident der Swiss Media Cast, ein Konsortium von DAB-Interessierten (Private und SRG). In der Deutschschweiz sei das DAB+-Netz, das bessere Empfangsqualität und Vielfalt ermögliche, bis Ende 2010 fertig ausgebaut. «Und selbst wenn sich dieser Standard nicht durchsetzen sollte – mit DAB+ werden wir sicher nicht untergehen», sagte er.
Begonnen hatte der Radioday aber mit einer kleinen Provokation: Trotz Gebührensplitting für kleinere Radios unterstütze der Bund die grossen Sendern wirtschaftlich weit mehr als die Kleinen, behauptete Bakom-Direktor Martin Dumermuth in seinem Eingangsreferat. Seine Begründung: «Würden wir Radiofrequenzen wie in der Telekom-Branche dem jeweils meist Bietenden abtreten, erzielte ein grosses Gebiet ohne Gebührensplitting einen höheren Erlös als ein kleines Gebiet mit Splittinganteil.» Da nun aber alle Konzessionäre ihre Radiofrequenz kostenlos erhalten, sei offensichtlich, dass Veranstalter mit grosser Konzession wirtschaftlich stärker profitieren, auch wenn sie kein Gebührensplitting erhalten.
Im weiteren legte der Bakom-Chef dar, dass sein Amt die im RTVG verlangte Qualitätskontrolle zu einem grossen Teil nicht mehr selbst vornehme, sondern an die Radios selbst sowie an aussenstehende Firmen und Universitäten delegiert habe. Diese würden alle zwei Jahre überprüfen, ob die Sender dem Leistungsauftrag des Bundes nachkommen. Diese geschehe durch eine Programmbeobachtung sowie ein Durchleuchten der organisatorischen Strukturen und Arbeitsbedingungen. Die vom Bakom ernannten Evaluationsstellen verfassen danach einen Bericht mit Verbesserungsvorschläge. Innert dreier Monate müssten die Radios dann mitteilen, was sie bis wann umzusetzen gedenken. Sollte sich ein Veranstalter verweigern, könne ihm im schlimmsten Fall die Konzession entzogen werden. «Wir gehen aber davon aus, dass repressive Eingriffe des Bakom die Ausnahme sein werden», sagte Dumermuth. Ob sich das System bewährt, könne man dann am 20. Radioday diskutieren.
Bei den ersten Besuchen in den Radiodeaktionen seien ihr die Radioleute sehr skeptisch begegnet, berichtete später Magalie Modoux von der Westschweizer Evaluationsfirma Certimedia in einer Podiumsdiskussion. «Unser Ziel ist aber keine Kontrolle, sondern eine Unterstützung», sagte sie. Die Radiovertreter auf dem Podium pflichteten ihr bei und bezeichneten die Besuche und Gespräche als «wertvolles Coaching», für das sie allerdings je 15000 Franken aufwerfen müssen. Auf die Kritik, bei den Kontrollen handle es sich bloss um Momentaufnahmen, für die sich die Radios herausputzen können, entgegnete Modoux schlagfertig: «Nein, wir machen nicht nur ein Foto, wir öffnen auch die Schränke.» Ob und wie schnell sich dies allerdings in wahrnehmbare Qualität niederschlagen würde – und damit vielleicht auch in höhere Quoten -, das konnte sie nicht beantworten.
Qualität war auch in anderer Hinsicht ein Thema: Bei der Frage, wie die Radios die so genannten Digital Natives, junge Leuten, die mit digitaler Technik und Internet gross geworden sind, bei der Stange halten können. Professor Urs Gasser von der Harvard University riet den Radios, ihre Inhalte auf verschiedenen Kanälen (UKW, Internet, Podcast) zu verbreiten und Communities aufzubauen. Auch interaktive Elemente seien wichtig, damit die Hörer den Inhalt mitgestalten können. Digital Natives hätten aber bezüglich Informationen einen relativ schlecht ausgebildeten Qualitätssinn. Ein Radio mit Redaktion könne genau hier einhaken und Orientierungshilfen liefern, sofern es auch im Moderatorenteam über starke Persönlichkeiten verfüge. Wenn aber junge Leute die Qualität ihrer Informationen nicht hinterfragen – wie kann ein Radio sie dann redaktionell einbinden, ohne die eigene Glaubwürdigkeit zu verlieren? Auf diese Frage wusste auch Gasser keine Antwort.
