Wohl kalkulierte Dosis Transparenz
Weitherum Erleichterung über das neue, breit gestreute Aktionariat der Jean Frey AG
Weitherum Erleichterung über das neue, breit gestreute Aktionariat der Jean Frey AGVon Markus Knöpfli Nach der Bekanntgabe der meisten Jean-Frey-Investoren herrscht beim Beobachter gespannte Ruhe. In den anderen Redaktionsstuben der Jean Frey AG ist man zwar erleichtert, aber noch wortkarg. Mediafachleute sind zufrieden, jedoch auch überrascht über die Investorentransparenz.
Christoph Richterich, VR-Präsident der Jean Frey AG, wollte gegenüber der WerbeWoche die aktuelle Situation in seiner Firma nicht kommentieren. Fest steht gemäss Swissfirst-Communiqué nur, dass er innerhalb der nächsten zwei Monate eine Aktionärsversammlung durchführen wird, an der der Verwaltungsrat definitiv bestellt wird.
Auch CEO Filippo Leutenegger blieb an seinem ersten offiziellen Arbeitstag eher vage. Nach den Kündigungen und den darauf erfolgten sofortigen Freistellungen von Beobachter-Chefredaktor Ivo Bachmann, Beratungsdienst-Leiter Philippe Ruedin und Redaktor Adrian Schmid könne er zwar weitere Abgänge nicht ausschliessen. Aber es gehe jetzt darum, «in die Zukunft zu schauen und das Vertrauen zu reaktivieren», zumal die neuen Investoren die Unabhängigkeit der Jean-Frey-Titel nicht behindern würden. Auch sei er unbefangen, denn «die Explosion beim Beobachter» gehe primär auf die Vergangenheit zurück. Leutenegger: «Es gab offenbar Versprechen, die nicht eingehalten wurden.»
Als sein derzeit dringendstes Problem nannte er die Nachfolgeregelung beim Beobachter. Dazu sei er mit der Redaktion im Gespräch, wollte aber nicht sagen, ob auch der bisherige CR-Stellvertreter Fredi Lüthin einbezogen sei. Ebenso wenig liess er sich zu seinem weiteren «Programm» in die Karten blicken.
Wie aber steht es um die 20 Prozent, die gemäss Gerüchten beim Beobachter-Budget eingespart werden müssen? Leutenegger winkt ab: Tatsache sei, dass sich die Jean Frey AG derzeit von der Basler Mediengruppe ablöse und deshalb alle Abläufe, Kosten und Erträge überprüft würden. Investitionen, auch beim Beobachter, seien aber nicht ausgeschlossen, sagte er.
In der Beobachter-Redaktion wartet man ab. Ob der Investorenliste habe man sich «die Augen gerieben», sagte ein Redaktor gegenüber der SDA. Von «gedämpftem Optimismus» bei Weltwoche und Bilanz war in Presseberichten die Rede. «Die Stimmung bei uns ist o.k.», sagt dagegen TR7-Verlagsleiter Sandro Rüegger. «Wir wissen jetzt, wer an uns glaubt.» Das sei eine gute Ausgangslage zum Arbeiten.
Positiv wird die neue Situation vor allem von Mediafachleu-
ten beurteilt. «Erleichtert» äusserte sich m&m-Geschäftsführerin Maike Juchler über die breite Aktionärsstreuung, Andy Lehmann (Mediahaus Seefeld) zeigte sich «sehr beruhigt über so viel Transparenz», und Urs Renner (The Media Edge) sieht die Unabhängigkeit der Jean-Frey-Titel nicht gefährdet. Monica Jäggi (Konnex) wertet aber die Rechtslastigkeit mancher Investoren als problematisch für das Image von Beobachter und Weltwoche. Positiv vermerkt sie, dass mit Charles von Graffenried und Heinz Wermelinger Personen aus der Medienbranche eingestiegen sind.
