«Wir stellen eine enorme Steigerung des Interesses fest»
Lucia Degonda über die vfg. und ihre Werkschau «The Selection vfg.»
Lucia Degonda über die vfg. und ihre Werkschau «The Selection vfg.»Zum dritten Mal schreibt die vfg. vereinigung fotografischer gestalterInnen «The Selection vfg.» aus. Zu dieser Werkschau sind alle fotografischen Arbeiten von Berufsfotografinnen und -fotografen zugelassen, die im Jahr 2000 in der Schweiz oder im Ausland veröffentlicht wurden. Dem Gewinner der Ausschreibung winkt der mit 10000 Franken dotierte Magazin-Fotopreis. vfg.-Mitglied Lucia Degonda lädt insbesondere Werbefotografinnen und -fotografen zur Teilnahme ein. Welche Ziele verfolgt Ihre Vereinigung?
Lucia Degonda: Die vfg. vereinigung fotografischer gestalterInnen wurde 1995 ins Leben gerufen mit dem Ziel, ein Forum für Berufsleute zu schaffen. Im Moment gehören ihr etwa 90 Fotografinnen und Fotografen an, die in der Werbe-, der redaktionellen oder der Kunstfotografie tätig sind. Die vfg. ist die erste Vereinigung, die das gesamte Berufsspektrum umfasst. Im beruflichen Alltag vermischen sich diese Disziplinen mehr und mehr: Reportagefotografen werden angefragt, Werbekampagnen zu fotografieren, Modefotografen auf Reportagen angesetzt. Die Sparten sind nicht mehr klar auseinander zu halten. Deshalb erachteten wir es als sinnvoll, eine Vereinigung zu schaffen, die für alle diese fotografischen Disziplinen einsteht.
Welche konkreten Leistungen erbringt die vfg.?
Degonda: Durch regelmässig stattfindende Bildersoirées animieren wir den Austausch und die Begegnung unter den Fotografinnen und Fotografen. Dann fördern wir die junge Fotografie mit dem vfg.-Nachwuchsförderpreis für Lehrlinge, Studentinnen und Studenten der Fotografie, Autodidakten sowie junge Berufsleute und organisieren Vorträge und Referate, die verschiedene Bereiche der Fotografie beleuchten, wie etwa ihre Geschichte oder das Menschenbild in der Werbefotografie. Ausserdem führen wir weiterbildende praxisorientierte Workshops nach den Bedürfnissen der Berufsleute durch und bieten den Mitgliedern in Zusammenarbeit mit swissartwork einen eigenen Internetauftritt an.
Welches Ziel verfolgt «The Selection vfg.»?
Degonda: «The Selection vfg.» will ein Bild der Schweizer Berufsfotografie vermitteln, deren Stellung und Wert aufzeigen. Die Idee, eine Auswahlschau der Schweizer Berufsfotografie zu schaffen, war bereits bei der Gründung der vfg. existent. Das Projekt wird von einem Team der vfg. und dem Büro für Kulturmanagement d.o.k. organisiert. Das vfg.-Team bestimmt die inhaltliche Ausrichtung so, dass sie der Berufsfotografie von Nutzen ist. Dem Büro d.o.k. obliegt die Koordination, Organisation und Projektleitung der Veranstaltung. «The Selection vfg.» findet jährlich statt und soll ein Zeitdokument der Berufsfotografie werden.
Seit wann gibt es «The Selection vfg.»?
Degonda: «The Selection vfg.» wird zum dritten Mal durchgeführt. Wir stellen eine enorme Steigerung des Interesses fest: Während im ersten Jahr noch an die 100 Arbeiten eingingen, hatte die Jury im vergangenen Jahr bereits nahezu 300 Arbeiten zu beurteilen. Die selektionierten Arbeiten werden in einer Ausstellung in Zürich und weiteren Schweizer Städten gezeigt und in einem Katalog dokumentiert. Unser Ziel ist es, dass dieses Werkbuch wie etwa der Keystone-Bildkatalog in jeder Werbeagentur und Bildredaktion steht. Der Katalog soll kein Kunstbuch sein, sondern ein Nachschlagewerk, das man benutzt.
Welche Beurteilungskriterien wenden die Juroren an?
Degonda: Die vfg. hat absolut keinen Einfluss auf die Jurierung, sondern lediglich auf die Zusammensetzung der Jury. Ihr gehören Fotografen, Werberinnen, Bildredaktoren und Kunsthistorikerinnen an, die aus möglichst allen Landesteilen sowie aus dem Ausland kommen. Man kann die Schweizer Berufsfotografie nicht isoliert vom Ausland betrachten, da viele von uns mit ausländischen Auftraggebern zusammenarbeiten. Sie will man mit einbeziehen, weil ihr Urteil relevant ist.
