Zweiter Anlauf

Samuel Helbling über die Nachfolge von Facts-Chef Hannes Britschgi

Samuel Helbling über die Nachfolge von Facts-Chef Hannes BritschgiDie letzte Ölung hatte die Weltwoche schon hinter sich. Sieben Jahre Leserschwund, Besitzerwechsel und zuletzt noch eine Auflage von 85000 Exemplaren, das Schicksal des Traditionstitels schien besiegelt. Facts dagegen – schrill, aggressiv und bunt – segelte auf Erfolgskurs.
Zusammen mit der SonntagsZeitung galt das Nachrichtenmagazin als die erfolgreichste Neulancierung auf dem Schweizer Pressemarkt.
Inzwischen steht Facts am Abgrund, und als Folge davon ist Chefredaktor Hannes Britschgi in die Wüste geschickt worden. Wegen
«unterschiedlicher Auffassungen über die Weiterentwicklung», wie es im dürren Tamedia-Communiqué heisst. Tags darauf schreibt der
Tages-Anzeiger zu Recht, dass es Britschgi nicht geschafft habe,
Facts ein überzeugendes, attraktives Profil zu geben.
Zu Beginn lebte das Newsmagazin vom Punch, den abtrünnige
Weltwoche-Redaktoren ins Blatt brachten. Der zum Chefredaktor ad interim ernannte Stefan Barmettler ist einer von ihnen. Ob er als
Mann der Kontinuität und des Vertrauens genügend Ideen und
konzeptionelle Power für eine Neupositionierung des Titels hat, muss er jetzt beweisen. Unterdessen wird sich das Kandidatenkarussell weiterdrehen. Allein Tamedia-intern gäbe es schon zwei valable Kandidaten: Einmal Res Strehle, Chefredaktor des Magazins, der als Nachfolger von Roger Köppel die Samstagsbeilage des Tages-Anzeigers souverän weiterentwickelte und ihr neuen Drive gab. Aber auch Roger de Weck, der als Beirat respektive «Chefredaktor ohne Funktion» mit seinen Kommentaren omnipräsent ist und für deutsche, französische und Schweizer Blätter schreibt. Als Ex-Chef von Tages-Anzeiger und Die Zeit verfügt er zudem über ein gutes Netzwerk, Management- und
Führungserfahrung wie nur wenige Publizisten. Der Stachel, dass Roger Köppel von der Zeit zum «grössten Talent des Schweizer Journalismus» gekürt wurde, dürfte noch tief sitzen und den Ehrgeiz des Grandseigneurs zusätzlich anspornen, nochmals in die Niederungen der Redaktion
abzusteigen.
> Samuel Helbling, Chefredaktor

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