Gerechnet wird auch mit einem neuen Konsumentenmagazin
Das alles findet Robert C. Baier (MediaBaier) zwar «interessant und überraschend», dennoch sieht er über der Jean Frey AG und ihrem «Goldeseli» Beobachter eine dunkle Wolke aufziehen: wenn Ringier ein Konsumentenmagazin auf die Beine stellen sollte, womit Baier fest und bald rechnet. Juchler hingegen glaubt nicht an etwas Kurzfristiges aus dem Hause Ringier. Sie bangt eher um die Weltwoche, die nach dem Relaunch am 8. Mai bis Ende Jahr zeigen müsse, was noch in ihr steckt, «sonst sehe ich für sie schwarz».
Unterschiedlich wird die Haltung der Werbetreibenden eingeschätzt. Diese würden eher längerfristig denken und seien ob der Turbulenzen bei Jean Frey «weniger nervös als die Mediaszene», sagt Lehmann. Punkto Beobachter gibt ihm Renner Recht, nicht aber bei der Weltwoche: «Sie litt unter den Wirren und dem verschobenen Relaunch», sagt er. Dem pflichten Juchler und Jäggi bei.
Das sind die Jean-Frey-Investoren Gemäss Swissfirst Bank ist der Financier Tito Tettamanti mit 25 Prozent der grösste Einzelaktionär bei der Jean Frey AG. 10 Prozent hält die CM Crossmedia AG in Luzern (Chef: Heinz Wermelinger). Weitere 45 Prozent, in Tranchen von je höchstens 5 Prozent, halten: Charles von Graffenried, Bern; Peter Weigelt, Mörschwil; Hans Kaufmann, Wettswil; Altamira Holding, Zug; Aleardo Buzzi und Heinrich Sundmeyer, beide Monte Carlo; Ralph Klingler, Flawil; Pierre Mirabaud, Founex; Jörg Rappold, Küsnacht; Elisabeth Schulz, Wien; Alfred Wiederkehr, Zürich; sowie 34 Organe und Mitglieder der Jean Frey AG. Die Eigentümer der restlichen 20 Prozent bleiben anonym, gemäss Swissfirst hält aber keiner von ihnen «eine namhafte Position».
Insgesamt wurden zwei Millionen Aktien à 51 Franken Nennwert platziert, das gezeichnete Kapital beträgt somit 102 Millionen Franken, eine Kapitalerhöhung von 25,5 Millionen Franken inklusive. Diese stellt gemäss Swissfirst sicher, dass genügend Mittel «unter anderem für den Relaunch der Weltwoche» bereitstehen. Die Basler Mediengruppe dürfte somit 76,5 Millionen Franken erhalten haben, was allerdings nicht bestätigt wurde.
Christoph Richterich, VR-Präsident der Jean Frey AG, wollte gegenüber der WerbeWoche die aktuelle Situation in seiner Firma nicht kommentieren. Fest steht gemäss Swissfirst-Communiqué nur, dass er innerhalb der nächsten zwei Monate eine Aktionärsversammlung durchführen wird, an der der Verwaltungsrat definitiv bestellt wird.
Auch CEO Filippo Leutenegger blieb an seinem ersten offiziellen Arbeitstag eher vage. Nach den Kündigungen und den darauf erfolgten sofortigen Freistellungen von Beobachter-Chefredaktor Ivo Bachmann, Beratungsdienst-Leiter Philippe Ruedin und Redaktor Adrian Schmid könne er zwar weitere Abgänge nicht ausschliessen. Aber es gehe jetzt darum, «in die Zukunft zu schauen und das Vertrauen zu reaktivieren», zumal die neuen Investoren die Unabhängigkeit der Jean-Frey-Titel nicht behindern würden. Auch sei er unbefangen, denn «die Explosion beim Beobachter» gehe primär auf die Vergangenheit zurück. Leutenegger: «Es gab offenbar Versprechen, die nicht eingehalten wurden.»
Als sein derzeit dringendstes Problem nannte er die Nachfolgeregelung beim Beobachter. Dazu sei er mit der Redaktion im Gespräch, wollte aber nicht sagen, ob auch der bisherige CR-Stellvertreter Fredi Lüthin einbezogen sei. Ebenso wenig liess er sich zu seinem weiteren «Programm» in die Karten blicken.
Wie aber steht es um die 20 Prozent, die gemäss Gerüchten beim Beobachter-Budget eingespart werden müssen? Leutenegger winkt ab: Tatsache sei, dass sich die Jean Frey AG derzeit von der Basler Mediengruppe ablöse und deshalb alle Abläufe, Kosten und Erträge überprüft würden. Investitionen, auch beim Beobachter, seien aber nicht ausgeschlossen, sagte er.