Welche Rolle spielt das Bundesamt für Kultur?
Degonda: Das Bundesamt für Kultur hat das Patronat über «The Selection vfg.» übernommen. Für den letztjährigen Katalog wurde uns ein Startkredit gewährt. Dieses Jahr findet eine Zusammenarbeit etwa im Rahmen der Wanderausstellung statt, die wir in Lausanne, Basel, Chur und eventuell im Tessin zeigen möchten.
Was hat «The Selection vfg.» mit der Fotonacht des Magazins zu tun?
Degonda: Ich muss das vielleicht von der Geschichte her erklären. Mit der Idee «The Selection vfg.» haben wir während eines Jahres ohne Erfolg Partner in der Fotobranche gesucht. Danach gelangten wir gemeinsam mit dem Büro d.o.k. an Das Magazin und schlugen «The Selection vfg.» als Inhalt für die Magazin-Fotonacht vor. Tamedia und Das Magazin, das neue Sichtweisen der Schweizer Fotografie fördert, unterstützten diese Idee. Das Magazin investierte massiv in die Kommunikation von «The Selection vfg.», was sicher ein Grund für die rasche Etablierung der Auswahlschau ist. Zudem stiftet Das Magazin einen mit 10000 Franken dotierten Fotopreis, der jeweils einem von der Jury selektionierten Teilnehmer zuerkannt wird.
Wie ist es um das Ansehen der Schweizer Auftragsfotografie bestellt?
Degonda: Die Fotografie hat in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren allgemein an Bedeutung gewonnen. Vor allem die Kunstfotografie. Nachdem dieser Aufschwung in den USA bereits seit längerer Zeit feststellbar war, hat die Fotografie nun auch in der europäischen Kunstwelt einen festen Wert bekommen. Die angewandte Berufsfotografie hingegen, die im Kontext mit Produkten entsteht und die sich mit dem Alltag befasst, wird weniger stark wahrgenommen, obwohl gerade in diesem Bereich viel Grossartiges geleistet wird. Es ist uns ein Anliegen, dass man auch diesen Teil der fotografischen Gestaltung gemeinhin wahrnimmt.
Welchen fotografischen Stil pflegen Sie?
Degonda: Ich habe sehr breite fotografische Interessen. Seit 14 Jahren arbeite ich als selbstständige Fotografin. Früher war ich vor allem im redaktionellen Bereich tätig, heute fotografiere ich für Architekten und Spitäler, aber auch Landschaften, und ich mache Porträts. Zudem unterrichte ich Fotografie an der Schule für Gestaltung und Kunst in Zürich und am MAZ in Luzern, und wie viele andere Fotografen und Fotografinnen habe auch ich ein persönliches Thema: Ich fotografiere Berge. Interview: Ernst Weber
Lucia Degonda: Die vfg. vereinigung fotografischer gestalterInnen wurde 1995 ins Leben gerufen mit dem Ziel, ein Forum für Berufsleute zu schaffen. Im Moment gehören ihr etwa 90 Fotografinnen und Fotografen an, die in der Werbe-, der redaktionellen oder der Kunstfotografie tätig sind. Die vfg. ist die erste Vereinigung, die das gesamte Berufsspektrum umfasst. Im beruflichen Alltag vermischen sich diese Disziplinen mehr und mehr: Reportagefotografen werden angefragt, Werbekampagnen zu fotografieren, Modefotografen auf Reportagen angesetzt. Die Sparten sind nicht mehr klar auseinander zu halten. Deshalb erachteten wir es als sinnvoll, eine Vereinigung zu schaffen, die für alle diese fotografischen Disziplinen einsteht.
Welche konkreten Leistungen erbringt die vfg.?
Degonda: Durch regelmässig stattfindende Bildersoirées animieren wir den Austausch und die Begegnung unter den Fotografinnen und Fotografen. Dann fördern wir die junge Fotografie mit dem vfg.-Nachwuchsförderpreis für Lehrlinge, Studentinnen und Studenten der Fotografie, Autodidakten sowie junge Berufsleute und organisieren Vorträge und Referate, die verschiedene Bereiche der Fotografie beleuchten, wie etwa ihre Geschichte oder das Menschenbild in der Werbefotografie. Ausserdem führen wir weiterbildende praxisorientierte Workshops nach den Bedürfnissen der Berufsleute durch und bieten den Mitgliedern in Zusammenarbeit mit swissartwork einen eigenen Internetauftritt an.
Welches Ziel verfolgt «The Selection vfg.»?
