Zürcher Journalistenpreis 2011 verliehen

Am Dienstagabend wurde im Casinotheater Winterthur der 31. Zürcher Journalistenpreis verliehen. Die vier mit je 10‘000 Franken dotierten Auszeichnungen gingen an Medienschaffende des Tagesanzeigers, des Beobachters sowie des Landboten.

Der Preis für das Gesamtwerk erhielt Michael Meier (Tagesanzeiger) für seine Berichterstattung zum Thema Religionen. Meier (Bild) schreibt seit bald 25 Jahren als Fachjournalist beim Tagesanzeiger über Religion und Gesellschaft. «In seinem Fach ist er ein Kulturkritiker im besten Sinn des Wortes», heisst es in der Laudatio von Jury-Mitglied Marco Meier (Radio DRS). Er kläre auf, indem er Sachverhalte nicht nur beschreibe, sondern sie auch unermüdlich einordne. Er lese die Zeichen der Zeit mit Blick in die Zukunft, würdigt Laudator Marco Meier.

Die Siegerinnen in der Kategorie Zeitung heissen Dagmar Appelt und Katharina Baumann. Sie wurden für ihre aufwändigen im Landboten veröffentlichten Artikelreihen «Leos Weg in die Freiheit, Armut in Winterthur» ausgezeichnet. Die beiden Preisträgerinnen arbeiten für den Landboten, eine vergleichsweise kleine Regionalzeitung, die den Mut hat und die Ressourcen bereitstellt, solche fundierten Artikelreihen möglich zu machen, wie Jury-Mitglied Andrea Masüger (Südostschweiz) in seiner Würdigung festhielt.

In der Kategorie Zeitschrift überzeugten Otto Hostettler und Dominique Strebel mit ihrem Beitrag «Ein dunkles Kapitel». Den Autoren sei das gelungen, worauf Journalismus im besten Falle abziele, sagte Jury-Mitglied Susanne Mühlemann (Bilanz). Der in der Beobachter-Ausgabe vom 3. September 2010 publizierte Artikel über Heim- und Verdingkinder, Jugendliche aus ungeordneten oder schwierigen Familienverhältnissen, die von Behörden für unbestimmte Zeit ins Gefängnis oder in geschlossene Anstalten gesteckt wurden, gehe unter die Haut. «Strebel und Hostettler haben mitgeholfen, einen Missstand aufzudecken und Wiedergutmachung einzufordern», würdigte Mühlemann. Der Artikel habe zudem Wirkung gezeigt, in dem er zu einer offiziellen Entschuldigung durch die Behörden führte und in einen politischen Prozess mündete.

Maurice Thiriet gewann in der Kategorie Nachwuchs mit seinem Artikel «Die eingebildete Astronautin» (Tagesanzeiger, 17. August 2010). Er habe sich nicht von forschen Aussagen blenden lassen, die im heutigen Medienbetrieb gerne gemacht würden, lobte Jury-Präsident Fredy Gsteiger (Radio DRS) in seiner Laudatio. Die attraktive Geschichte einer jungen Frau aus dem Toggenburg, die es zu Nasa-Astronautin geschafft hat, haben viele bereitwillig nacherzählt. Thiriet hingegen ging der Sache auf den Grund und entlarvte im Tagesanzeiger die «stratosphärische» Story.

Die ausgezeichneten Arbeiten hat die Jury aus 120 Einsendungen ausgewählt. An der Feier zur Preisverleihung nahmen zahlreiche prominente Gäste aus Wirtschaft, Medien und Politik teil. Vor der Würdigung der Arbeiten und des Gesamtwerks durch die Jury referierte Urs Rohner, seit Ende April Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse. Den satirischen Schlusspunkt des Anlasses setzte der Kabarettist Lorenz Keiser

Biographien, Texte und die Laudationes finden sich in der Broschüre zur Preisverleihung 2011: Zh-journalistenpreis.ch/pdf/2011/ZJP_11.pdf.
 

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