In der Beobachter-Redaktion wartet man ab. Ob der Investorenliste habe man sich «die Augen gerieben», sagte ein Redaktor gegenüber der SDA. Von «gedämpftem Optimismus» bei Weltwoche und Bilanz war in Presseberichten die Rede. «Die Stimmung bei uns ist o.k.», sagt dagegen TR7-Verlagsleiter Sandro Rüegger. «Wir wissen jetzt, wer an uns glaubt.» Das sei eine gute Ausgangslage zum Arbeiten.
Positiv wird die neue Situation vor allem von Mediafachleu-
ten beurteilt. «Erleichtert» äusserte sich m&m-Geschäftsführerin Maike Juchler über die breite Aktionärsstreuung, Andy Lehmann (Mediahaus Seefeld) zeigte sich «sehr beruhigt über so viel Transparenz», und Urs Renner (The Media Edge) sieht die Unabhängigkeit der Jean-Frey-Titel nicht gefährdet. Monica Jäggi (Konnex) wertet aber die Rechtslastigkeit mancher Investoren als problematisch für das Image von Beobachter und Weltwoche. Positiv vermerkt sie, dass mit Charles von Graffenried und Heinz Wermelinger Personen aus der Medienbranche eingestiegen sind.
Gerechnet wird auch mit einem neuen Konsumentenmagazin
Das alles findet Robert C. Baier (MediaBaier) zwar «interessant und überraschend», dennoch sieht er über der Jean Frey AG und ihrem «Goldeseli» Beobachter eine dunkle Wolke aufziehen: wenn Ringier ein Konsumentenmagazin auf die Beine stellen sollte, womit Baier fest und bald rechnet. Juchler hingegen glaubt nicht an etwas Kurzfristiges aus dem Hause Ringier. Sie bangt eher um die Weltwoche, die nach dem Relaunch am 8. Mai bis Ende Jahr zeigen müsse, was noch in ihr steckt, «sonst sehe ich für sie schwarz».
Unterschiedlich wird die Haltung der Werbetreibenden eingeschätzt. Diese würden eher längerfristig denken und seien ob der Turbulenzen bei Jean Frey «weniger nervös als die Mediaszene», sagt Lehmann. Punkto Beobachter gibt ihm Renner Recht, nicht aber bei der Weltwoche: «Sie litt unter den Wirren und dem verschobenen Relaunch», sagt er. Dem pflichten Juchler und Jäggi bei.
Das sind die Jean-Frey-Investoren Gemäss Swissfirst Bank ist der Financier Tito Tettamanti mit 25 Prozent der grösste Einzelaktionär bei der Jean Frey AG. 10 Prozent hält die CM Crossmedia AG in Luzern (Chef: Heinz Wermelinger). Weitere 45 Prozent, in Tranchen von je höchstens 5 Prozent, halten: Charles von Graffenried, Bern; Peter Weigelt, Mörschwil; Hans Kaufmann, Wettswil; Altamira Holding, Zug; Aleardo Buzzi und Heinrich Sundmeyer, beide Monte Carlo; Ralph Klingler, Flawil; Pierre Mirabaud, Founex; Jörg Rappold, Küsnacht; Elisabeth Schulz, Wien; Alfred Wiederkehr, Zürich; sowie 34 Organe und Mitglieder der Jean Frey AG. Die Eigentümer der restlichen 20 Prozent bleiben anonym, gemäss Swissfirst hält aber keiner von ihnen «eine namhafte Position».
Insgesamt wurden zwei Millionen Aktien à 51 Franken Nennwert platziert, das gezeichnete Kapital beträgt somit 102 Millionen Franken, eine Kapitalerhöhung von 25,5 Millionen Franken inklusive. Diese stellt gemäss Swissfirst sicher, dass genügend Mittel «unter anderem für den Relaunch der Weltwoche» bereitstehen. Die Basler Mediengruppe dürfte somit 76,5 Millionen Franken erhalten haben, was allerdings nicht bestätigt wurde.
