Alice Weidel kritisiert Blick nach Wohnort-Outing
Blick hat den Schweizer Wohnort der AfD-Politikerin Alice Weidel publik gemacht. Weidel kritisiert die Zeitung nach Drohungen, an der Dufourstrasse will man hingegen nichts von einem Fehlverhalten wissen.

Die umstrittene deutsche Politikerin der Partei Alternative für Deutschland (AfD) zeigt sich in einem Weltwoche-Interview entrüstet über das Verhalten des Blick. «Wie kommen Journalisten dazu, ein Foto meines Hauses zu zeigen und zu schreiben: «Hier wohnt Alice Weidel»?» In der Folge hätte sie Drohungen erhalten und die Polizei einschalten müssen. Besonders stossend findet Weidel, dass das Haus die meiste Zeit von ihrer Frau und ihren Kindern bewohnt werde und sie mehrheitlich gar nicht da wohne.
Auf Anfrage der SonntagsZeitung sieht der Blick wenig Probleme mit dem eigenen Verhalten: «Wieso soll es ein Geheimnis sein, in welcher Schweizer Gemeinde eine deutsche Spitzenpolitikerin wohnt und was der Gemeindepräsident dazu sagt?» – man kenne ja auch von allen Schweizer Politikern den Wohnort.
Weidel wohnte bereits bis November 2018 in der Schweiz, zog aber aus Biel weg, nachdem Zeitungen über ihre Anwesenheit berichteten und sie in der Folge öffentlich schikaniert, angefeindet und bedroht wurde. Im August 2019 berichteten Zeitungen von CH Media über die Rückkehr in die Schweiz – der Journalist verzichtete aber darauf, den genauen Wohnort zu nennen, obwohl er ihn kannte. Wie die SonntagsZeitung schreibt, haben auch andere Zeitungen Kenntnis vom Wohnort Weidels gehabt, hätten aber aufgrund des fehlenden öffentlichen Interesses sowie der Erfahrungen aus Biel auf eine Berichterstattung verzichtet.
Anders der Blick: Die Zeitung sendete eine Journalistin und eine Fotografin, recherchierte im Dorf und publizierte Fotos der Wohnung – sie soll laut SonntagsZeitung aufgrund der modernen Architektur in der Gemeinde «unschwer zu erkennen» sein.
Weidels Vorwürfe an die Boulevardzeitung gehen noch weiter: So sei sie am Tag der Recherche von einer Bäuerin angerufen worden, die sie gewarnt hätte, dass ein Fotograf auf den Schulbus warte, wo der Sohn der Politikerin drin sei. «Frei erfunden» sei das, entgegnet ein Ringier-Konzernsprecher. Bilder vom Schulbus, der Schule oder vom Sohn seien weder entstanden, noch geplant gewesen. Man sehe ausserdem keinen Zusammenhang zwischen der eigenen Berichterstattung und den Drohungen, denen Alice Weidel ausgesetzt ist.
