Wider die Barrieren
René Worni über den Abschied von der radiophonen Völkerverbindung.
René Worni über den Abschied von der radiophonen Völkerverbindung.
Der Zürcher Radiokrieg hat Natalie Rickli aufgeschreckt. Rickli ist neugewählte Winterthurer SVP-Nationalrätin und macht sich Sorgen um die Vielfalt radiophoner Versorgung unter dem neuen Radio- und Fernsehgesetz. Deshalb hat sie auch gleich zu politischen Mitteln gegriffen und mit einer (von Verleger und FDP-Ratskollege Filippo Leutenegger unterstützten Interpellation) dem Bundesrat vorgeschlagen, er möge sich doch dafür einsetzen, dass mehr private Radiosender auf UKW senden könnten. Im Falle von Zürich stehen bekanntlich die Sender Radio 24 und Energy (vormals Radio Z) auf der Kippe. Um das Frequenzband freizuschaufeln, möchte Rickli die Programme der Westschweizer und der Tessiner SRG-Sender vom UKW nehmen und über das noch unterentwickelte DAB verbreiten. Das haut wohl niemanden vom Hocker, denn Ricklis und Leuteneggers Vorstoss kommt etwas spät und hat kaum Aussicht auf Gehör (das Uvek lässt wohl kaum mit sich reden, nachdem ein zwar teurer, aber möglicher Ausbau des UKW-Bandes vor geraumer Zeit endgültig beerdigt wurde).
Doch einmal abgesehen von der mangelnden politischen Sprengkraft des Begehrens: Käme, rein hypothetisch, Ricklis Idee zum Tragen, verschwände eine geschätzte Errungenschaft der mehrsprachigen und multikulturellen Medien-Schweiz. Das bedeutet für geneigte Radiohörerinnen und -hörer höchsten Luxus. Wer schon einmal von München kommend sich im Auto der Liechtensteiner Grenze näherte und unverhofft Radio Suisse Romande empfangen konnte, der weiss, wovon hier die Rede ist. Das versteht auch, wer nach dem Verschwinden von Radio Tropic, dem einzigen jemals urbanen (Zürcher) Radiosender mit regelmässigen Nachrichten aus aller Welt (BBC, Radio France) verzweifelt nach Alternativen sucht. Das versteht, wer sich beim allzu ambitiösen Erwachsenenradio in die Ecke gedrängt und sich nicht wirklich aufgehoben fühlt. Obwohl man zum Beispiel den Romands sture Blindheit vorwirft, wenn es um die Deutschschweiz geht – in der Presseschau auf RSR wird regelmässig und ausführlich die Deutschschweizer Presse zitiert. Das Umgekehrte ist hingegen nie der Fall.
René Worni, Redaktor
