Kein Verkauf: Ringier behält Népszabadság
Wie der Tages-Anzeiger berichtet, trennt sich Ringier nun doch nicht von der letzten unabhängigen Tageszeitung Ungarns, Népszabadság. Die Gründe sind unklar.
Im September 2012 vermeldete der Tages-Anzeiger, Ringier wolle mit Népszabadság die einzige Qualitätszeitung im ungarischen Portfolio abstossen (Werbewoche.ch berichtete). Brisant war diese Ankündigung, da es sich dabei um die einzige Zeitung handelt, die nicht der Politik der Regierungspartei Fidesz nahe steht, sondern als Sprachrohr der sozialistischen Opposition gilt. Wie der Tages-Anzeiger in der Ausgabe vom Dienstag schreibt, verkauft Ringier nicht, sondern stockt das Kapital der Zeitung um rund drei Millionen Franken auf. Ringier hält rund 70 Prozent des in der Krise steckenden Titels, der Rest gehört der «Stiftung für freie Presse». Während regierungsfreundliche Zeitungen in Ungarn durch Anzeigen staatlicher Institutionen «belohnt» werden, sind die Werbeeinnahmen des Ringier-Blattes dramatisch zurückgegangen.
Da Ringier prinzipiell keine Geschäftsbeziehungen kommentiert, sind die Hintergründe des geplanten, aber nicht durchgeführten Verkaufs unbekannt. Über die Gründe des gescheiterten Verkaufs kann nur gemutmasst werden. Der Tages-Anzeiger sieht einerseits die Möglichkeit, dass die «Stiftung für freie Presse» die finanziellen Mittel für die Übernahme der restlichen Anteile nicht aufbringen konnte. Andererseits wird auch ein befürchteter Imageverlust als möglicher Grund aufgeführt: Als Ringier vor einigen Jahren eine andere grosse liberale Tageszeitung verkauft hatte, landete diese schlussendlich in nationalistischen Händen und dient heute als Plattform für rassistische und antisemitische Kommentare.