Degonda: «The Selection vfg.» will ein Bild der Schweizer Berufsfotografie vermitteln, deren Stellung und Wert aufzeigen. Die Idee, eine Auswahlschau der Schweizer Berufsfotografie zu schaffen, war bereits bei der Gründung der vfg. existent. Das Projekt wird von einem Team der vfg. und dem Büro für Kulturmanagement d.o.k. organisiert. Das vfg.-Team bestimmt die inhaltliche Ausrichtung so, dass sie der Berufsfotografie von Nutzen ist. Dem Büro d.o.k. obliegt die Koordination, Organisation und Projektleitung der Veranstaltung. «The Selection vfg.» findet jährlich statt und soll ein Zeitdokument der Berufsfotografie werden.
Seit wann gibt es «The Selection vfg.»?
Degonda: «The Selection vfg.» wird zum dritten Mal durchgeführt. Wir stellen eine enorme Steigerung des Interesses fest: Während im ersten Jahr noch an die 100 Arbeiten eingingen, hatte die Jury im vergangenen Jahr bereits nahezu 300 Arbeiten zu beurteilen. Die selektionierten Arbeiten werden in einer Ausstellung in Zürich und weiteren Schweizer Städten gezeigt und in einem Katalog dokumentiert. Unser Ziel ist es, dass dieses Werkbuch wie etwa der Keystone-Bildkatalog in jeder Werbeagentur und Bildredaktion steht. Der Katalog soll kein Kunstbuch sein, sondern ein Nachschlagewerk, das man benutzt.
Welche Beurteilungskriterien wenden die Juroren an?
Degonda: Die vfg. hat absolut keinen Einfluss auf die Jurierung, sondern lediglich auf die Zusammensetzung der Jury. Ihr gehören Fotografen, Werberinnen, Bildredaktoren und Kunsthistorikerinnen an, die aus möglichst allen Landesteilen sowie aus dem Ausland kommen. Man kann die Schweizer Berufsfotografie nicht isoliert vom Ausland betrachten, da viele von uns mit ausländischen Auftraggebern zusammenarbeiten. Sie will man mit einbeziehen, weil ihr Urteil relevant ist.
Welche Rolle spielt das Bundesamt für Kultur?
Degonda: Das Bundesamt für Kultur hat das Patronat über «The Selection vfg.» übernommen. Für den letztjährigen Katalog wurde uns ein Startkredit gewährt. Dieses Jahr findet eine Zusammenarbeit etwa im Rahmen der Wanderausstellung statt, die wir in Lausanne, Basel, Chur und eventuell im Tessin zeigen möchten.
Was hat «The Selection vfg.» mit der Fotonacht des Magazins zu tun?
Degonda: Ich muss das vielleicht von der Geschichte her erklären. Mit der Idee «The Selection vfg.» haben wir während eines Jahres ohne Erfolg Partner in der Fotobranche gesucht. Danach gelangten wir gemeinsam mit dem Büro d.o.k. an Das Magazin und schlugen «The Selection vfg.» als Inhalt für die Magazin-Fotonacht vor. Tamedia und Das Magazin, das neue Sichtweisen der Schweizer Fotografie fördert, unterstützten diese Idee. Das Magazin investierte massiv in die Kommunikation von «The Selection vfg.», was sicher ein Grund für die rasche Etablierung der Auswahlschau ist. Zudem stiftet Das Magazin einen mit 10000 Franken dotierten Fotopreis, der jeweils einem von der Jury selektionierten Teilnehmer zuerkannt wird.
Wie ist es um das Ansehen der Schweizer Auftragsfotografie bestellt?
Degonda: Die Fotografie hat in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren allgemein an Bedeutung gewonnen. Vor allem die Kunstfotografie. Nachdem dieser Aufschwung in den USA bereits seit längerer Zeit feststellbar war, hat die Fotografie nun auch in der europäischen Kunstwelt einen festen Wert bekommen. Die angewandte Berufsfotografie hingegen, die im Kontext mit Produkten entsteht und die sich mit dem Alltag befasst, wird weniger stark wahrgenommen, obwohl gerade in diesem Bereich viel Grossartiges geleistet wird. Es ist uns ein Anliegen, dass man auch diesen Teil der fotografischen Gestaltung gemeinhin wahrnimmt.
Welchen fotografischen Stil pflegen Sie?
Degonda: Ich habe sehr breite fotografische Interessen. Seit 14 Jahren arbeite ich als selbstständige Fotografin. Früher war ich vor allem im redaktionellen Bereich tätig, heute fotografiere ich für Architekten und Spitäler, aber auch Landschaften, und ich mache Porträts. Zudem unterrichte ich Fotografie an der Schule für Gestaltung und Kunst in Zürich und am MAZ in Luzern, und wie viele andere Fotografen und Fotografinnen habe auch ich ein persönliches Thema: Ich fotografiere Berge. Interview: Ernst Weber
