Emek-Präsidentin fordert Reaktion auf Branchenkrise
Die Präsidentin der ausserparlamentarischen Eidgenössischen Medienkommission Emek hat dazu aufgerufen, der Krise der Medien entgegenzuwirken. Die Diskussion über eine direkte Finanzierung der Medien müsse fortgesetzt werden, sagte Anna Jobin am Donnerstag am Swiss Radio Day in Zürich.

Beim Radio Day 2024 sprach Emek-Präsidentin Anna Jobin auch über die zunehmende Entkoppelung von Werbung und Journalismus in der digitalen Ära und die damit verbundenen Herausforderungen für die Schweizer Medienlandschaft. Während Werbung historisch eine wichtige Finanzierungsquelle für Journalismus war, stelle sich heute die Frage, ob diese Rolle in der sich wandelnden Medienwelt weiterhin erfüllt werden kann. Angesichts der jüngsten Entlassungen bei grossen Medienhäusern wie zuletzt Tamedia verdeutlichte Jobin die Notwendigkeit, die Finanzierung des Journalismus neu zu überdenken, um die Medienvielfalt zu sichern (Markt-kom.com berichtete). «Die Situation der Medien wird nicht einfacher werden, man muss reagieren», sagte Jobin. Sie sitzt dem Expert:innenausschuss vor, der den Bundesrat in Medienangelegenheiten berät.
Für die Schweiz, die auf eine direkte Demokratie setzt und mehrmals im Jahr Abstimmungen durchführt, sei eine umfassende und unabhängige Berichterstattung von zentraler Bedeutung. Die Stimmbevölkerung muss ihre Entscheidungen auf der Grundlage optimaler Informiertheit treffen können. Jobin betonte daher die Bedeutung einer flächendeckenden Grundversorgung sowie einer vielfältigen, unabhängigen Medienlandschaft. Sie wies darauf hin, dass die heutigen Konzessionsvergabepraktiken aus einer Zeit stammen, in der sie auf damalige Herausforderungen abzielten.
Angesichts der Verschiebung der Mediennutzung hin zu digitalen Formaten wie Podcasts und Audio-Streams sei es wichtig, die gesetzlichen Rahmenbedingungen neu zu denken, damit die Medien dort verfügbar sind, wo die Menschen sie nutzen. Nur so könne die langfristige Existenz des Journalismus in der Schweiz gesichert werden.
UKW-Ausstieg bereitet der Westschweiz Sorgen
Das wichtigste Treffen der Schweizer Radiobranche beschäftigte sich auch mit dem Ausstieg aus der Radioverbreitung über UKW. Dieser wurde vom Bundesrat auf Ende 2026 festgelegt, wird von der SRG aber bereits auf Ende dieses Jahres vollzogen.
Westschweizer Sendern macht das schnelle Vorgehen Bauchweh. Die Westschweiz «hat ein Problem, und dieses Problem sind die französischen Radiosender», sagte der Präsident der Westschweizer Regionalradios (RRR), Philippe Zahno. Die Sender in der Romandie profitierten nicht vom «sprachlichen Schutz», den der schweizerdeutsche Dialekt gegenüber den deutschen Sendern biete, sagte der Jurassier.
Das kommerzielle Risiko, UKW aufzugeben, sei daher «enorm». Die Hörer:innen könnten sich entscheiden, bei UKW zu bleiben und nur noch französische Radiosender zu hören. «Wir wollen die Frist bis zum Ende ausnutzen. Wir brauchen diese zwei Jahre, um das DAB-Angebot zu verbessern, denn auch die französischen Radiosender werden auf diese Technologie umsteigen», auch wenn die Entwicklung dieses Angebots im Nachbarland langsamer voranschreite.
Zahno erklärte, dass 10 Prozent der Westschweizer Hörer:innen regelmässig und 40 Prozent gelegentlich Radiosender aus Frankreich hören. Rund 15 deutschsprachige Regionalradios, insbesondere die zur CH-Media-Gruppe gehörenden Sender, wollen UKW ebenfalls Ende Jahr abschalten. Ein Dutzend weiterer deutschsprachiger Sender wartet bis Ende 2026. (SDA/bh/swi)