Markus Knöpfli
Hoffnungsvoll zeigte sich auch Günter Heuberger, Präsident der Swiss Media Cast, ein Konsortium von DAB-Interessierten (Private und SRG). In der Deutschschweiz sei das DAB+-Netz, das bessere Empfangsqualität und Vielfalt ermögliche, bis Ende 2010 fertig ausgebaut. «Und selbst wenn sich dieser Standard nicht durchsetzen sollte – mit DAB+ werden wir sicher nicht untergehen», sagte er.
Begonnen hatte der Radioday aber mit einer kleinen Provokation: Trotz Gebührensplitting für kleinere Radios unterstütze der Bund die grossen Sendern wirtschaftlich weit mehr als die Kleinen, behauptete Bakom-Direktor Martin Dumermuth in seinem Eingangsreferat. Seine Begründung: «Würden wir Radiofrequenzen wie in der Telekom-Branche dem jeweils meist Bietenden abtreten, erzielte ein grosses Gebiet ohne Gebührensplitting einen höheren Erlös als ein kleines Gebiet mit Splittinganteil.» Da nun aber alle Konzessionäre ihre Radiofrequenz kostenlos erhalten, sei offensichtlich, dass Veranstalter mit grosser Konzession wirtschaftlich stärker profitieren, auch wenn sie kein Gebührensplitting erhalten.
Im weiteren legte der Bakom-Chef dar, dass sein Amt die im RTVG verlangte Qualitätskontrolle zu einem grossen Teil nicht mehr selbst vornehme, sondern an die Radios selbst sowie an aussenstehende Firmen und Universitäten delegiert habe. Diese würden alle zwei Jahre überprüfen, ob die Sender dem Leistungsauftrag des Bundes nachkommen. Diese geschehe durch eine Programmbeobachtung sowie ein Durchleuchten der organisatorischen Strukturen und Arbeitsbedingungen. Die vom Bakom ernannten Evaluationsstellen verfassen danach einen Bericht mit Verbesserungsvorschläge. Innert dreier Monate müssten die Radios dann mitteilen, was sie bis wann umzusetzen gedenken. Sollte sich ein Veranstalter verweigern, könne ihm im schlimmsten Fall die Konzession entzogen werden. «Wir gehen aber davon aus, dass repressive Eingriffe des Bakom die Ausnahme sein werden», sagte Dumermuth. Ob sich das System bewährt, könne man dann am 20. Radioday diskutieren.
Bei den ersten Besuchen in den Radiodeaktionen seien ihr die Radioleute sehr skeptisch begegnet, berichtete später Magalie Modoux von der Westschweizer Evaluationsfirma Certimedia in einer Podiumsdiskussion. «Unser Ziel ist aber keine Kontrolle, sondern eine Unterstützung», sagte sie. Die Radiovertreter auf dem Podium pflichteten ihr bei und bezeichneten die Besuche und Gespräche als «wertvolles Coaching», für das sie allerdings je 15000 Franken aufwerfen müssen. Auf die Kritik, bei den Kontrollen handle es sich bloss um Momentaufnahmen, für die sich die Radios herausputzen können, entgegnete Modoux schlagfertig: «Nein, wir machen nicht nur ein Foto, wir öffnen auch die Schränke.» Ob und wie schnell sich dies allerdings in wahrnehmbare Qualität niederschlagen würde – und damit vielleicht auch in höhere Quoten -, das konnte sie nicht beantworten.
Qualität war auch in anderer Hinsicht ein Thema: Bei der Frage, wie die Radios die so genannten Digital Natives, junge Leuten, die mit digitaler Technik und Internet gross geworden sind, bei der Stange halten können. Professor Urs Gasser von der Harvard University riet den Radios, ihre Inhalte auf verschiedenen Kanälen (UKW, Internet, Podcast) zu verbreiten und Communities aufzubauen. Auch interaktive Elemente seien wichtig, damit die Hörer den Inhalt mitgestalten können. Digital Natives hätten aber bezüglich Informationen einen relativ schlecht ausgebildeten Qualitätssinn. Ein Radio mit Redaktion könne genau hier einhaken und Orientierungshilfen liefern, sofern es auch im Moderatorenteam über starke Persönlichkeiten verfüge. Wenn aber junge Leute die Qualität ihrer Informationen nicht hinterfragen – wie kann ein Radio sie dann redaktionell einbinden, ohne die eigene Glaubwürdigkeit zu verlieren? Auf diese Frage wusste auch Gasser keine Antwort.
Markus Knöpfli
